Hast du toxische Vorgesetzte? Daran kannst du sie erkennen

· 10. Juli 2018

Toxische Vorgesetzte missbrauchen die Macht, die ihnen ihre Position verleiht. Studien aus der Arbeitspsychologie lassen erkennen, dass ein gutes Verhältnis unter Mitgliedern eines Teams zu einer höheren Produktivität und Fortschritt im Allgemeinen führt. Obwohl es diese Studien gibt, finden sich immer noch genügend Chefs, die Methoden anwenden und Verhaltensweisen zeigen, die sich auf ihre Angestellten negativ auswirken.

Bei diesen „Führungspersönlichkeiten“ findet man einen Rest an feudalem Vermächtnis. Sie haben eine autokratische Vorstellung von Macht. Darum macht es ihnen auch nichts aus, wenn ihr Verhalten Schaden anrichtet. Sie sehen das Geschäft oder die Organisation als Maschine, die ordnungsgemäß funktionieren muss. Die ihnen unterstellten Mitarbeiter sind in dieser Maschine nur die Rädchen. Toxische Vorgesetzte konzentrieren sich mehr auf die Ergebnisse als den Vorgang.

„…und das Proletariat, das sich nicht als Kanaille behandeln lassen will, hat seinen Mut, sein Selbstgefühl, seinen Stolz und seinen Unabhängigkeitssinn noch viel nötiger als sein Brot.“

Karl Marx

Toxische Vorgesetzte schüren die Angst

Forscher bestätigen immer wieder, dass eine positive Menschenführung zu einer höheren Arbeitsleistung führt. Langfristig gesehen erzeugen demokratische Modelle und eine horizontale Ausrichtung im Unternehmen größeren Respekt unter den Arbeitenden.

Vor allen anderen Dingen übt eine authentische Führungspersönlichkeit ihre moralische Autorität aus. Sie greift nicht auf Nötigung und Bestrafung zurück, um die Angestellten auf die Firmenziele „einzuschwören“. Stattdessen motiviert und belohnt sie die Mitarbeiter. Dies fördert deren Gefühl für Zugehörigkeit und bringt Angestellte dazu, sich ihrer Aufgabe engagierter zu widmen.

Toxische Vorgesetzte vertrauen auf die Angst. Sie greifen zu diesem Werkzeug, um ihre Angestellten dazu zu bewegen, an den Firmenzielen festzuhalten. Obwohl dieses Modell kurzfristig funktioniert, führt es langfristig zur Stagnation. Darüber hinaus werden sich die Angestellten frustriert fühlen. Sie machen sich dazu bereit, das Unternehmen zu verlassen, sobald sich die Gelegenheit ergibt. Eine toxische Führungskraft beschädigt die Organisation in ihrer Gesamtheit.

Nachfolgend werden wir einige der geläufigsten Charakteristika einer derartigen Führungskraft näher erläutern.

Toxische Vorgesetzte legen ein arrogantes Verhalten an den Tag

Eine toxische Führungspersönlichkeit glaubt, dass sie kraft ihres Amtes besser wäre als der ganze Rest. Es ist vollkommen egal, wie sie an die oberste Position im Unternehmen gekommen ist: Sie fühlt sich stets überlegen. Dazu glaubt sie auch, dass sie das Recht hätte, alle anderen als weniger wichtig anzusehen. Und das allein deswegen, weil sie der Chef ist.

Feuerspeiender Kopf verbrennt Männchen

Diese Arroganz kommt in Körpersprache, Tonfall und Förderungsstil zum Ausdruck. Toxische Vorgesetzte wollen einschüchternd wirken. Sie deuten die Angst ihrer Angestellten als etwas Positives. Ihre Arroganz hat dabei immer mit Unsicherheit und einem Mangel an Selbstbewusstsein zu tun, weniger mit echter Überlegenheit.

Sie sind unfähig, zuzuhören oder sich mitzuteilen

Eines der offensichtlichsten Merkmale einer toxischen Führungskraft zeigt sich darin, wie schwer es ihr fällt, anderen zuzuhören. Dieser Typ Chef ist der Ansicht, dass man den Angestellten eine unverdiente Wichtigkeit beimessen würde, wenn man ihnen zuhörte. Er nimmt an, dass seine Macht über seine Untergebenen schrumpfen würde, wenn er ihnen Aufmerksamkeit schenkte.

Toxische Vorgesetzte können sich nicht mitteilen. Ihre Anweisungen können sogar unnötig kompliziert ausfallen. Sie machen dies absichtlich: Damit versuchen sie, ihre Angestellten einzuschüchtern. Toxische Chefs benutzen nur Feststellungen. Sie betonen, dass sie bei jeder Angelegenheit das letzte Wort haben. Für gewöhnlich würdigen sie nicht, was andere sagen. Sie zeigen dies vielleicht durch Gleichgültigkeit oder stellen den Angestellten auf eine respektlose Art Fragen.

Sie üben Kontrolle aus und sind unflexibel

Toxische Vorgesetzte verstehen den Unterschied zwischen „leiten“ und „kontrollieren“ nicht. Sie sehen auch den Unterschied zwischen „führen“ und „befehlen“ nicht. Sie misstrauen den Leuten, mit denen sie arbeiten. Darum denken sie auch, dass die beste Strategie das Mikromanagement von allem und jedem wäre. Sie gehen davon aus, dass es ihr Job wäre, alles zu überwachen. Und zu bestrafen, was in ihren Augen ein nicht angemessenes Verhalten ist.

