An manchen Tagen brauche ich eine Umarmung, aber will niemanden sehen

22. Juli 2017 en Emotionen 1041 Geteilt

Es gibt Tage, die sind komisch und voller Widersprüche. An solchen Tagen brauchen wir die Wärme einer Umarmung, diese Berührung, die uns Zuneigung und Nähe vermittelt. Zur selben Zeit haben wir das Verlangen, uns zurückzuziehen, an einen Ort, an dem Ruhe herrscht und wir allein sind.

Was passiert da mit uns? Läuft etwas schief mit uns, wenn wir solche Situationen oder Gemütszustände öfters erleben? Die Antwort ist nein. Wir sollten von Einzelfällen, die ganz normal sind, nicht auf einen pathologischen Zustand schließen. Es könnte jedoch zu einem Problem werden, wenn sie sich über alle Maßen häufen oder chronisch werden.

„Du bist ein Meister des Lebens, das du bereits gelebt hast, ein Geselle des Lebens, das du gerade lebst, und ein Lehrling des Lebens, das noch vor dir liegt.“

Richard Bach

Widersprüchliche emotionale Zustände dieser Art treten in verschiedensten Lebenslagen auf und können ganz unterschiedliche Ursachen haben. Manchmal sind sie lediglich hormonellen Schwankungen geschuldet, während derer die Serotoninkonzentration sinkt und es infolgedessen zu einer leichten Instabilität unseres Gemütszustandes kommt.

Eine der häufigsten Ursachen ist jedoch unser Umfeld und hat etwas mit der Art zu tun, wie wir mit alltäglichen Situationen umgehen. Denn die Welt und menschliche Beziehungen können sehr widersprüchlich, chaotisch und eigenwillig sein. An manchem Morgen strahlt alles nur so voll Hoffnung, aber mit der untergehenden Nachmittagssonne stellt sich Ernüchterung ein und alle Gewissheit auf einen positiven Ausgang verschwindet.

Wie können wir am besten mit solchen Dissonanzen und inneren und äußeren Schwankungen umgehen? Im Folgenden liefern wir dir die Antwort auf diese Frage.

Lernen, mit dem Widerspruch zu leben

Wir würden wohl am liebsten in einer Welt der Gewissheit leben. In einer Welt, in der Gefühle stabil, logisch nachvollziehbar und bestimmt sind, frei von jeder Zweideutigkeit und jeglichen Widersprüchen. Eines sollte jedoch klar sein: Die Welt, die Gesellschaft und wir selbst mit der Komplexität unserer Gefühle sind unbeständig und verändern sich ständig. Ob wir es wollen oder nicht, wir müssen uns sehr anstrengen, um inmitten all dieses Chaos Harmonie zu finden. Denn nur, wenn wir dazu fähig sind, entwickeln wir uns weiter, lernen wir unseren Alltag zu bewältigen und unser persönliches Gleichgewicht zu finden.

Wir müssen lernen, mit diesen äußeren und inneren Widersprüchen umzugehen. Es gibt Tage, an denen alles glattgeht, aber auch Tage, an denen gar nichts läuft, alles schiefgeht und jegliche Hoffnung verloren scheint. An solchen Tagen fühlen wir uns einsam, verletzt und voll von Wut und Frustration, aber gleichzeitig brauchen wir nichts dringender als eine Umarmung, Zuneigung und Nähe.

Wir müssen uns anstrengen, um mit der Komplexität und der Ungewissheit dieses Lebens umgehen zu können. Wir müssen akzeptieren, dass nichts absolut sicher ist, dass unser Leben aus Zyklen besteht, dass Beziehungen sich verändern und dass auch wir uns verändern, und damit unsere Bedürfnisse und Prioritäten. Wenn wir dies akzeptieren, können wir dem Fluch des Unwohlseins entgehen. Wer an der Vorstellung einer unendlichen Beständigkeit festhält, wird leiden. Denn wer mit Veränderungen, Verlusten und Herausforderungen nicht umgehen kann, wird sich persönlich nicht weiterentwickeln.

Jene Tage, an denen man allein sein möchte, aber auch eine Umarmung braucht

Es gibt kein schlimmeres Gefühl, als von der Welt genervt zu sein, sich aber gleichzeitig nach der Liebe anderer zu sehnen. So paradox es uns auch erscheinen mag, dieses Gefühl ist absolut normal und wir erleben es häufig.

„Man kann keinen Knoten lösen, ohne zu wissen, wie er geknüpft wurde.“

Aristoteles

Igor Grossman, Professor an der Fakultät für Psychologie der University of Waterloo (Kanada), erklärt, dass die Situationen, in denen wir solche emotionalen Widersprüche erleben, äußerst produktiv sein können. Sie können uns helfen, eine bestimmte Situation aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Wenn wir jedoch mit dieser Achterbahn der widersprüchlichen Gefühle falsch umgehen, und zulassen, dass sie sich in eine Konstante in unserem Leben verwandelt, laufen wir Gefahr, in eine Depression zu verfallen.

Wir müssen lernen, diese Gefühle zu entflechten und zu analysieren, um ihnen einen Nutzen abzugewinnen.

Emotionale Widersprüche kontrollieren lernen

Der erste Schritt, um Ordnung in unser emotionales Chaos zu bringen, ist, es zu akzeptieren. Allerdings bedeutet dies nicht, aufzugeben und uns dem Leid auszuliefern. Es geht darum, das, was mit uns passiert, anzuerkennen, und realistisch, ehrlich, mutig und vorsichtig damit umzugehen.

  • Untersuche jeden Aspekt deines Unwohlseins im Detail: „Ich bin wütend, weil ich enttäuscht wurde“, „ich habe Angst, weil ich nicht weiß wohin mit mir“, „ich würde mir wünschen, dass sie verstehen, was mit mir los ist“…
  • Der zweite Schritte besteht darin, effektive und produktive Reaktionen zu finden. Dafür müssen wir etwas Mut, Überwindung und Willen aufbringen. „Wenn ich will, dass sie verstehen, was mit mir los ist, muss ich es ihnen sagen“, „wenn mich jemand enttäuscht oder verletzt hat, muss ich dieses Kapitel abschließen, neue Leute kennenlernen und mein Umfeld verändern“, usw.
  • Der letzte Schritt ist jedoch der wichtigste. Wir müssen unsere einschränkenden Vorstellungen, unsere aufdringlichen Gedanken, unsere negativen Obsessionen und die psychische Artillerie, mit der wir uns selbst manipulieren, unter Kontrolle bringen.

Unsere Gefühlswelt zu erkennen, zu kontrollieren und zu verwalten ist eine machtvolle Waffe, um für unser Wohlergehen zu kämpfen. Wir müssen unsere innere Harmonie in dieser widersprüchlichen Welt aufrechterhalten und in Zeiten, in denen sich die Ereignisse überschlagen und unsere emotionalen Saiten ausfransen, ein Gleichgewicht finden.

Wir verdienen es alle, ab und zu mal in den Arm genommen zu werden. Aber zunächst einmal sind wir selbst für unser Wohlergehen verantwortlich, als wertvolle Lebewesen, als Schätze in unserem eigenen Universum.

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