Bist du ein Realist oder ein Pessimist? Finde es heraus!

· 12. November 2018

Hat dich jemand schon einmal als Pessimisten bezeichnet? Kannst du die Frage bejahen? Aber du stimmst dieser Meinung nicht zu? Willst du wissen, ob sie zutreffend ist oder nicht? Dann ist das hier der passende Artikel für dich. Realistisch zu sein wird oft mit Pessimismus verwechselt. Aber diese beiden Persönlichkeitszüge kommen vollkommen unterschiedlich daher.

Zuerst einmal ist es wichtig, zu verstehen: Die Tendenz, in unserer Umwelt vor allem das Negative zu sehen, ist normal. Dahinter stecken Motive, die mit unserer Entwicklungsgeschichte und unserer Anpassungsfähigkeit zusammenhängen. Sie sollen uns vor dem beschützen, was uns womöglich Schaden zufügen könnte.

Unser Verstand ist also interessierter an den Dingen, die schieflaufen und uns schaden könnten. Viel eher als an den Sachen, die gut laufen und von denen wir gegenwärtig profitieren. Wenn jemand jedoch ausschließlich die negativen Aspekte eines Geschehens sieht, ist er ein Pessimist. Diese Anpassungsleistung, „das Negative“ aufzuspüren, wird dann zum Problem und dämpft seine Stimmung.

Nun, welche Art von Mensch bist du?

Eine junge Frau steht vor einer Tafel mit Kreidefragezeichen darauf.

Es gibt tatsächlich einen Mittelweg zwischen einer pessimistischen und einer optimistischen Haltung. Optimisten sehen die Welt tendenziell durch eine rosa Brille. Den Mittelweg bezeichnen wir als Realismus. Damit wir die Unterschiede zwischen Realismus und Pessimismus verständlich machen und herausfinden können, zu welchem „Lager“ du gehörst, erklären wir die Ansätze, die dahinterstehen.

Welche Charakterzüge weist eine pessimistische Person auf?

Wenn jemand ein Pessimist ist, weist er eine kognitive Aufmerksamkeitsvoreingenommenheit auf, die der Psychologe Aaron T. Beck als „selektive Abstraktion“ bezeichnet. Mit anderen Worten: Pessimistische Menschen achten durch ihre Voreingenommenheit nur auf eine einzige Art der Information und speichern diese negative Sichtweise ab. Also zollen Pessimisten nur negativen Reizen ihre Aufmerksamkeit und erinnern sich bloß an sie. Ohne dass sie es selbst bemerken würden, filtern sie, was sie wahrnehmen, und erkennen nur das Negative.

Wenn du dich mit dem Pessimismus identifizierst und auf diesen kognitiven Fehler hereinfällst, dann mach dir bitte keine Sorgen – denn dieser Fehler lässt sich beheben. Es gibt in ihrer Wirkung wissenschaftlich belegte psychologische Techniken, wie die kognitive Umstrukturierung und die kognitive Fusion. Damit erfahren Menschen Unterstützung, die sich von gewissen Gedanken zu distanzieren versuchen. Ihnen kann auch geholfen werden, ihre psychologischen Automatismen und negativen Gedankenmuster „umzubauen“.

„Der Pessimist beklagt sich über den Wind. Der Optimist erwartet, dass der Wind sich dreht. Der Realist richtet die Segel neu aus.“

William George Ward

Bin ich ein Pessimist?

Wenn du wissen möchtest, wie du tickst, denke bitte daran, dass pessimistische Menschen Widrigkeiten sehen und dann das schlechteste Ergebnis erwarten. Selbst wenn dieses äußerst unwahrscheinlich ist.

In diesem Sinne liegt eine pessimistische Grundhaltung zum Teil daran, dass man einen Persönlichkeitstyp hat, der auf Ängsten beruht. Diese Menschen befinden sich – in der Bandbreite eines angstbetonten Charakterzuges gesehen – am äußersten Rand. Darum sehen sie das Leben auch aus einer negativen Perspektive. Wenn eine Person pessimistisch ist, neigt sie unbewusst dazu, sich selbst zu beschränken und das Schlimmste anzunehmen. Sie reagiert empfindlicher auf Ungewissheit. Ihr Umgang damit sieht folgendermaßen aus: Sie stellt sich das Schlimmste vor, sodass sie darauf vorbereitet ist.

Wenn du also ein Pessimist bist, dann fokussierst du dich auf die negativen Aspekte, selbst in positiven Ereignissen oder Situationen deines Lebens. Pessimistische Leute konzentrieren sich nämlich auf das, was schiefgegangen ist, sogar wenn sie gerade ein Erfolgserlebnis haben. Wenn du Pessimist bist, kannst du nur schwerlich genießen, was du erreicht hast. Du konzentrierst dich stattdessen darauf, was du hättest besser machen können.

„Wahrer Realismus besteht darin, die überraschenden Dinge zu offenbaren, die von der Gewohnheit überdeckt und deshalb nicht gesehen werden können.“

Jean Cocteau

Ein Mann hält sich ein Blatt Papier vor sein Gesicht, worauf ein trauriges Icon zu sehen ist.

Was sind dann die Merkmale eines Realisten?

Der Hauptcharakterzug einer realistischen Person besteht erst einmal darin, dass sie kein überhastetes Urteil fällt. Sie wartet ab, um zu sehen, wie die Dinge sich entwickeln, bevor sie bewertet. Es braucht eben Zeit, um zu sehen, was passiert, und angemessen reagieren zu können. Das ist ihr bewusst. Sobald sie alle Fakten kennt, entscheidet und handelt sie.

Deshalb bleiben realistische Menschen auch relativ neutral, bis das Ergebnis einer Entwicklung bekannt wird. Sie sind in der Lage, ihre Erwartungen jederzeit an die Wirklichkeit anzupassen. Ebenso bereiten Realisten sich nicht nur geistig auf alles vor, was schiefgehen könnte – sie behalten die objektiven Fakten im Hinterkopf. Sie machen sich also auch bereit, das zu genießen, was prima laufen könnte. Diese Individuen sind damit für alle möglichen Ergebnisse bereit. Sie wissen, wie sie das von ihnen Erreichte genießen können, sind aber gleichzeitig auf ein mögliches Scheitern eingerichtet. Dennoch, Fehlschläge halten sie nicht davon ab, weiterzumachen, um ihre Ziele zu erreichen.

An diesem Punkt wirst du bereits bemerkt haben, dass Realisten sich nicht mit gedanklichen Katastrophenszenarien beschäftigen. Sie bewerten die positiven und die negativen Seiten einer Situation auf angemessene Art und Weise. Darum zählen sie zu den Realisten.

Hast du nach dieser Lektüre herausgefunden, dass du ein Pessimist bist? Dann möchten wir dich daran erinnern, dass dir psychologische Fachkräfte helfen können, damit du diese Aspekte deiner Persönlichkeit verändern kannst. Experten können dir Hilfestellung leisten, wenn es darum geht, diese Katastrophenszenarien zu durchbrechen, die sich in deinem Kopf abspielen. Und die Informationen, die du aufnimmst, nach angemesseneren Auswahlkriterien zu filtern. Bist du dazu bereit?