Die Prinzipien der Gestalt: Wie organisieren wir, was wir sehen?

· 7. Februar 2019

Die Gestaltprinzipien sind Regeln, die erklären, wie unser Gehirn bestimmte Reize organisiert. Diese Prinzipien helfen uns, zu verstehen, warum wir die Dinge so sehen, wie wir sie sehen. Die Prinzipien der Gestalt beschreiben die Idee, dass das Ganze mehr ist als bloß die Summe seiner Teile sei.

Verschiedene Psychologen haben diese Prinzipien definiert, darunter Forscher des Gestalttherapeutischen Instituts in Köln, Deutschland, wie Max Wertheimer, Wolfgang Kohler und Kurt Koffka. Diese Psychologen arbeiteten in einem Labor, um zu zeigen, wie das menschliche Gehirn die Informationen und Bilder organisiert, die es im Laufe des Tages empfängt.

Diese neuen Gestaltprinzipien ersetzen somit die Vorstellung, dass Empfindungen einer einfachen Summe einzelner Teile oder Bilder entsprächen. Wie gesagt, diese Prinzipien besagen, dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile. Anwendung finden diese Prinzipien besonders in der Gestalttherapie.

Eine Vereinfachung unserer Welt

Die Tatsache, dass wir Bilder in sinnvollen Einheiten interpretieren können, veranschaulicht einen der Hauptprozesse der Wahrnehmung: Seine Aufgabe besteht darin, die komplexen Reize zu klassifizieren und zu organisieren, die uns die Welt um uns herum bietet, um unsere Orientierung in ihr zu vereinfachen.

Wenn unser Gehirn diese komplexen Reize nicht auf etwas Verständlicheres reduzieren könnte, wäre die Welt eine zu große Herausforderung für uns, um unsere Aufgaben angemessen zu erledigen. Ironischerweise stellten Psychologen fest, dass der Prozess der Vereinfachung der Welt einen erheblichen Aufwand seitens des Gehirns erfordert.

Erst unsere Wahrnehmung gibt unserer Welt einen Sinn

Schauen wir uns die folgenden Bilder an:

Ein aus geöffneten Kreisen gebildetes Dreieck.

Die meisten von uns würden sagen, dass wir hier ein unvollständiges Bild betrachten.

Sind es vier Röhren oder neun Linien?

Man könnte auch sagen, dass man in diesem Bild vier dicke Röhren erkennen kann.

Ein auf der Spitze stehendes Quadrat, welches an den Seiten in senkrechte Linien gefasst ist.

In dieser Abbildung sehen wir ein Quadrat oder einen Diamanten, der in zwei Linien gefasst ist.

Sind das die einzigen Interpretationen, die wir finden können? Eine Person könnte mit ihrer Vorstellung und all ihren Ideen argumentieren, dass es sich bei der ersten Figur um drei Winkel handele, die aus Kreisen ausgeschnitten worden seien. Zum zweiten Bild könnte man auch sagen, es handele sich um vier dünne Röhren oder neun vertikale Linien, während das dritte Bild auch aus einem „W“ über einem „M“ bestehen könnte.

Die Vorstellung, die wir von der Gestalt eines Objekts haben, variiert. Erst unsere Wahrnehmung definiert, wie wir einzelne Elemente einer Szene als ein vollständiges und einheitliches Ganzes interpretieren. Diese Auffassung beruht auf der Annahme, dass das organisierte Ganze immer etwas anders ist und tatsächlich etwas Größeres ist als die Summe seiner Einzelteile.

Gestaltprinzipien der Gruppierung

Grundlegende Wahrnehmungsprozesse funktionieren nach einer Reihe von Prinzipien. Diese Prinzipien beschreiben, wie wir Einzelteile und Informationsausschnitte zu sinnvollen Einheiten zusammenfassen, und jene Prozesse werden als Gestaltprinzip der Gruppierung bezeichnet.

Eine Gruppe deutscher Psychologen, die sich der Untersuchung von Mustern widmete, brachte diese Prinzipien im frühen 20. Jahrhundert zu Papier. Es gelang diesen Wissenschaftlern, gültige Prinzipien für visuelle und auditive Reize zu beschreiben. Hier sind diese Prinzipien:

Geschlossen

Nach diesem Prinzip gruppieren wir normalerweise geschlossene oder vollständige Figuren aus unvollständigen Konzepten. Daher neigen wir dazu, Diskontinuitäten zu ignorieren und uns auf allgemeine Formen zu konzentrieren.

Shwarze unterschiedlich große Flecken deuten auf einen Panda hin.

Nähe

Wir neigen dazu, Elemente zu gruppieren, die nahe beieinander liegen. Daher sehen wir im folgenden Bild normalerweise Buchstaben anstelle von einzelnen Punkten:

Verschiedenfarbige Punkte ergeben zusammen den Schriftzug USA.

Ähnlichkeit

Wir neigen dazu, Elemente zu gruppieren, die ein ähnliches Erscheinungsbild haben. Aus diesem Grund sehen wir in der folgenden Abbildung Zeilen identischer Äpfel anstelle von Spalten unterschiedlicher Figuren.

Ganze Äpfel und halbe Äpfel in Linien.

Einfachheit

Im Allgemeinen ist das vorherrschende Prinzip der Gestalt das Gesetz der Einfachheit. Wenn wir ein Muster beobachten, nehmen wir es auf die grundlegendste und direkteste Weise wahr.

In der folgenden Abbildung sehen wir die Uhrzeiger so angeordnet, dass sie ein Y ergeben. Dies geschieht unter Beachtung des Grundsatzes der Einfachheit, bei dem das Gehirn sich auf das „Verständliche“ konzentriert:

Zwischen den Buchstaben T und ME befindet sich ein Zeigerset welches vermutlich ein I darstellen soll.

Wenn unser Gehirn das Bild der anderen Buchstaben wahrnimmt, sagt es uns, dass die Zeiger den Buchstaben Y erzeugen. Das Gesetz der Nähe spielt jedoch auch eine Rolle, da die Teile, aus denen das Y besteht, zwischen anderen Buchstaben stehen. Wir können auch über das Prinzip der Ähnlichkeit nachdenken, da die Farben aller Buchstaben im Bild gleich sind und keine gekrümmten Linien vorhanden sind.

Würden wir jedoch die Uhrzeiger auf weißem Hintergrund sehen, ohne dass weitere Buchstaben vorhanden wären, nähmen wir wohl schlicht eine Uhrzeit wahr. Kein Y.

Wie wir sehen können, sind diese Prinzipien der Gestalt extrem wichtig, wenn wir verstehen wollen, wie wir Bilder und Eindrücke wahrnehmen. Wir organisieren Reize so, dass wir den Bildern nach diesen verschiedenen Prinzipien eine Bedeutung geben können. Diese Erklärung basiert auf der Tatsache, dass das Gehirn die Wahrnehmung vereinfachen muss, um die Welt für uns verständlicher zu machen.