Die Vorteile, die eine Co-Therapie bieten kann

Wusstest du, dass einige Therapien effektiver sein können, wenn sie von mehr als einem Therapeuten durchgeführt werden? Dieses Vorgehen wird als Co-Therapie bezeichnet und bietet zahlreiche Vorzüge. In unserem heutigen Artikel wirst du erfahren, welche das sind!
Die Vorteile, die eine Co-Therapie bieten kann

Letzte Aktualisierung: 28. Januar 2021

Häufig werden Therapiesitzungen von einem Psychologen durchgeführt. Allerdings gibt es Situationen, in denen es von Vorteil sein könnte, wenn diese von zwei Fachleuten durchgeführt würden. Eine solche Co-Therapie kann sowohl für den Patienten als auch für die Therapeuten  erhebliche Vorzüge bieten.

Carl Whitaker, ein Pionier in der Familientherapie, war ein der ersten, der die Bedeutung des Zwei-Therapeuten-Ansatzes hervorhob. Infolgedessen entwickelte er ein Co-Therapie-Modell, das einen großen Beitrag auf dem Gebiet der Familientherapie leistete.

Wenn wir über Co-Therapie sprechen, beziehen wir uns auf die Durchführung einer Therapie (Einzel-, Paar- oder Gruppentherapie) durch zwei Experten auf diesem Gebiet. Sie arbeiten als Team und zwar in integrierter und synergetischer Weise, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Normalerweise besteht dieses Ziel in der Verbesserung einer Störung oder eines Problems bei einem Patienten.

Wie setzt sich das Team von Fachleuten bei einer Co-Therapie zusammen?

Normalerweise handelt es sich um Psychologen, die beide der gleichen Richtung folgen können, dies aber nicht unbedingt müssen. In einigen Fällen sind beide Experten auf ihrem Fachgebiet. Allerdings kommt es ebenfalls vor, dass einer der beiden noch in der Ausbildung ist. Insbesondere in der Familien- und der Paartherapie ist dieses Vorgehen durchaus üblich.

Trotzdem ist in vielen Fällen einer der Fachleute ein Psychologe, während der andere ein Psychiater ist. Dieses Vorgehen ist häufiger bei ernsthafteren psychischen Störungen, bei denen neben der psychologischen Behandlung auch eine medikamentöse Therapie erforderlich ist.

Darüber hinaus gibt es bei der Co-Therapie noch ein weiteres ziemlich häufiges Szenario. Manchmal schult ein Psychologe eine Person aus dem Umfeld des Patienten so, dass dieser mit ihm zusammenarbeiten kann. Auf diese Weise wird es möglich, dass dieser psychologische Laie dem Patienten dabei helfen kann, verschiedene Aufgaben zu erfüllen, die während der Therapie vereinbart wurden. Zum Beispiel können sie gemeinsam Live-Expositionsübungen durchführen, um eine Phobie zu behandeln.

Dieses Vorgehen wird auch gewählt, wenn sich ein Kind in Therapie befindet. Es kann sehr hilfreich sein bei der Behandlung von Kindern mit Autismus-Spektrum-Störungen, nächtlicher Enuresis oder einer geistigen Behinderung. Damit die Behandlung auch außerhalb der Therapiesitzung weiter fortgesetzt werden kann, ist es wichtig, dass Eltern und/oder Lehrer lernen, auch als Co-Therapeuten zu agieren.

Darüber hinaus ist dies gleichermaßen bei älteren Menschen wichtig, besonders wenn sie an einer Form von Demenz leiden. Wenn die Familienmitglieder und Betreuungspersonen ein Training erhalten, werden sie dazu befähigt, sich an die Erkrankung des Patienten anzupassen. Außerdem lernen sie, wie sie damit umgehen können und ihre Lebensbedingungen und ihr Umfeld verbessern können. Überdies wird es dadurch möglich, die Behandlung zuhause mit den notwendigen Aktivitäten zur kognitiven Stimulation fortzusetzen.

Unter welchen Bedingungen ist eine Co-Therapie vorteilhaft?

