Auch Kinder können toxisch sein

24. Oktober 2017 en Psychologie 27 Geteilt
Toxische Kinder - nicht alle Kinder sind unschuldige Engel

Die jüngsten Familienmitglieder sind manchmal aufsässig und es braucht viel Arbeit, ihnen beizubringen, sich anzupassen und Regeln zu akzeptieren. Dennoch kommt es hin und wieder vor, dass Kinder ihren Eltern ernsthafte Probleme versuchen, sich diese überfordert und machtlos fühlen wegen des Verhaltens, das ihre Kinder an den Tag legen. Wenn sich die Eltern-Kind-Beziehung verschlechtert, dann sind toxische Kinder oder „kleine Tyrannen“ eine mögliche Ursache.

Das eigene Heim wird dann zu einem feindseligen Umfeld, in dem den Eltern schon der Schweiß auf der Stirn steht, wenn sie nur die Türschwelle übertreten. Sie wissen, dass sich hinter dieser ein forderndes und ihnen feindselig gesinntes Kind befindet, das versucht, sie zu unterdrücken, damit sie machen, was es will. Doch je mehr die Eltern versuchen, das zu unterbinden, desto defensiver verhält sich das toxische Kind.

Wegen unserer Verantwortungen und Sorgen übersehen wir jedoch schnell die Bedürfnisse eines Kindes, das Zuneigung, Liebe und qualitativ hochwertige Zeit benötigt. Es ist deshalb wichtig, dass wir unsere Rolle beim Großziehen toxischer Kinder kritisch hinterfragen.

Ein Kind ohne Grenzen wird irgendwann zu einem Tyrannen.

Wie erkennen wir toxische Kinder?

Wir dürfen keinesfalls toxische Kinder mit Kindern verwechseln, die ein ihrem Alter entsprechendes Verhalten aufweisen und deren Aufsässigkeit ganz normal ist. Deshalb ist es wichtig, gewisse Merkmale zu kennen, die, wenn sie sich herauskristallisieren, zu unterbinden sind. Denn Grenzen sind absolut notwendig, wenn vermieden werden soll, dass Kinder zu Tyrannen werden. Man soll flexibel bleiben, aber besagte Flexibilität muss auch Grenzen kennen.

Eine der ersten Verhaltensweisen, der wir eine Grenze setzen müssen, ist das herausfordernde Verhalten, das die Eltern dazu bringen soll, dass sie sich an einem Spiel der Aggressivität und Feindseligkeit beteiligen. Die Verletzung von Regeln, die Missachtung von Aufgaben und das Ignorieren von Strafen sind Anzeichen, die nicht übersehen werden sollten.

Tintenfisch im Kinderzimmer

Wir müssen auch die Augen offen halten und es erkennen, wenn toxische Kinder die Eltern herumscheuchen oder ihnen Befehle geben wollen. Zum Beispiel, um wie viel Uhr gegessen oder wann ferngesehen wird. Und wenn die Eltern nicht mitmachen, bekommen die Kinder sofort einen Wutanfall oder machen etwas kaputt. Dieses Verhalten sollte man schon beim ersten Mal sofort unterbinden. Andere Warnsignale, die wir unbedingt wahrnehmen müssen, sind launenhaftes Verhalten, fehlendes Mitgefühl, eine geringe Frustrationstoleranz und der Hang zur Manipulation, um an seine Ziele zu kommen.

Wenn du dein Kind bestechen musst, damit es etwas tut, erziehst du es falsch.

Toxische Kinder sind das Ergebnis einer fehlerhaften Erziehung. Keine Grenzen setzen, auf Erpressungsversuche hereinfallen und zulassen, dass sie eine Kontrolle ausüben, die weder ihrem Alter noch ihrer Reife entspricht, sind diesbezüglich wichtige Punkte. Die Kinder versuchen, den Eltern das Ruder aus der Hand zu nehmen, unabhängig zu sein, und das ist ein Druck, dem viele Eltern nicht standhalten, weil sie sich unfähig fühlen, die Kontrolle zu bewahren. Deshalb geben sie nach. Das macht aber aus einer schwierigen Aufgabe nur eine noch kompliziertere.

