Akute Verwirrtheit: Symptome, Arten und Behandlung

Hast du schon einmal von einem Syndrom gehört, das als akute Verwirrtheit oder auch als Delir bekannt ist? Woher kommt der Begriff und was verursacht diesen Zustand? In unserem heutigen Artikel werden wir diese und weitere Fragen beantworten.
Akute Verwirrtheit: Symptome, Arten und Behandlung

Letzte Aktualisierung: 16. April 2021

Kennst du ein Syndrom, das als akute Verwirrtheit oder als Delir bezeichnet wird? Es handelt sich um eine neurokognitive Störung, von der etwa ein bis zwei Prozent der Allgemeinbevölkerung und etwa 14 Prozent der Erwachsenen über 85 Jahre betroffen sind.

Das Hauptmerkmal dieser Störung ist eine Bewusstseinsveränderung, die mit einer Abnahme der Aufmerksamkeitskapazität und anderen kognitiven Veränderungen einhergeht, die sich auf Gedächtnis, Sprache und Wahrnehmung auswirken. Wie der Name schon sagt, handelt es sich um eine akute Erkrankung, die normalerweise Stunden oder Tage andauert und dann vollständig verschwindet.

Wie du in unserem heutigen Artikel erfahren wirst, sind die möglichen Ursachen für die akute Verwirrtheit vielfältig, aber größtenteils organischen Ursprungs. Dazu gehören bestimmte Medikamente, Krankheiten, Vergiftungen oder die Abstinenz von bestimmten Substanzen.

Akute Verwirrtheit oder Delir ist pathogen, was bedeutet, dass die Symptome unabhängig von der Ursache gleichbleibend sind. Möchtest du mehr über diesen Zustand erfahren? Dann solltest du unbedingt weiterlesen!

Akute Verwirrtheit - Hinterkopf einer Frau

Akute Verwirrtheit oder Delir: Die Anfänge

Der Zustand, der heute als akute Verwirrtheit oder Delir bezeichnet wird, ist bereits seit der Antike bekannt. Hippokrates beschrieb ihn und Celsus war der erste, der den Begriff „Delirium“ verwendete, wie aus Dokumenten hervorgeht, die aus dem 1. Jahrhundert vor Christus stammen.

Im Jahr 1813 beschrieb Thomas Sutton ein spezifischeres klinisches Syndrom, Delirium tremens, das durch Alkoholkonsum ausgelöst wurde. Später stellte Emil Kraepelin fest, dass jede somatische Störung spezifische verwandte psychische Syndrome aufweist.

Im Jahr 1910 beschrieb Bonhoeffer fünf Syndromgruppen oder klinische Variationen, die im Verlauf verschiedener Krankheiten akut waren. Diese Gruppen waren Delirium (lateinisch für Delir), Amentia, ein Dämmerungszustand (oder epileptischer Typ), Erregung und akute Halluzinose.

Was ist akute Verwirrtheit oder Delir?

Laut DSM-5 (2013) sind ein bis zwei Prozent der Allgemeinbevölkerung von Delir betroffen. Die Prävalenz steigt mit dem Alter und liegt bei den über 85-Jährigen bei 14 Prozent. Darüber hinaus leiden auch 10 bis 30 Prozent der Krankenhauspatienten darunter. Untersuchungen zeigen, dass Männer in der älteren erwachsenen Bevölkerung ein höheres Erkrankungsrisiko haben als Frauen.

Das DSM-5 (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, auf Deutsch: Diagnostischer und statistischer Leitfaden psychischer Störungen) klassifiziert akute Verwirrtheit als neurokognitive Störung. Wie wir oben bereits erwähnt haben, hat Delir viele potenzielle Auslöser, weshalb im DSM-5 fünf verschiedene Typen aufgeführt werden:

  • Delirium bei Substanzintoxikation
  • Substanz-Entzugs-Delirium
  • Medikamenten-induziertes Delirium
  • Delirium aufgrund anderer medizinischer Bedingungen
  • Delirium aufgrund multipler Ätiologien

Darüber hinaus enthält das DSM-5 enthält auch bestimmte Spezifikationen für das Delirium. In Bezug auf die Dauer kann das Delir akut (Stunden oder Tage) oder anhaltend (Wochen oder Monate) sein. In Bezug auf das Aktivitätsniveau kann Delir hyperaktiv, hypoaktiv oder gemischt sein. Bei der Diagnosestellung werden diese Spezifikationen natürlich ebenfalls berücksichtigt.

