7 Psychodramen von der Kinoleinwand

02 Dezember, 2020
Filme können dazu führen, dass du anders über bestimmte Themen und Probleme denkst, die für uns alle von Bedeutung sind. Heute wollen wir dir einige Psychodramen vorstellen, die dich sicherlich berühren und bewegen werden.

Psychodramen sind herausfordernd für den Zuschauer und bringen dich dazu, bestimmte wichtige Themen neu zu überdenken. Darüber hinaus könnten sie dich sogar zu ernsthaften existenziellen Überlegungen veranlassen, die dich in den Tagen beschäftigen werden, nachdem du den Film gesehen hast. Das kann sogar dazu führen, dass sich auch deine Stimmung verändert. Ein gutes Drama schafft es, dich wachzurütteln und emotionale Spuren beim Zuschauer zu hinterlassen.

Gute Psychodramen sind wahre sokratische Juwelen. Denn sie bringen das Publikum dazu, über einige der entscheidendsten Fragen des Lebens nachzudenken. In unserem heutigen Artikel wollen wir dir einige hervorragende psychologische Dramen aus verschiedenen Genres vorstellen.

Psychodramen, die dich dazu bringen werden, die Gesellschaft in Frage zu stellen

In dieser Kategorie haben wir zwei Filme ausgesucht, die auf brillante Weise portraitieren, was die Gesellschaft und die sozialen Erwartungen ihren Bürgern antun können.

Joker, Regie: Todd Phillips

Dieser Film war im Jahr 2019 äußerst beliebt und lieferte uns einen Einblick in eine seltsame Welt, in der wir nur ein paar Monate später selber leben würden. Dies ist eine Welt, in der Ungleichheit, ein unzureichendes öffentliches Gesundheitssystem und mangelnde psychiatrische Versorgung die Bürger an den Rand eines Zusammenbruchs bringen.

Es ist wirklich ziemlich einfach, einen Bezug zu Arthur Fleck, der Hauptfigur, herzustellen und sich mit ihm zu identifizieren. Allerdings ist das beinahe etwas beunruhigend. In seinem Wahnsinn wird man so sehr an das erinnert, was man in dieser kapitalistischen Gesellschaft sieht, die Jagd auf die Schwachen macht. Denn hier bist du ein Niemand, wenn du keine materiellen Güter hast.

Daher ist Joker, bei dem Todd Phillips Regie geführt hat, ein erstklassiges psychologisches Drama. Dieser Film eröffnet dein Bewusstsein für die Welt, beginnend mit allgemeinen Themen, die sich dann auf das Persönliche konzentrieren.

Ein Jahr nach der Premiere dieses Films hallt er auf seltsame Weise in der realen Welt nach. Denn heute fühlt es sich fast so an, als würden wir im echten Gotham leben, voller Chaos und Traurigkeit.

Die Truman Show, Regie: Peter Weir

Die Netflix-Dokumentation Das Dilemma mit den sozialen Medien ließ jeden Zuschauer beinahe benommen und verwirrt zurück, denn es rückt jeden von uns in das Zentrum der Aufmerksamkeit. Diese Dokumentation lässt dich glauben, dass du nur ein Produkt der Technologie bist, welche dich mithilfe der Psychologie kontrolliert und dich unglücklich macht.

Das ist einer der Gründe, warum es so wichtig ist, sich an die Reaktion der Menschen auf Die Truman Show zu erinnern, als diese auf der Kinoleinwand Premiere hatte. Heutzutage scheint diese Form der Science-Fiction im Vergleich dazu beinahe malerisch zu sein.

Der Film stellt die Ideen über die Grenzen der Privatsphäre infrage. Er wirft die Frage auf, ob soziale Medien dein Leben lediglich zu einem Spektakel machen, das der Unterhaltung anderer Menschen dient. Allerdings wissen die meisten Menschen, die sich das ansehen, gar nicht, wer du wirklich bist.

Psychodramen: Moralische Dilemmas

Bestimmte Filme werfen einen eingehenderen Blick auf die moralischen Dilemmas, die uns alle betreffen. Daher lösen diese Geschichten in dir Empörung hervor und machen dich traurig.

Vera Drake, Regie: Mike Leigh

Die atemberaubende schauspielerische Leistung von Imelda Staunton brachte ihr den Oscar als beste weibliche Hauptdarstellerin ein. Darüber hinaus gewann dieser Film einen Oscar für die beste Regie und einen weiteren für das beste Originaldrehbuch.

Vera Drake ist eine Frau mittleren Alters, die sich vollkommen ihrer Familie und ihrer kranken Mutter widmet. Jeder in ihrem Umfeld bewundert sie, weil sie so edel, freundlich und engagiert dabei ist, anderen Menschen zu helfen. Vera arbeitet als Reinigungskraft. Obwohl sie ein Mitglied der Unterschicht ist, ist sie eine lebhafte und glückliche Frau. Darüber hinaus sind auch ihre Familienbande sehr eng und ihre Ehe ist mit reiner und starker Liebe gesegnet.

Aber was ihre Familie nicht weiß (Spoiler-Warnung: der Zuschauer weiß das auch nicht), ist, dass Vera auch heimlich kostenlose Abtreibungen durchführt. Denn sie ist davon überzeugt, dass es ihre Pflicht ist, Frauen dabei zu helfen, diese kleinen “Verzögerungen” ihres Zyklus zu korrigieren. Aber Vera betrachtet diese Handlung nicht als Abtreibungen, geschweige denn, dass sie sich selber als jemanden sehen würde, der sie durchführt.

