Die langfristigen Auswirkungen von Cannabis auf das Gehirn

12. Dezember 2018

Der Konsum von Cannabis ist ein Thema, das sehr kontrovers diskutiert wird. Es wurden bereits dutzende Studien durchgeführt, um den Nutzen und die Nebenwirkungen von Cannabis zu erforschen. Da diese Substanz in immer mehr Ländern legalisiert wird, fragen sich Experten, inwieweit Cannabis und sein Einsatz in der Medizin nützlich ist und ob er Schäden verursachen kann. Insbesondere in Hinblick auf die langfristigen Auswirkungen von Cannabis auf das Gehirn besteht noch jede Menge Aufklärungsbedarf.

Als Entspannungsdroge ist Cannabis sehr beliebt. Seine therapeutische Anwendung ist bereits gut etabliert. Produkte aus Cannabis oder ätherische Öle werden sehr häufig zur Behandlung von chronischen Schmerzen oder Epilepsie verwendet. Eine neue Studie warnt jedoch davor, dass langfristiger Cannabiskonsum das Gehirn schädigen könne.

Langfristiger Cannabiskonsum kann das Gehirn schädigen

Vor Kurzem haben Wissenschaftler der Universität von Lissabon (Portugal) und der University of Lancaster (England, Vereingtes Königreich) eine Studie zur langfristigen Anwendung von Cannabis und dessen mögliche Gefahren durchgeführt. Die im Journal of Neurochemistry  veröffentlichten Ergebnisse weisen auf eine erhebliche Gefahr hin: Regelmäßiger Konsum von Cannabis kann das Gedächtnis schädigen. 

Die Forscher konzentrierten sich auf einen Wirkstoff namens WIN 55,212-2, der den Cannabinoiden sehr ähnlich ist, und beobachteten dessen Auswirkungen auf das Gehirn. Unter Verwendung von Mäusen als Versuchstiere konnten die Forscher feststellen, dass die Nagetiere nach einer regelmäßigen Zufuhr dieser Substanz „signifikante Gedächtnisstörungen“ aufwiesen. Tatsächlich konnten die Tiere schließlich nicht mehr zwischen einem Objekt, mit dem sie bereits vertraut waren, und einem Objekt, das sie nicht kannten, unterscheiden.

Mann mit nach unten gerichtetem Blick

Die Auswirkungen von Cannabis auf das Gehirn

Durch den Einsatz von Neuroimaging-Techniken konnten die Forscher auch erkennen, dass diese aus Cannabis gewonnene Substanz Regionen des Gehirns beeinflusst, die an Lernprozessen, Speichervorgängen und dem Zugang zu Erinnerungen beteiligt sind. 

Die chronische Zufuhr dieser Substanz wirkt sich ebenso auf Bereiche des Gehirns aus, die die Kommunikation zwischen den Gehirnregionen, welche das Lernen und das Gedächtnis beeinflussen, ermöglichen, erklären die Forscher. „Unsere Arbeit zeigt sehr deutlich, dass die langfristige Einnahme von Cannabinoiden, wenn dies nicht aus medizinischen Gründen geschieht, einen negativen Einfluss auf die Gehirnfunktion und die Leistung des Gedächtnisses hat“,  erklären sie.

Ana Sebastião, die Hauptautorin dieser Studie, erklärt: „Es ist besonders wichtig, zu verstehen, dass dieses Medikament in bestimmten Krankheitsfällen, wie zum Beispiel bei Epilepsie oder Multipler Sklerose, das Gleichgewicht wieder herstellen kann; bei gesunden Menschen kann es jedoch deutliche Zustände des Ungleichgewichts hervorrufen.“  Und sie erinnert uns daran, dass „Therapien, die auf Cannabinoiden basieren, nicht nur positive Wirkungen in Zusammenhang mit der Krankheit haben können, sondern auch etwaige negative Nebenwirkungen.“

Ist es möglich, diese Nebenwirkungen von Cannabis zu reduzieren, um seinen Einsatz in der Medizin zu rechtfertigen?

In einer weiteren Studie schlugen die Forscher sogar einen Weg vor, um diese negativen Auswirkungen zu kompensieren, und zwar durch die Verwendung eines Arzneimittels, das mit Koffein verwandt ist. „Diese Ergebnisse sind sehr wichtig für die Entwicklung von pharmakologischen Strategien, die darauf abzielen, die kognitiven Nebenwirkungen der derzeit verwendeten, auf Cannabinoiden basierenden Therapien zu verringern. Dies könnte die Anwendbarkeit auf verschiedene Erkrankungen des Nervensystems erweitern,“  sagt Sebastião.

Mit dem Blick auf die Zukunft gerichtet hoffen die Wissenschaftler, dass ein besseres Verständnis der schädlichen Auswirkungen von Cannabinoid-Medikamenten dazu führen wird, Strategien zu entwickeln, um diesen entgegen zu wirken.

Kopf einer Person wird von Bomben getroffen

In diesem Sinne erklärt Neil Dawson, der ebenso an der Studie mitgearbeitet hat: „Diese Arbeit liefert neue und wertvolle Informationen darüber, wie eine langfristige Zufuhr von Cannabinoiden unser Gehirn schädigen kann. Das Verständnis dieser Mechanismen ist von grundlegender Bedeutung, um zu verstehen, wie eine langfristige Einnahme dieser das Risiko erhöht, psychische Probleme, sowie Probleme mit dem Gedächtnis zu entwickeln.“