  • Die Verantwortlichkeiten und die Autoritäten jedes Therapeuten müssen sehr gut abgestimmt sein. Wenn zum Beispiel einer der beiden ein Experte ist und der andere sich in Ausbildung befindet, wird letzter vermutlich die Rolle des Beobachters einnehmen.
  • Wenn beide Therapeuten unterschiedlichen Strömungen angehören, ist dies kein Hindernis in der Therapie. Stattdessen sollten beide Experten diese Unterschiede zum Vorteil des Patienten nutzen. In diesem Sinne ist es möglich, eine integrierte Behandlung mit verschiedenen Techniken unterschiedlicher Strömungen durchzuführen. Natürlich hängt die Auswahl der einzelnen Methoden von ihrer Wirksamkeit in Bezug auf die Probleme des Patienten ab.
  • Darüber hinaus darf die Beziehung zwischen den beiden Therapeuten niemals kompetitiv sein. Beide Fachleute müssen dazu in der Lage sein, ihre eigenen Stärken und Beschränkungen sowie die des Partners zu erkennen. Es ist wichtig, dass sich beide darüber bewusst sind, dass sie ein wichtiger Teil der Therapie sind.

Vorzüge einer Co-Therapie

Die Anwesenheit zweier Therapeuten bietet großartige Vorzüge; nicht nur für den Patienten, sondern auch für die Therapeuten selbst:

  • Zunächst einmal ist es möglich, tiefgreifendere und schnellere Veränderungen zu bewirken, als mit nur einem Therapeuten.
  • Wenn ein Patient zwei Therapeuten hat, kann er über mehr Ressourcen verfügen, als ein einzelner Therapeut bereitstellen könnte. Dem Patienten steht eine größere Bandbreite von Tools zur Verfügung. Am deutlichsten wird dies in Einzeltherapien, die von zwei Therapeuten geführt werden.
  • Wenn zwei Therapeuten für die Evaluation und Behandlung verantwortlich sind, erlaubt dies einen ganzheitlicheren Ansatz. Sowohl in Bezug auf das Problem als auch auf die Behandlung. Dies wiederum ermöglicht eine bessere Datensammlung, die zu einer umfassenderen Diagnose führt.
  • Bei Familien- oder Paartherapien erleichtert die Anwesenheit von zwei Therapeuten die Durchführung von Rollenspielen. Beide Experten können verschiedene Mitglieder der Beziehung (romantisch oder familiär) darstellen und unterschiedliche Situationen durchspielen, um eine bessere Perspektive auf ein Problem zu erhalten.
  • Wenn ein Therapeut über viel Erfahrung verfügt, kann er so einen sehr hilfreicher Lernraum schaffen. Darüber hinaus kann dieser Experte den unerfahrenen Kollegen bei seinen oder ihren ersten Schritten in der Psychotherapie begleiten und anleiten.
  • Mit einem Kollegen an der Seite kann sich der Druck und Stress reduzieren, den ein einzelner Therapeut möglicherweise erleben könnte. Denn bei einer Co-Therapie ist noch ein weiterer Experte anwesend, der die Analysen bestätigen und vervollständigen kann. Dieses Wissen kann sehr entspannend sein.

Die Psychologe-Psychologe-Dyade

Wie wir bereits erwähnt haben, arbeiten in der Co-Therapie häufig zwei Psychologen zusammen. Diese Konstellation kommt häufig in der Familien- und Paartherapie und anderen Therapien für Störungen vor, die keine zusätzliche medikamentöse Behandlung erfordern.

Im Kontext der Paar- und Familientherapie ist es großartig, zwei Psychologen zu haben, denn sie agieren aus unterschiedlichen Rollen in der Beziehung. Dies kann bei der Lösung bestimmter Probleme helfen. Darüber hinaus erhalten die Patienten (das Paar oder die familiäre Einheit) zwei verschiedene Sichtweisen auf ihre Probleme.

Außerdem können die Therapeuten als Rollenmodelle für Eltern fungieren, wenn diese lernen müssen, angemessen mit ihren Kindern zu interagieren. Einer der Hauptvorteile einer Co-Therapie besteht darin, dass sie dazu beiträgt, die Bildung möglicher Allianzen zwischen einem Mitglied des Paares oder der Familie mit einem Therapeuten gegen ein anderes Mitglied der jeweiligen Einheit zu verhindern. Obwohl sich dies vielleicht unwahrscheinlich anhören mag, solltest du wissen, dass dies tatsächlich manchmal in einer normalen Therapie geschieht.

Eine der populärsten Co-Therapien, die es gibt (mit zwei Experten unterschiedlichen Geschlechts) ist die Sexualtherapie von William Masters and Virginia Johnson. Die beiden haben sie im Jahr 1970 zur Behandlung sexueller Funktionsstörungen entworfen. Die Paartherapie wurde jedoch bereits im Jahr 1948 von Mittelman vorgeschlagen und im Jahr 1961 von ihm angewandt.

