Das Broca-Areal und die Sprachproduktion

· 7. Oktober 2018

Sprachproduktion ist die Fähigkeit des Menschen, anhand eines symbolischen Systems zu kommunizieren, das wir Sprache nennen. Diese Fähigkeit hat uns als Spezies in der Evolution wesentliche Vorteile gebracht. Denn nur weil wir wirksam kommunizieren konnten, waren wir in der Lage, zusammenzuarbeiten und komplexe Gesellschaften zu schaffen. Und die Gesellschaft spielt eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, in einer feindseligen Welt zu überleben. Wenn wir uns das Gehirn ansehen, dann ist die biologische Grundlage dieser Fähigkeit das sogenannte Broca-Areal oder Broca-Zentrum.

Ein wichtiger Aspekt unserer Fähigkeit zur Sprachproduktion ist deren Einseitigkeit. In anderen Worten, die meisten Gehirnstrukturen, die für Sprache zuständig sind, befinden sich in unserer linken Gehirnhälfte. Manche Studien deuten zwar darauf hin, dass Dimensionen wie Humor, Pragmatismus und Sarkasmus aus der rechten Gehirnhälfte stammen, aber das für die Spracherzeugung zuständige Broca-Areal finden wir ausschließlich in der linken Gehirnhälfte. Ganz konkret sitzt es nach der Einteilung von Brodmann in Areal 44.

In diesem Artikel erklären wir zwei grundlegende Fakten, die du verstehen musst, wenn du wissen möchtest, welche Rolle das Broca-Areal für die Sprachproduktion spielt. Zunächst sind da dessen anatomische und funktionelle Aspekte. Im zweiten Abschnitt geht es um die Broca-Aphasie, die aufgrund von Schädigungen in dem genannten Areal entsteht.

Anatomie und Funktion des Broca-Areals

Im Laufe der Zeit haben Wissenschaftler erkannt, dass das Broca-Zentrum nicht das einzige Areal ist, das mit der Sprachproduktion zu tun hat. Zusätzlich zum Brodmann-Areal 44 spielen auch die Areale 45, 47 und ein großer Teil von Areal 6 eine wichtige Rolle. Deshalb wäre es sinnvoller, von einem Sprachzentrum zu sprechen.

Ein Gehirn mit rot markiertem Broca-Areal.

Anatomisch ist dieses System eng mit dem Wernicke-Areal verbunden. Das Wernicke-Areal spielt eine große Rolle beim Sprachverständnis. Diese zwei Areale (Broca und Wernicke) sind durch ein Neuronenbündel verbunden, das Fasciculus arcuatus oder Bogenbündel heißt.

Das sind die Funktionen des Broca-Areals:

  • Sprachproduktion, sowohl mündlich als auch schriftlich
  • Bildung von Graphemen, Phonemen und Wörtern, um Grammatik und Morphologie zu strukturieren
  • Abstimmung der Sprachorgane, um die Aussprache zu regulieren
  • Regulation von Satzmelodie, Tonlage und Sprachrhythmus
Diese Funktionen sind die Säulen unserer Spracherzeugung. Durch sie können wir Sprache erzeugen, die sich zur Kommunikation eignet. Deshalb können Probleme im Broca Areal auch weitreichende Konsequenzen haben, was die Sprachanwendung und Kommunikation betrifft. Im nächsten Abschnitt sprechen wir über konkrete Auswirkungen, den eine Schädigung dieser Hirnregion verursachen kann.

Broca-Aphasie

Die Broca-Aphasie ist eine Sprachstörung, die von einer Schädigung des Broca-Areals herrührt. Eines der Symptome ist eine langsame, stockende, gezwungene Sprache. Aber obwohl eine Person mit dieser Störung meistens eine schlechte Aussprache hat, ergibt die mitgeteilte Botschaft in der Regel einen Sinn. Deshalb können wir zu dem Schluss kommen, dass bei einer Broca-Aphasie kein semantisches Problem besteht.

Darstellung zweier kommunizierender Gehirne

Für jemanden mit einer Broca-Aphasie sind manche Wörter leichter auszusprechen als andere. Zum Beispiel ist es für ihn schwerer, funktionelle Wörter zu nutzen (zum Beispiel Artikel und Präpositionen) als Wörter mit eigener Bedeutung (wie Substantive und Verben). Der Grund dafür ist, dass funktionelle Wörter nur aus grammatikalischen Gründen existieren, und das Broca-Areal spielt eine wichtige Rolle für die korrekte Anwendung der Grammatik. Andererseits ist es für Menschen mit dieser Störung recht leicht, bedeutungsvolle Wörter auszusprechen, da ihre Semantik gut funktioniert.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Broca-Aphasie ist, dass das Sprachverständnis erhalten bleibt. Menschen mit dieser Störung haben keine Probleme beim Lesen und können einem Gespräch folgen, wenn sie andere sprechen hören. Das Wernicke-Areal ist die Gehirnstruktur, die für diesen neurologischen Vorgang verantwortlich ist.

Diese Tatsache ist einer der Gründe, warum Wissenschaftler sich so sicher sind, dass das Broca-Areal hauptsächlich für die Sprachproduktion zuständig ist. Obwohl es mit anderen Arealen verbunden ist, scheint es so, als ob diese bei einer Broca-Aphasie normal und unabhängig vom Broca-Zentrum weiterarbeiten würden.

Schlussendlich gibt es noch einen seltsamen Vorgang, der zu beobachten ist, wenn das Sprachzentrum in einem sehr jungen Alter beschädigt wird. Unser Gehirn ist unglaublich plastisch: Wenn unsere linke Gehirnhälfte geschädigt wird, entwickelt sich die Sprache stattdessen manchmal in der rechten Gehirnhälfte. Anders ausgedrückt: Ein Hirnschaden ist nicht das Ende der Welt, wenn das Sprachzentrum zu dem Zeitpunkt noch nicht voll entwickelt ist. Unser Gehirn verschiebt die Aufgaben dann so, dass wir uns normal – oder fast normal – ausdrücken können.

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