Das Unerwartete annehmen: Es ist, wie es ist

Immer wieder überrascht uns das Leben mit unvorhersehbaren Ereignissen und Ungewissheit. In diesen Momenten verlieren wir die Kontrolle, doch wir müssen lernen, die unveränderbare Realität zu akzeptieren.
Das Unerwartete annehmen: Es ist, wie es ist
Michael Schaller

Geprüft und freigegeben von Psychologe Michael Schaller.

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 04. September 2022

Das Unerwartete ist eine Konstante, die uns im Leben immer wieder überrascht. Wir befinden uns auf einer Reise, auf der wir angenehmen, traurigen, schwierigen und aufregenden Herausforderungen begegnen. Unerwartete Situationen zu akzeptieren, ist jedoch nicht einfach. Deshalb sprechen wir heute über verschiedene Strategien, die dabei helfen können, unvorhersehbare Hindernisse auf dem Weg des Lebens zu überwinden.

Das Unerwartete

Unvorhergesehene Umstände zu akzeptieren, ist oft sehr schwierig. Es kann sich um eine Entlassung, eine Trennung oder um den Verlust einer geliebten Person handeln. Natürlich gibt es auch positive Überraschungen, die wir gerne annehmen. Heute sprechen wir jedoch über Hindernisse, die wir auf unserem Weg überwinden müssen, über Ereignisse, die unser Leben plötzlich verändern und eine wahre Herausforderung darstellen.

Der letzte Schritt ist die Akzeptanz, doch damit wir dieses Ziel erreichen, müssen wir oft eine Trauerphase durchlaufen, um uns über die Situation bewusst zu werden. Besonders wichtig ist, die Gedanken fließen zu lassen, anstatt sie zu vermeiden. Du musst erkennen, was passiert ist, und lernen, richtig mit dem Unerwarteten umzugehen.

“Akzeptanz bedeutet nicht Resignation; es bedeutet zu verstehen, dass etwas so ist, wie es ist, und dass es einen Weg geben muss, um es zu überwinden.”

Michael J. Fox

Frau im Bett denkt über das Unerwartete nach
Um Akzeptanz zu erreichen, ist es notwendig, einen Trauerprozess zu durchlaufen.

Akzeptiere deine Gedanken: Es ist, wie es ist

Der richtige Umgang mit den Gedanken und spezifische Bewältigungsstrategien sind für das Wohlbefinden grundlegend. Du musst deinen Verstand schulen und lernen, auf unvorhersehbare Ereignisse angemessen zu reagieren.

Wenn dich das Leben überrascht, sind wiederkehrende, zwanghafte Gedanken normal. In diesem Zusammenhang hat eine aktuelle Studie (2022) der Hebräischen Universität Jerusalem eine Strategie entdeckt, die das Gedankenkarussell verhindern kann. Wenn du einen Gedanken identifizierst und ihn akzeptierst, anstatt ihn zu verdrängen und dich abzulenken, ist die Wahrscheinlichkeit, dass er wiederkehrt, geringer.

Das Forscherteam konnte herausfinden, dass unterdrückte Gedanken immer wieder zurückkehren. Je mehr du gegen sie ankämpfst, desto länger bleiben sie vorhanden. Du musst Dinge, die du nicht verändern kannst, akzeptieren und einen gesunden Weg finden, um mit deinen Gedanken umzugehen.

Lerne, loszulassen

Viele reagieren mit Vermeidungsverhalten und unterdrücken dadurch unerwünschte und negative Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen. Damit kannst du allerdings das Unerwartete nicht rückgängig machen oder verhindern. Deshalb musst du lernen, Situationen oder Ereignisse, die du nicht verändern kannst, nicht nur zu akzeptieren, sondern auch loszulassen.

Damit verbesserst du dein psychisches Wohlbefinden. Erlaube es deinen Gedanken zu fließen, nimm sie wahr und erkenne deine Gefühle. Sobald du dir darüber bewusst bist und Gedanken sowie Gefühle akzeptierst, kannst du dich von ihnen lösen.

Eine aktuelle Metaanalyse, die sich mit diesem Thema befasst hat, kam zu dem Ergebnis, dass die Fähigkeit, loszulassen, Ängste und Depressionen reduziert.

Eine weitere interessante Studie (2005) von Laurie A. Greco untersuchte die Rolle des Vermeidungsverhaltens in einer stressigen Erziehungssituation. Die Studie beschrieb, wie Mütter schwierige Gedanken, Emotionen und Körperempfindungen nach einer Frühgeburt und der Aufnahme ihrer Babys auf der Neugeborenen-Intensivstation erleben (oder vermeiden). Das Ergebnis? Die Vermeidung kann den Stress nach der Entlassung aus dem Krankenhaus erhöhen.

Frau muss das Unerwartete annehmen
Die Vermeidung erhöht die Wahrscheinlichkeit, Angst, Depression oder Stress zu entwickeln.

Das Unerwartete akzeptieren: Heile deine Wunden

Du weißt jetzt, dass es besser ist, das Unerwartete zu akzeptieren, anstatt es zu verdrängen. Manchmal reicht es aus, die Dinge einfach sein zu lassen, in anderen Fällen sind unterstützende Strategien essenziell. Der Prozess der Akzeptanz ist ein Weg, nicht ein Ziel.

Einschneidende Erlebnisse prägen dein Leben, der Schmerz begleitet dich auf deiner Reise, du erlebst vielleicht das Gefühl der Verlorenheit, weißt jedoch, dass du nach vorn blicken musst. Wenn du die Realität nicht verändern kannst, musst du lernen, mit ihr bestmöglich umzugehen.

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  • Greco, L. et al. (2005). Maternal adjustment following preterm birth: Contributions of experiential avoidance. Behavior Therapy, 36(2), 177-184.