Co-Therapie - Masters und Johnson

Die Psychologe-Psychiater-Dyade

In diesem Fall besteht die Co-Therapie aus einer Kombination zwischen pharmakologischer und psychologischer Therapie. Dieses Vorgehen ist insbesondere für ernsthafte psychische Störungen erforderlich, welche eine multimodale Intervention erfordern.

Zuerst einmal kann die Verabreichung von Medikamenten bestimmte Symptome verbessern, die anderenfalls verhindern könnten, dass der Patient ein normales Leben führen kann. Auf diese Weise sind die Patienten dann auch offener und ansprechbarer für eine Psychotherapie. Darüber hinaus kann auch die Psychotherapie zu einem verbesserten Verständnis des Patienten dafür führen, warum er bestimmte Medikamente einnehmen muss. Dies wiederum kann sich positiv auf die gesamte Behandlung auswirken.

Die Behandlung bei einer Vielzahl von Störungen kann von den Vorzügen einer Co-Therapie (mit einem Psychologen und einem Psychiater) profitieren:

  • Drogen- und Substanzmissbrauch. Bei der Behandlung einer Suchterkrankung (insbesondere Alkohol und Heroin) ist eine pharmakologische Behandlung erforderlich, um die Entzugssymptome zu lindern. Außerdem ist eine Psychotherapie unter anderem für das Training in Selbstkontrolle, Sozial- und Bewältigungsfähigkeiten und zur Vorbeugung von Rückfällen erforderlich.
  • Psychotische Störungen wie Schizophrenie. Diese Störung bedarf einer pharmakologischen Behandlung, um die Hauptsymptome zu lindern. Dennoch muss sie mit einer psychologischen Therapie ergänzt werden, um die familiäre Situation des Patienten sowie seine soziale Kompetenz zu verbessern. Darüber hinaus ist es wichtig, eine kognitive Rehabilitation beim Patienten durchzuführen und ihn dabei zu unterstützen, mit den  Hauptsymptomen dieser Erkrankung (wie beispielsweise Halluzinationen) umzugehen.
  • Einige affektive Störungen wie schwere und chronische Depressionen, welche neben der pharmakologischen Behandlung ebenfalls einer Psychotherapie bedürfen. Im Fall einer bipolaren Störung besteht die hauptsächliche Behandlung in der Verabreichung von Medikamenten. Trotzdem ist auch hier eine Psychotherapie von entscheidender Bedeutung, um den Patienten dabei zu unterstützen, die Medikamente weiterhin einzunehmen und nicht-pharmakologische Bewältigungsstrategien zu erlernen.
  • Einige Essstörungen wie Bulimie (Bulimia nervosa). In diesem Fall können die Vorteile, die eine psychologische Behandlung bietet, durch die Verabreichung bestimmter Medikamente ergänzt werden. Ob du es glaubst oder nicht, aber sie verbessern die Stimmung des Patienten und haben außerdem eine antibulimische Wirkung.
Co-Therapie - zwei Psychologen besprechen einen Fall

Zusammenarbeit zum Wohle des Patienten

Wir möchten hier eines klarstellen. Nicht alle Behandlungen oder Therapien müssen mit mehr als einem Therapeuten durchgeführt werden. Tatsächlich kann dies aus Sicht der systemischen Therapie manchmal sogar kontraproduktiv sein.

Wie du in diesem Artikel erfahren hast, gibt es dennoch eine große Vielfalt an Störungen, die besser angesprochen werden können, wenn sie in einer Co-Therapie behandelt werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um zwei Psychologen, einen Psychologen und einen Psychiater oder eine Person aus dem Umfeld des Patienten handelt, der dafür geschult wird, eine aktive Rolle in der Behandlung zu übernehmen. Daher ist die Co-Therapie eine wichtige Option, die bei der Behandlung bestimmter Störungen oder Patienten in Betracht gezogen werden sollte.

Wie alle Therapien und Behandlungen gibt es aber auch bei dieser Form gewisse Schwierigkeiten, die hauptsächlich aufgrund der Beziehung der Therapeuten zueinander entstehen können. Daher ist es auch so wichtig, dass sich die Therapeuten darüber im Klaren sind, dass eine Co-Therapie nur dann funktionieren kann, wenn sich beide zum Wohle des Patienten gegenseitig ergänzen.

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