Oftmals sind die Eltern schuld an der Situation

Ich bin nicht böse. Höre mir zu und du wirst sehen, dass sich hinter meinem schlechten Verhalten ein Bedürfnis verbirgt.

In den meisten Fällen sind die Eltern schuld am toxischen Verhalten ihrer Kinder, so hart das auch klingen mag. Da sie sie falsch erzogen, überbehütet, ihnen keine Grenzen gesetzt, sie als ihre Freunde angesehen und nicht genügend wertvolle Zeit mit ihnen verbracht haben, ist das Resultat verheerend. Fragen wir doch mal nach der Rolle der Erwachsenen in diesem Spiel: Wenn sich Kinder schlecht verhalten, um ihre Aufmerksamkeit zu erheischen, oder als Konsequenz einer mangelhaften Erziehung, was machen sie dann, was machen wir dann? Wir bestrafen sie, indem wir sie anbrüllen, ihnen Vorwürfe machen und ihnen verletzende Sätze um die Ohren hauen, oder gehen über zum anderen Extrem und verstärken dieses Verhalten, indem wir ihm in dem Moment, in dem es etwas einfordert, alles geben, was es verlangt.

Ein Schwarm Vögel fliegt aus dem Haar eines Kindes

Dennoch gibt es eine Lösung für diese Probleme – eine kompliziertere Lösung als vorher, die ein großes Maß an Intelligenz und in vielen Fällen professionelle Unterstützung benötigt. Es werden Psychologen gebraucht, die die Eltern anleiten, erneut Grenzen zu setzen, und ihnen Strategien aufzeigen, um sie durchzusetzen.

Zweifellos ist es dabei sehr wichtig, sich auf das Positive zu konzentrieren und die Kommunikation mit dem Kind zu verbessern. Auf diese Weise können wir den Auslöser für sein Verhalten herausfinden. Vielleicht fühlt es sich verletzt, weil wir zu wenig für es da sind und seine Verhaltensweise ist seine Art der Bestrafung unserer Abwesenheit. Wir müssen mit ihm reden und es verstehen. Und es zu verstehen hat rein gar nichts damit zu tun, nachgiebige Eltern zu sein. 

Es sind weiterhin eindeutige und kohärente Grenzen zu setzen, die weder hinterfragt noch übergangen werden können. Es ist wichtig, das Kind nicht über Belohnungen zu motivieren, diese Grenzen zu respektieren, aber soziale Anerkennung ist ein angemessenes Werkzeug.

Mithilfe von Geschenken oder Belohnungen eine Einhaltung der Grenzen zu fördern, könnte dem Kind eine neue Möglichkeit der Manipulation verschaffen. Man vermittelt dem Kind so den Eindruck, dass es die Grenzen nur respektieren müsste, wenn es zuvor eine Belohnung dafür erhalten hat. Das Kind muss aber verstehen, dass es nicht immer ein Geschenk für erwünschtes Verhalten gibt, da in vielen Fällen die Belohnung dafür bereits in der Ausführung der Handlung steckt. Zum Beispiel, wenn es jemandem hilft und sich nützlich fühlt – das kann man dem Kind nur schlecht erklären, weshalb es am besten wäre, wenn es selbst dieses Gefühl erlebt.

Mit Geduld, Liebe und Standhaftigkeit können wir jenes toxische Verhalten aber der Vergangenheit angehören lassen, welches viele Kinder entwickeln, wenn sie mehr Macht haben als ihnen zusteht. Sie werden versuchen, uns diese Macht abzunehmen, und unsere Aufgabe besteht darin, die Kontrolle nicht herzugeben, so erschöpfend das auch sein mag oder so wenig Lust wir auch auf einen Wutanfall haben mögen. Diese ersten Machtkämpfe entscheiden darüber, wie unsere Diskussionen mit unseren Kindern aussehen werden, wenn sie in die Pubertät kommen.

Beim Umgang mit toxischen Kindern ist es entscheidend, nicht die Kontrolle zu verlieren. 

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Nicoletta Ceccoli

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