Ein toxischer Chef und ein Angestellter im Rollenspiel als Playmobilfiguren

Toxische Vorgesetzte sind außerdem unflexibel. Sie sehen Situationen in schwarz-weißem Licht. Sie sind der Annahme, dass Stärke gleich Unbeugsamkeit wäre. Wenn sie nicht äußerst streng wären, würden sie von anderen Leuten als schwach wahrgenommen. Darum dürfte man ihre Befehle auch nicht infrage stellen. Sie zwingen anderen ihre Vorstellungen auf. Angestellte dürfen um kein Jota von den Vorgaben abweichen, sonst werden sie bestraft.

Sie wissen nicht, wie man mit Konfliktsituationen umgeht

Diese Art von Vorgesetzten begrüßen die Wut. Sie glauben, dass schlechte Laune und Reizbarkeit die Merkmale eines ernstzunehmenden und verantwortungsbewussten Angestellten wären. Darum werten sie diese Züge auch als Ausdruck von Engagement und Gründlichkeit. Demzufolge klingen sie oft gereizt, wenn sie Befehle erteilen, oder erheben die Stimme, wenn sie Probleme bei der Arbeit „einer Lösung zuführen“. Sie denken, ihnen gebührte das Recht, ihren Angestellten eine Standpauke zu erteilen.

Wenn Probleme mit einem Mitarbeiter auftauchen, sieht ihr Lösungsansatz so aus: Sie verhängen neue Befehle oder eine Bestrafung. Sie neigen dazu, dem Unbehagen der Mitarbeiter Ignoranz zu zollen. Wenn sich andere Leute nicht genau an die Regeln halten, werden sie zornig und sehen diese als schwach an. Toxische Vorgesetzte erzeugen ein spannungsgeladenes und gehemmtes Umfeld. Sie sind der Meinung, dass dieses Umfeld ihre Angestellten dazu veranlassen würde, härter zu arbeiten.

Sie lehnen Initiativen seitens anderer ab

Die Initiative zu ergreifen ist ein Anzeichen für Autonomie, Stärke und Befähigung. Darum fühlen sich toxische Vorgesetzte von Angestellten bedroht, die Initiative zeigen. Sie sind vielleicht sogar der Ansicht, das der Angestellte seine Grenzen überschreiten und die Kompetenz des Vorgesetzten auf den Prüfstand stellen würde. Toxische Vorgesetzte weisen einen jeden zurück, der innovative Ideen hat oder Verbesserungen anstrebt.

Toxischer Chef und drei Angestellte

Für diesen Typ Vorgesetzte lassen sich Dinge nur auf eine einzige Weise erledigen – auf die ihre. Angestellte lernen rasch, dass eigenständiges Denken oder eigene Beiträge dazu führen, dass sich toxische Vorgesetzte provoziert fühlen. Schlussendlich leidet das Unternehmen darunter. Das Verhalten des Chefs oder der Aufsicht macht es der Belegschaft unmöglich, die Organisation oder das Unternehmen mit neuen Ideen zu bereichern.

Zeitmanagement ist ein Fremdwort

Eine gute Zeiteinteilung ist entscheidend, um die Aufsicht über die Belegschaft zu führen, sie zu leiten und Probleme zu vermeiden. Jemand wird zu einer schlechten Führungspersönlichkeit, wenn sein Zeitmanagement schlecht ist. Dazu gehören Schwächen in der Planung und der Priorisierung der Tätigkeiten.

Durch mangelhafte Zeitplanung versinkt man am Arbeitsplatz im Chaos. Angestellte müssen ihre Arbeit häufig in Rekordzeit erledigen. Dann gibt es Zeitspannen, in denen sie gar nichts zu tun haben. In diesen Fällen kommt ihnen die Arbeitsstelle instabil und unorganisiert vor. Dementsprechend fühlen sie sich gestresst und angespannt.

Sie kennen die Bedürfnisse ihrer Angestellten nicht

Toxische Vorgesetzte haben keine Ahnung davon, was ihre Angestellten brauchen. Sie haben auch kein Interesse daran, diese Bedürfnisse kennenzulernen. Sie sind der Ansicht, dass persönliche Angelegenheiten am Arbeitsplatz unangemessen oder sogar unerheblich sind. Sie sehen das Privatleben der Leute als Hindernisfaktor für die Erledigung der Arbeit an.

Chef macht Zeitdruck

Sie glauben, dass die persönlichen Bedürfnisse von Angestellten nichts mit ihren Verantwortlichkeiten am Arbeitsplatz zu tun hätten. Da sie ein Schwarz-Weiß-Denkraster haben, nehmen sie an, dass private Probleme den Angestellten nur als Ausrede dienten, einen Tag zu Hause zu bleiben oder die Arbeit nicht vollständig zu erledigen. Toxischen Chefs fällt es schwer, ihre Angestellten als Menschen wahrzunehmen.

Das Arbeitsrecht rund um die Welt versucht, Arbeiter zu schützen. In der Realität gibt es jedoch genügend Vorgesetzte, die die Grenzen des legal Vertretbaren hinausschieben. Sie ignorieren auf subtile Weise die Rechte ihrer Belegschaft und verstecken ihre missbräuchliche Haltung hinter der Unvorhersehbarkeit menschlicher Beziehungen.

In Krisenzeiten sind toxische Vorgesetzten reichlich vorhanden. Sie wissen, dass sie Grenzen überschreiten können. Die meisten ihrer Angestellten werden sich nicht wehren, weil sie Angst haben, ihre Stellung zu verlieren. Dennoch sollten Angestellte ihre Rechte kennen. Und sich derer bewusst sein: Sie dürfen es respektvoll laut aussprechen, wenn sie der Ansicht sind, dass sie schlecht behandelt werden.