Die Zeit heilt nicht alle Wunden

Du darfst dich nicht auf die Zeit verlassen, sondern solltest die Kontrolle über dein Leid und dein Leben selbst in die Hand nehmen.
Die Zeit heilt nicht alle Wunden
María Alejandra Castro Arbeláez

Geschrieben und geprüft von der Psychologin María Alejandra Castro Arbeláez.

Letzte Aktualisierung: 22. Dezember 2022

Es gibt Schmerzen, die so tief sind, dass sie die Seele zerreißen. Du hast das Gefühl, in einen tiefen Abgrund ohne Ausgang zu fallen. Und in dieser Situation hörst du oft, dass die Zeit alle Wunden heilt, doch dies entspricht nicht immer der Wahrheit.

Das Leben hat Höhen und Tiefen, und jeder geht in seiner Einzigartigkeit auf unterschiedliche Weise damit um. Die Wahrheit ist, dass es uns manchmal schwerfällt, schwierige Situationen zu meistern, weil uns die Flut der Gefühle überwältigt und wir nicht wissen, wie beginnen.

Wir laden dich ein, mit uns über dieses Thema nachzudenken. Begleitest du uns?

“Es gibt Wunden, die uns nicht die Haut, sondern die Augen öffnen.”

Pablo Neruda

Die Zeit heilt nicht alle Wunden

Die Zeit heilt nicht alle Wunden, manche versteckt sie nur

So manches Leid hinterlässt tiefe Spuren. Auch wenn die Schmerzen mit der Zeit nachlassen, bleiben nicht nur die Narben zurück. Die Wunden sind oft darunter noch vorhanden, im Verborgenen, doch noch immer präsent. 

Manche Menschen versuchen, ihre Gedanken mit Aktivitäten zu zerstreuen, die sie ablenken. Doch auch wenn sie sich auf andere Dinge konzentrieren, bleiben verdeckte Emotionen vorhanden. Schmerz und Traurigkeit äußern sich oft durch Wut oder auch Euphorie, wenn sie nicht richtig verarbeitet werden. 

Reflexion, um dich von Gefühlen und Gedanken zu distanzieren

Es gibt Schmerzen, die keinen Namen haben, wir können manches Leid nicht in Worte fassen. In vielen Fällen kommt dann ein automatischer Abwehrmechanismus zur Anwendung, der Wünsche, Gefühle und Gedanken aus dem Bewusstsein vertreibt. Sigmund Freud, der Vater der Psychoanalyse, beschreibt dies als eine häufige Methode, um unangenehme Erfahrungen zu verdrängen.

Die Zeit heilt nicht alle Wunden

Die Zeit bleibt stehen, wenn du nichts tust

Wenn du der Zeit die Machst gibst, alle Wunden zu heilen, nimmst du deine eigene Verantwortung nicht wahr. Du hoffst, dass sich deine Schmerzen allmählich lindern und sich deine psychische Realität verbessert. Die Gefahr bei diesem Verhalten ist, die Motivation zu verlieren, dich von deinem Gemütszustand leiten zu lassen, deine Ziele aus den Augen zu verlieren und deine Schmerzen zu nähren. Du bist nicht in der Lage, die Situation zu analysieren, zu akzeptieren und die Vergangenheit zurückzulassen.

Wenn die Zeit die Hauptrolle spielt, obwohl sie in Wahrheit nur eine Bühne ist, vernachlässigst du die Strategien, die dir helfen könnten, die Wunden vernarben zu lassen. Du kannst nicht nach vorne blicken und wirst auch in Zukunft Schwierigkeiten haben, Hindernisse zu überwinden. Denn dein Selbstwertgefühl leidet, anstatt aus der Widrigkeit gestärkt hervorzugehen.

Die Vorstellung, dass die Zeit alle Wunden heilt, ist deshalb möglicherweise dein schlimmster Feind. Dieser Gedanke führt zum Stillstand, zur Passivität, in der Hoffnung, dass sich deine Situation von allein löst. Du musst die Kontrolle über dein Leben selbst in die Hand nehmen und nicht der Zeit überlassen. Nur so wirst du fähig sein, Schmerzen in Erfahrungen zu verwandeln, die zwar einen schwierigen Lebensabschnitt prägen, dich jedoch nicht darin festhalten.

Entscheide dich für den Wandel: Akzeptiere den Schmerz, bringe ihn zum Ausdruck und definiere in neu. Deine Resilienz hilft dir, nach vorne zu blicken und deine Lebensqualität zu verbessern.

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  • Riso, W. (2006). Terapia cognitiva. Fundamentos teóricos y conceptualización del caso clínico. España: Editorial Paidós.

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