Der Türrahmen-Effekt: Warum du plötzlich Dinge vergisst, wenn du einen Raum betrittst

Ist dir auch schon passiert, dass du dir beim Betreten eines Raumes die Frage stellen musstest: "Was wollte ich eigentlich hier?". Wir gehen diesem Phänomen heute auf den Grund.
Der Türrahmen-Effekt: Warum du plötzlich Dinge vergisst, wenn du einen Raum betrittst

Letzte Aktualisierung: 12. Februar 2022

Der Türrahmen-Effekt ist ein Phänomen, das eine mentale Blockade oder einen Erinnerungsfehler verursacht, sobald du die Schwelle eines Raumes überschreitest. Diese Situation gleicht einem kognitiven Neustart, du weißt nicht mehr, warum du den Raum betreten hast.

Das ist frustrierend und auch beunruhigend. Gleichzeitig ist es eine so alltägliche und vertraute Erfahrung, dass sie auch lächerlich ist. In gewisser Weise ist das ein weiterer Beweis dafür, wie fehlerhaft unser Gedächtnis ist. Es ist noch gar nicht so lange her, da galt es als selbstverständlich, dass der Verstand Informationen ausgezeichnet organisieren kann und dass jede Information im Gehirn auf logische und geordnete Weise gespeichert wird.

Die Realität sieht jedoch anders aus. Das Gehirn leidet unter Aufmerksamkeitsdefiziten, es lässt sich ablenken und manchmal kann schon der bloße Wechsel von einem Szenario zum anderen (vom Wohnzimmer in die Küche) dazu führen, dass wir den Überblick verlieren. Das, woran wir gerade gedacht haben, kann verschwimmen und wie Rauch verschwinden.

Der Türrahmen-Effekt ist eine Gedächtnisstörung, die uns zeigt, dass der einfache Akt des Überquerens einer Türschwelle dazu führen kann, dass wir vergessen, was wir wollten.

Frau experimentiert den Türrahmen-Effekt

Türrahmen-Effekt: Was ist das?

Was wollte ich hier? Die Erfahrung, beim Betreten eines Raumes nicht mehr zu wissen, was wir wollten, ist im Alltag sehr häufig. Das Versagen des Gedächtnisses hat in diesem Fall jedoch nichts mit kognitivem Abbau oder Stressprozessen zu tun. Es handelt sich um einen Fehler im Aufmerksamkeitsprozess.

Dieser Effekt hängt auch mit einer anderen interessanten Tatsache zusammen. Die physische Umgebung kann uns ablenken, wenn es darum geht, die Informationen, die wir im Kopf haben, zu konsolidieren.

Du packst zum Beispiel deinen Koffer in deinem Zimmer und erinnerst dich plötzlich daran, dass du das Handyladegerät in der Küche holen musst. Aber sobald du in der Küche bist, denkst du an die Tassen und Teller, die du nicht in die Spülmaschine geräumt hast, oder an den Saft, den du im Kühlschrank versorgen musst. Schließlich kannst du dich nicht mehr erinnern, was du eigentlich in der Küche wolltest.

Der Verstand reagiert nach unmittelbaren Prioritäten

Die Forschungen von Dr. Gabriel Radvansky von der Universität Notre Dame lieferten interessante Daten zum Türrahmen-Effekt. Die Informationen im Gehirn sind nach Hierarchien organisiert. Manche Daten sind wichtiger als andere, außerdem muss ständig Information gelöscht werden, um neue Dinge zu verarbeiten und zu integrieren. Das Gehirn wählt so die Informationen aus, die es behalten oder löschen will.

Wenn du einen anderen Raum betrittst, konzentriert das Gehirn plötzlich seine ganze Aufmerksamkeit auf dieses neue Szenario. Seine Priorität ist, sich auf die neue Umgebung einzustellen, deshalb denkt es nicht mehr an den eigentlichen Grund für das Betreten dieses Raumes.

Dieser Effekt ist noch ein Überbleibsel aus unserer evolutionären Vergangenheit. Die Menschen waren gezwungen, jedem Szenario, das sie durchquerten, ihre volle Aufmerksamkeit zu schenken: Höhlen, Ebenen, Wäldern usw. Überall konnten Gefahren lauern und es war wichtig, darauf vorbereitet zu sein.

Wenn du einen anderen Raum betrittst, kann es sein, dass dein Gehirn vergisst, was du eigentlich tun wolltest, weil es glaubt, dass das nicht mehr wichtig ist. Seine Priorität ist jetzt, das neue Szenario zu erkunden.

Der Türrahmen-Effekt und die Abhängigkeit unserer Erinnerungen von der Umgebung

Rufe dir für einen Moment eine Erinnerung aus deiner Kindheit ins Gedächtnis. Visualisiere sie für ein paar Sekunden. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass diese Erinnerung mit einem Ort verbunden ist: dem Haus deiner Großeltern, einem Schulspielplatz, einem Tag am Strand, dem Haus eines Freundes…

Das Gehirn ist in hohem Maße von der Umgebung und dem Umfeld abhängig, in dem wir uns befinden, um Erinnerungen zu erzeugen und sie zu festigen. Deswegen ist es bei einem Szenenwechsel oft schwer, sich an die vorhergehenden Absichten zu erinnern. Natürlich passiert das nicht immer und nicht jeden Tag. Es kommt allerdings vermehrt dazu, wenn wir Multitasking betreiben.

Wenn wir viele Dinge auf einmal tun oder denken, vergessen wir oft, was wir in einem bestimmten Raum tun wollten, wenn wir eintreten.

Türrahmen-Effekt

Wie können wir diese kurzzeitige Vergesslichkeit vermeiden?

Wie bereits erwähnt, steht der Türrahmen-Effekt in keinem Zusammenhang mit einem kognitiven Problem oder Demenz. Doch besteht eine Möglichkeit, diese Vergesslichkeit zu verhindern? Der Schlüssel liegt in der Verbesserung der AufmerksamkeitDu solltest versuchen, nicht gleichzeitig an verschiedene Dinge zu denken und kein Multitasking praktizieren. Unsere Aufmerksamkeit schwankt ständig, deshalb wirst du trotzdem den Türrahmen-Effekt nicht immer verhindern können.

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  • McFadyen, J., Nolan, C., Pinocy, E. et al. Doorways do not always cause forgetting: a multimodal investigation. BMC Psychol 9, 41 (2021). https://doi.org/10.1186/s40359-021-00536-3
  • Radvansky, Gabriel & Tamplin, Andrea & Krawietz, Sabine. (2010). Walking through doorways causes forgetting: Environmental integration. Psychonomic bulletin & review. 17. 900-4. 10.3758/PBR.17.6.900.