In dem Film siehst du, dass Vera Frauen aller Formen, Größen und in unterschiedlichsten wirtschaftlichen Situationen hilft. Diese Frauen suchen sie auf, weil Vera sie gut behandelt und effizient ist. Allerdings bringt ein bestimmter Vorfall alles ans Licht und du siehst die Heuchelei einer Gesellschaft, die sie verurteilt, anstatt ihr für das zu danken, was und wie sie es tut.

Das Meer in mir, Regie: Alejandro Amenabar

Dieser spanische Kinoklassiker basiert auf einer wahren Geschichte, die eine ganze Nation berührt hat. Javier Bardem spielt Ramon Sampedro, einen Mann, der nach einem Tauchunfall querschnittsgelähmt war.

Sampedro wollte in diesem Zustand nicht mehr länger leben. Daher bittet er seine Nachbarin Rosa (Lola Dueñas) um Hilfe. Er möchte, dass sie ihm einen Anwalt besorgt, der für sein Recht auf einen assistierten Selbstmord kämpft. Der Film, wunderschön gespielt und produziert, berührt unzählige moralische Fragen wie die Rechte todkranker Menschen und die individuellen Freiheiten aller Menschen. Der assistierte Selbstmord (Sterbehilfe) ist zweifellos ein ethisches Dilemma, je nachdem, wie und unter welchen Bedingungen er durchgeführt wird.

Psychodramen über Missbrauch

Die Psychodramen mit den intensivsten emotionalen Auswirkungen auf den Zuschauer erzählen meist über Missbrauch und Misshandlung. Denn sie zeigen die schrecklichste und beängstigendste Seite von Menschen, jene Seite, mit der wir selber niemals konfrontiert werden wollen.

Sleepers, Regie: Barry Levinson

Sleepers gehört zu einer Gruppe von Filmen der 1990er Jahre, die nicht gerade zu den filmischen Meisterwerken gehörten, aber dennoch eine Wirkung erzielten. Trotz des sehr schwierigen Themas, das im Film behandelt wird, führt die großartige Besetzung und die Vermeidung einer leichten Morbidität dazu, dass Sleepers in gewisser Weise ein “leicht anzusehender” Film ist.

John, Lorenzo, Michael und Tommy sind vier Freunde, die in einem rauen Viertel in New York leben. Unterstützung, Halt und spirituelle Führung erhalten sie von dem Priester Robert Carrillo (Robert de Niro). Robert ist für die Jungen, die alle aus schwierigen familiären Verhältnissen kommen, wie ein Sozialarbeiter und Vater.

Eines Nachmittags rauben die Jungen einen schweren Eiswagen aus. Allerdings ist das Glück an diesem Tag nicht auf ihrer Seite. Der Wagen ist zu schwer für sie und daher fällt er schließlich die Treppen zur U-Bahn herab, wo er einen alten Mann schwer verletzt. In diesem Moment verändert sich ihr Leben.

Die vier Jungen kommen in ein Heim. Dort machen sie Erfahrungen, die kein Kind jemals erleben sollte. Jahre später führen ein Mord und ein Gerichtsverfahren die vier Freunde wieder zusammen.

Dancer in the Dark, Regie: Lars von Trier

Wenn du diesen Film von Lars von Trier ansiehst, wird es beinahe unmöglich sein, dass er nicht auch bei dir irgendeinen Nerv treffen wird. Von Trier, selbst ein Liebhaber von Psychodramen, versuchte mit diesem unglaublich bewegenden Film, alle anderen zu übertreffen.

Wenn du bedenkst, dass Björk niemals zuvor in ihrem Leben geschauspielert hat, dann war der Film wahrlich ein Glücksspiel. Denn 90 Prozent des Films hängen von ihren schauspielerischen Fähigkeiten ab.

Glücklicherweise wuchs sie an dieser Herausforderung und meisterte sie bravourös. Björk bewies, dass sie nicht nur eine sehr talentierte Sängerin ist, sondern auch eine sehr begabte Schauspielerin. Dancer in the Dark ist eine Geschichte über Unschuld, das Böse und Gier und auch das Ende wird dich nicht enttäuschen.

Existentielle Psychodramen

Psychologische Dramen können verschiedene Themen auf einmal abdecken, aber manchmal ist es die Bedeutungslosigkeit der Existenz selbst, die einen Film fesselnd und faszinierend macht.

Der Pianist, Regie: Roman Polanski

Wladyslaw Szpilman (Adrien Brody) ist ein Pianist bei einem jüdischen Radiosender in Polen, der erlebt, wie sich der Beginn des Zweiten Weltkriegs auf Warschau auswirkt. Szpilman muss in das Warschauer Ghetto ziehen. Allerdings wird er später während der Aktion Reinhardt von seiner Familie getrennt.

Von diesem Moment an versteckt sich Szpilman an verschiedenen Orten in Warschau, bis die Gefangenen schließlich aus den Konzentrationslagern befreit wurden. Während dieser Zeit erlebt der Zuschauer, was völlige Verzweiflung und Trostlosigkeit in einem Menschen bewirkt; allem beraubt, was einen Menschen menschlich macht.

Der Pianist ist eine Reflexion über die Fähigkeit von Menschen, Gräueltaten zu begehen, wenn es darum geht, sich selber zu schützen. Gleichzeitig erzählt der Film die Geschichte eines verzweifelten, hoffnungslosen Mannes, der schließlich durch einfache Klaviernoten wieder einen Sinn im Leben findet.

Die Geschichten, die diese Filme erzählen, erlauben es dir, die Welt auf eine andere Weise zu sehen und die subtilen Nuancen einer anderen Perspektive zu entdecken. Denn Filme sind letztendlich nicht nur reine Kunst oder einfache Unterhaltung. Sie sind auch ein Weg, um wichtige emotionale Lektionen zu vermitteln.