Ekpathie – das Gegenteil von Empathie

· 11. Februar 2018

Kürzlich wurde ein neuer Begriff geprägt, nämlich der der Ekpathie. In diesem Artikel soll der Bedeutung dieses Begriffes auf den Grund gegangen werden.

Empathie beschreibt den angemessenen Umgang mit emotionalen Herausforderungen und den Gefühlen anderer Menschen. Ekpathie kann als Gegenteil der Empathie verstanden werden. Dieses gegenteilige Konzept wurde vom Arzt und Professor der Psychiatrie Luis de Rivera als freiwilliger und bewusster Prozess der Ausgrenzung von Gefühlen, Einstellungen, Gedanken und Motivationen definiert.

Ekpathie ist jedoch nicht gleichbedeutend mit Gleichgültigkeit oder affektiver Härte, was charakteristische Eigenschaften von Menschen mit geringer Empathie sind. Doch sie stellt ein Manöver, eine mentale Handlung dar, die Empathie ausgleicht. Diese kompensatorische Handlung schützt uns vor der emotionalen Flut, die die Empathie zuweilen mit sich bringt, und verhindert, dass uns die Emotionen anderer niederreißen. Das ist ein Risiko, dem übermäßig empathische Menschen stets ausgesetzt sind.

Man darf dabei nicht verwechseln, was es bedeutet, sich in die Rolle eines anderen hineinzuversetzen und sich selbst in dieser Situation niederzulassen. Eine empathische Reise ist notwendig, um andere Menschen zu verstehen. Jedoch kann diese auch gefährlich sein, wenn man beispielsweise in der Situation des anderen stecken bleibt.

„Wenn der Grad der Beteiligung einer Person, die bereit ist, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, ein gesundes Maß übersteigt, besteht die Gefahr, in die sogenannte ,Falle des Messias‘ zu tappen: Man vergisst vor lauter Liebe und Hilfe für andere, sich selbst zu lieben und helfen.“

Carmen Berry

Ekpathie gegen Manipulation

Obwohl wir davon ausgehen, dass es Spezialisten gibt, die sich darauf verstehen, Emotionen zu induzieren und zu übertragen, stehen die meisten von uns doch in enger Verbindung zu ihren Emotionen und sind ihnen wehrlos ausgesetzt: Wir haben oder können uns allerdings Werkzeuge aneignen, um diese emotionale Entführung zu verhindern. Sie findet häufiger aufgrund der besonderen Sensibilität des Entführten als wegen einer bestimmten Absicht des Entführers statt. Das bedeutet, dass ersterer der emotionalen Ansteckung unterliegt. Das ist nicht dasselbe wie Empathie.

Empathie beschäftigt sich mit den Informationen, die wir von anderen erhalten. Wenn wir ausschließlich die Vorstellungen, Wünsche und Emotionen anderer Menschen berücksichtigen würden, würde eine Koexistenz katastrophal enden. Empathie bleibt jedoch unvollständig, ohne die Fähigkeit, emotionale Ansteckung bewältigen zu können und sie durch mentale Qualitäten zu kompensieren.

Zwei Menschen, die sich unterhalten und sich in Ekpathie üben

Während Empathie bedeutet, sich in den anderen hineinzuversetzen, heißt Ekpathie, am eigenen Platz zu bleiben. Man weiß, dass es notwendig ist, diese beiden Fähigkeiten zu beherrschen. Letztere stellt eine geistige Maßnahme dar, die uns vor Manipulation und emotionaler Überschwemmung schützt und verhindert, dass uns die Emotionen anderer überwältigen.

„Empathie bedeutet, auf die Situation anderer eine passendere Antwort zu haben als auf die eigene Situation.“

Martin Hoffman

Der Angelpunkt zwischen Empathie und Ekpathie

Daniel Goleman, Autor des Buches Emotionale Intelligenz, meint, dass Empathie im Grunde die Fähigkeit sei, die Emotionen anderer in Anbetracht der Umstände, in denen sie sich befänden, zu verstehen. Er weist jedoch darauf hin, dass es auf einer tieferen Ebene darum gehe, Sorgen und Bedürfnisse zu definieren, zu verstehen und auf sie zu reagieren.

Ekpathie ist das Gegenteil von Empathie und ist gleichzeitig komplementär zur ihr. Dieser Prozess hilft uns, einer Überdosis an Emotionen vorzubeugen, vor allem in schwierigen Situationen wie bei der Versorgung kranker Menschen oder in humanitären Krisen, um Schmerz, Manipulation oder gar Massenhysterie zu vermeiden.

Zwei Frauen in einem Feld

Daher ist es wichtig, zu verstehen, dass nicht jede emotionale Ansteckung gut ist. Für unsere emotionale Gesundheit wäre es ideal, die empathische Kapazität nicht nur im Sinne der Verbesserung des Verständnisses anzuerkennen. Sondern auch in dem Sinne, die Einflüsse zu begrenzen, die für eine empathische Person schädlich sein können.

„Wenn jemand spricht, sollten wir zur Gänze zuhören. Die meisten Menschen hören nie zu.“

Ernest Hemingway