Die bahnbrechende Brainspotting-Therapie

21. Dezember 2019
Lies diesen Artikel über die Brainspotting-Therapie und erfahre, wie sie dir nützen kann!

Der New Yorker Psychotherapeut Dr. David Grand entwickelte im Jahr 2003 die bahnbrechende Brainspotting-Therapie. Er definiert seine Therapie als ein psychotherapeutisches Angebot, dass das Gesichtsfeld benutzt, um „relevante Blick-Orientierungspunkte“ zu lokalisieren. Diese relevanten Augenpositionen oder Brainspots stehen womöglich mit Bereichen im Gehirn in Verbindung, die durch ein psychologisches Trauma aktiviert werden.

Dr. Grand entdeckte, dass das Gesichtsfeld und die Position der Augen Zugang zu bestimmten Hirnbereichen gewährten, wo Traumata lokalisiert sein können. Nachdem er diese Brainspots durch Aufmerksamkeit oder volle Bewusstheit erreicht hatte, arbeitete er an diesen spezifischen Bereichen, bis der Patient in einen Zustand gelangte, wo sich die Traumata auflösten.

Die Brainspotting-Therapie ist ein komplexer und tiefgreifender Vorgang. Damit wir die Mechanismen dahinter besser verstehen können, reisen wir in die Vergangenheit zurück – genauer gesagt, zu dem Zeitpunkt, wo alles begann.

Ablauf im Kopf, bei dem Versagensgefühle ausgelöst werden. Brainspotting kann helfen.

Wann und wie wurde die Brainspotting-Therapie entwickelt?

2003 behandelte Dr. David Grand eine 16-jährige Eiskunstläuferin, die unter dissoziativen Prozessen litt, die ihre Leistung beeinträchtigten.

Zeitweise konnte sie ihre Beine nicht mehr fühlen oder sich an eine Abfolge in ihrer Kür nicht mehr erinnern, die sie häufig geübt hatte. Verschiedene Hypothesen über die rein körperliche Natur dieser Symptome, konnte man ausschließen. Fachleute waren der Annahme, dass diesen eine dissoziative Störung zugrunde lag und fingen an, an Gehirnprozessen zu arbeiten.

Dr. Grand arbeitete ungefähr ein Jahr mit ihr und glaubte, dass das, was geschah, in einen Zusammenhang zu bringen sei mit der Zurückweisung durch ihre Mutter, der Scheidung der Eltern und mancherlei Sportverletzungen und Niederlagen, die sie erlitten hatte.

Während der Therapie bat Dr. Grand die Eiskunstläuferin, sich eine Abfolge vorzustellen, von der sie dachte, dass sie unmöglich auszuführen sei. Sie musste einen bestimmten Teil in der Abfolge auswählen, wo sie das Gefühl hatte, zu versagen und genau diesen Augenblick „einfrieren“. Genau dort bat sie Dr. Grand, seinen Handbewegungen mit den Augen zu folgen. Schließlich fingen ihre Augenlider an zu flattern, ihr Blick erstarrte und ein Verarbeitungsprozess begann abzulaufen.

Eine Tänzerin dreht sich im Farbenrausch.

Nach zehn Minuten war der Verarbeitungsprozess beendet und die Augenblockade hörte auf. Am nächsten Tag rief die Eiskunstläuferin bei Dr. Grand an und erzählte ihm, dass sie die scheinbar unmöglich auszuführende Abfolge mehrmals hintereinander ausgeführt hatte.

Dr. Grand erkannte, dass er einer wichtigen Sache auf der Spur sein könnte und entschloss sich, seine Hypothese an anderen Patienten mit ähnlichen Problemen auszuprobieren. Er trat auch mit einigen Kollegen in Kontakt, die zustimmten, seine Hypothese ebenfalls zu testen. Dadurch sammelte er genug Beweismaterial hinsichtlich der Wirksamkeit der Brainspotting-Therapie. Dieses Beweismaterial umfasste Patienten mit verschiedenen Diagnosen, verschiedener klinischer Historie und unterschiedlichen Traumata.

Wie funktioniert diese Therapie?

Im Gesichtsfeld wird mit der Brainspotting-Therapie festgestellt, wann und wo die Person am meisten mit ihrem Körper verbunden ist. Sie versucht, sich völlig bewusst zu sein, welche inneren Wahrnehmungen hinsichtlich Zuneigung, Erinnerungen, Körperempfindungen etc. ablaufen.

Als Patient müsstest du dir gestatten, genau zu beobachten, was in deinem Kopf abläuft. Irgendwann kann der Therapeut dann eingreifen und über den Verarbeitungsprozess sprechen. Das Hauptziel liegt jedoch darin, den eigenen Körper zu erfahren. Dadurch ist es leichter, zu einer Lösung der Traumata zu gelangen.

Brainspotting-Therapie

Die Therapie läuft weiter, bis die Patienten sich erinnern oder vorstellen können, was in ihnen ausgelöst wurde, ohne dass sie sich dabei ängstlich fühlen. Dann wird schlussendlich der Ablauf wiederholt, bis fast kein restliches Trauma mehr vorhanden ist.

Die Patienten können das Trauma zu jeder Zeit auflösen: Dies kann in der ersten Sitzung oder nach mehreren Therapie-Jahren der Fall sein. Das hängt von der Diagnose ab und davon, wie ernst das Problem und wie fähig der Patient ist, das Ganze zu verarbeiten. Der Therapeut muss allerdings wissen, was er tut. Er muss dem Patienten und dem Verarbeitungsprozess den allergrößten Respekt entgegenbringen, wenn er mit der Brainspotting-Therapie Erfolg haben will.

  • Corrigan, F., & Grand, D. (2013). Brainspotting: Recruiting the midbrain for accessing and healing sensorimotor memories of traumatic activation. Medical Hypotheses. http://doi.org/10.1016/j.mehy.2013.03.005
  • Gurda, K. (2015). Emerging Trauma Therapies: Critical Analysis and Discussion of Three Novel Approaches. Journal of Aggression, Maltreatment and Trauma. http://doi.org/10.1080/10926771.2015.1062445