Wie wir laut Gandhi in einer Diskussion triumphieren können

11. November 2017 en Psychologie 0 Geteilt
In einer Diskussion triumphieren setzt voraus, richtig streiten zu können

Mahatma Gandhi erlebte zahlreiche Geschichten und Anekdoten, die ihm große Weisheit brachten und ihn lehrten, wie man in einer Diskussion triumphieren kann, ohne dabei auf Gewalt zurückzugreifen. Gandhi erlangte großes Ansehen und ging als der Mensch in die Geschichte ein, der einen gewaltlosen Krieg führte.

Man erzählt sich zum Beispiel, dass er sich einst zum Essen neben einen Professor an der University of London (England, Vereinigtes Königreich) setzte. Der Professor bat ihn, sich woanders hinzusetzen, weil „Vögel und Schweine nicht zusammen essen können.“ Gandhi stand auf und entgegnete ihm: „Keine Sorge Professor, ich werde wegfliegen.“

„Das Ziel eines jeden Streits sollte nicht der Sieg, sondern der Fortschritt sein.“

Joseph Joubert

Gandhi ging fast immer als Gewinner aus seinen Diskussionen hervor. Aber er verhielt sich stets so intelligent und war so gnädig, dass sein Diskussionspartner schließlich das Gefühl hatte, ihm sei etwas Gutes widerfahren. Grund dafür war wohl, dass Gandhis primäres Ziel war, aus der Situation etwas zu lernen, viel mehr noch, als in der Diskussion zu triumphieren.

Aus diesem Grund möchten wir heute seine Vorgehensweisen etwas näher betrachten und lernen, wie auch wie in einer Diskussion triumphieren können, ohne dabei jemanden zu verletzen.

Nicht egoistisch sein und vernünftig argumentieren

Für Gandhi musste in jedem Aspekt eines Problems auch die Perspektive des Diskussionspartners beachtet werden. Er sorgte beispielsweise für das Ende des Monopols der englischen Textilindustrie und besuchte daraufhin jede einzelnen Fabrik, um sich für die durch ihn verschuldeten Entlassungen zu entschuldigen.

Statue Mahatma Gandhis

Er zeichnete sich auch dadurch aus, jedes Thema genauestens zu durchdenken. Er gab sich nicht mit einem oberflächlichen Bild von der Welt zufrieden. Er las, informierte sich genau und schlug Unbekanntes nach. All das ermöglichte es ihm, sich eine fundierte Meinung über das Thema zu bilden. Das ist sicherlich ein Schlüsselfaktor, um sich einer Diskussion gut gewappnet zu stellen.

Die physische Kraft trainieren und sich in Geduld üben

Er war davon überzeugt, dass die Kraft des Körpers entscheidend zur mentalen Stärke beitrüge. Gandhi war dafür bekannt, sich um eine gute körperliche Verfassung zu bemühen, wodurch er schwierige Momente mit einer erstaunlichen Widerstandskraft überstehen konnte. Ein trainierter Körper bringt Ruhe, einen gestärkten Willen und Selbstkontrolle.

Geduld dagegen bedarf eines trainierten Verstandes. Gandhi sagte, dass eine Mauer Stein für Stein erbaut werden müsse und dass jeder Stein seine eigene Zeit hätte, in der er auf den nächsten gelegt werde. Geduld zeugt von mentaler Stärke. Dem ersten Impuls nicht nachzugeben ist der Schlüssel zum Erfolg, besonders bei einer Konfrontation.

Verständnisvoll und mitfühlend sein

Gandhi rief öffentlich Meinungen aus, die jedermann erreichten. Seine Prinzipien waren nicht das Produkt einer abgegrenzten oder willkürlichen Vision. Ganz im Gegenteil: Er bedachte in seinen Meinungen, in seinem Kampf die ganze Menschheit. Seine Doktrin konzentrierte sich zunächst auf sein eigenes Volk, aber er vertrat allgemeingültige Werte.

Gorilla hält Schmetterling auf dem Finger

Für diesen Widerstandskämpfer hatten Gefühle einen sehr hohen Stellenwert. Seine Gespräche waren nicht nur ideologischer Natur. Er versuchte, die Haltung seiner Gegner zu verstehen und nahm Rücksicht auf deren Gefühle. Deswegen folgten ihm hunderttausende Menschen in der Welt und sie bewunderten ihn, auch wenn sie nicht seiner Meinung waren: Eine Diskussion zu gewinnen, bedeutet nicht notwendigerweise, seinen Gegenüber zu degradieren.

Eine verständliche Sprache verwenden und offen sein

Eine verständliche Sprache ist charakteristisch für große Anführer. Sie sprechen nicht, um bewundert zu werden, sondern reden, um verstanden zu werden. Und der beste Weg, um das Verständnis zu fördern, ist die Verwendung einer verständlichen Sprache, die jedermann verstehen kann.

Es wäre Populismus, wenn sich dahinter versteckte Interessen verbergen würden. Aber wenn einfache Worte keine versteckten Wahrheiten verbergen, erreichen sie die Herzen der Menschen. Eine authentische und ehrliche Rede überzeugt und erzeugt beim Gegenüber Respekt, sowohl auf der eigenen als auch auf der anderen Seite. Eine verbale Auseinandersetzung gewinnen wir folgendermaßen: mit handfesten Argumenten, die auf eine verständliche Weise und ohne Lügen gesagt werden.

Seine Selbstversorgung und sein Durchhaltevermögen verbessern

Gandhi bestand darauf, sein eigenes Salz, seine eigenen Kleidungsstücke und andere Gegenstände des alltäglichen Lebens herzustellen. Für ihn war die Selbstversorgung eine Möglichkeit, frei zu sein. Er wusste, dass Abhängigkeiten nicht bei großen Dingen entstehen, sondern bei Kleinigkeiten. Und so kam es, dass er die Wurzel allen Übels bekämpfte.

Dieser große Revolutionär kämpfte 55 Jahre lang für die Unabhängigkeit Indiens, die sein großer Traum war. Er kämpfte dafür auf seine Weise, ganz ohne Gewalt. Er musste unzählige Niederlagen einstecken, bevor er an sein Ziel kam. Ja, er trug sogar Konflikte mit sich selbst aus und lernte auch hierbei dazu, wie er in einer Diskussion triumphieren konnte. Tief in seinem Inneren wusste er, dass Durchhaltevermögen der Schlüssel war, der jede Tür öffnen konnte, und dass seine Beharrlichkeit zum Erfolg führen würde.

Vater diskutiert mit seinem Sohn

Gandhis Lehren sind ein wertvolles Erbe menschlicher Werte. Sein Triumph war ein mentaler Erfolg, und deshalb schrieb er Geschichte. Das größte seiner Gebote war, sich dem Problem zu stellen, aber ohne das Ziel zu verfolgen, den anderen zu zerstören. So gewinnen alle, auch wenn nicht alle das erhalten, was sie sich anfänglich vorstellten.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Whooli Chen

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