Akute Verwirrtheit oder Delir – die verschiedenen Typen

Das DSM-5 unterteilt das Delir in Subtypen, die durch ihre Ätiologie definiert sind:

  • Delirium bei Substanzintoxikation. Verschiedene Substanzen können ein Delir verursachen. Dazu gehören unter anderem Alkohol, Halluzinogene, Amphetamine und verwandte Substanzen, Cannabis, Kokain, Phencyclidin und verwandte Substanzen, Inhalationsmittel, Opioide, Beruhigungsmittel, Hypnotika und Anxiolytika.
  • Substanz-Entzugs-Delirium. In diesem Fall ist die Ursache die Abstinenz und nicht die Vergiftung durch bestimmte Substanzen. Dazu gehören unter anderem Alkohol (Alkoholentzug verursacht ein Delirium tremens), Beruhigungsmittel, Hypnotika und Anxiolytika.
  • Medikamenten-induziertes Delirium. Die meisten Medikamente können akute Verwirrtheit auslösen. Dazu gehören Anästhetika, Analgetika, Antiasthmatika, Antikonvulsiva, Antihistaminika, Herz-Kreislauf-Medikamente und Medikamente gegen Bluthochdruck, antimikrobielle Mittel, Medikamente gegen Parkinson, Kortikosteroide, Magen-Darm-Medikamente, Muskelrelaxantien und Psychopharmaka mit anticholinergen Nebenwirkungen. Darüber hinaus können auch Toxine ein Delir verursachen. Dazu gehören flüchtige Substanzen (beispielsweise Benzin oder Farbe), Insektizide und Kohlendioxid.
  • Delirium aufgrund anderer medizinischer Bedingungen. Die Realität ist, dass praktisch jede innere medizinische Krankheit ein Delir verursachen kann.
  • Delirium aufgrund multipler Ätiologien. Wenn der Zustand der akuten Verwirrtheit durch mehr als eine Ursache erklärt werden kann, wird er als Delirium aufgrund multipler Ätiologien bezeichnet.

Die ICD-10-Definition

Auch die WHO liefert eine Definition des Delirs. Sie findet sich im ICD-10 (International Classification of Diseases, auf Deutsch: Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme). Darin finden sich folgende Merkmale:

  • Ein Rückgang des Bewusstseins und der Aufmerksamkeit
  • Allgemeine kognitive Störung
  • Psychomotorische Störungen (Hypo- oder Hyperaktivität, unerwarteter Wechsel von einem Zustand in einen anderen)
  • Schlafstörungen (Schlaflosigkeit und Tagesmüdigkeit)
  • Emotionale Störungen

Allgemeine Merkmale

Die allgemeinen Merkmale der akuten Verwirrtheit sind die folgenden:

  • Pathogene Identität. Wie wir bereits erwähnt haben, bedeutet dies, dass alle Patienten mit Delir ähnliche klinische Manifestationen aufweisen, unabhängig von der Ursache ihrer Erkrankung.
  • Plötzliches Auftreten. Das Delir kann sich im Laufe von wenigen Stunden oder Tagen entwickeln.
  • Mehr oder weniger intensive Auswirkungen auf den Allgemeinzustand des Patienten. Es handelt sich um eine umfassende Störung.
  • Relativ kurze Dauer (deshalb wird das Delir als “akute” Störung bezeichnet).
  • Eine vollständige Heilung ist möglich.
  • Darüber hinaus kann es zu Schwankungen der Symptome im Tagesverlauf kommen.
    Akute Verwirrtheit - Mann hält Kopf in Händen

Behandlung von akuter Verwirrtheit oder Delir

Die Behandlung von akuter Verwirrtheit zielt auf die Behebung des Problems ab, das diesen Zustand überhaupt ausgelöst hat. Daher besteht der Interventionsansatz darin, die Störung schnell zu revidieren. So kann sichergestellt werden, dass der Zustand nicht schwerwiegender wird.

Allerdings können die möglichen Komplikationen des Delirs durch eine Reihe von Interventionen verhindert werden. Außerdem können Mediziner einige allgemeine Maßnahmen ergreifen, um die Risiken für Menschen mit erhöhter Prädisposition zu verringern, wie beispielsweise die Vermeidung plötzlicher Umweltveränderungen bei älteren Menschen und die Prävention von Komplikationen (Unfälle, Infektionen usw.).

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