Welche zwei Bereiche umfasst die Sexualwissenschaft?

15 Juni, 2020
Viele Psychologen und Experten anderer Fachrichtungen haben sich auf die Sexualwissenschaft spezialisiert. Aber welche Bereiche umfasst sie? In welchen Berufsfeldern kann ich nach Studienabschluss arbeiten?

Die Sexualwissenschaft ist ein Forschungsgebiet, in dem die Sexualität aus allen Blickwinkeln betrachtet wird. Sexualwissenschaftler untersuchen das Verhalten von Menschen, ihre Identität, ihre sexuelle Orientierung und Interaktion.

Absolventen dieses Studienganges möchten Menschen beim Lösen ihrer sexuellen Probleme helfen. Womöglich kommen Menschen an ihre Grenzen, wenn es um das Thema Sex geht. Oder unangenehme Gefühle steigen auf. Aber warum redet man generell nicht viel über Sexualität? Welche zwei Bereiche umfasst die Sexualwissenschaft eigentlich?

In einem sexualwissenschaftlichen Fachartikel wird diese Frage klar und präzise zusammengefasst: „Die Sexualwissenschaft ist ein Wissensbereich, der mit dem Etikett „peinlich“ versehen ist. Sie muss gegen die Vorurteile der Gesellschaft, ihre Stereotypen und Gewohnheiten ankämpfen.“ Vorgefasste Meinungen führen zu einer großen Unwissenheit: Was versteht man denn unter „sexuell gesund“? Folglich können Zweifel entstehen, in welchen Fällen man einen Sexualwissenschaftler aufsuchen sollte.

Paar beim Sexualakt.

Klinische Sexualwissenschaften

In der Sexualwissenschaft kann man zwei Kompetenzbereiche unterscheiden. Der erste ist die klinische Sexualwissenschaft. Sie wird auch als therapeutische Sexualwissenschaft bezeichnet. Worum geht es da? Und wie sieht das Tätigkeitsfeld von Studienabsolventen in der Praxis aus? Klinische Sexualwissenschaftler beschäftigen sich mit sexuellen Problemen und Störungen.

Manchmal lässt sich das nur schwer erkennen – aber hinter sexuellen Dysfunktionen liegen oftmals psychologische Gründe verborgen. Hier ein paar Beispiele für solche Dysfunktionen, unter denen Menschen leiden können. Vielleicht kommen sie gar nicht auf die Idee, sich bei der Sexualwissenschaft Hilfe zu holen.

  • Vaginismus. Diese Störung beschreibt, dass sich die Muskeln des Beckenbodens und der Vagina reflexartig verkrampfen. Der Penis kann dann nicht in die Vagina eindringen. Der Geschlechtsverkehr gestaltet sich schmerzhaft. Ängste, traumatische sexuelle Erfahrungen und viele weitere Gründe können dieser Dysfunktion zugrunde liegen.
  • Mangelndes sexuelles Verlangen. Dies kann sich auf eine Beziehung problematisch auswirken. In einer sexualwissenschaftlichen Praxis findet man gemeinsam Lösungen. Das Paar erhält dort Werkzeuge an die Hand, mit denen das Verlangen wieder neu entfacht werden kann. Bei der Zweisamkeit lassen sich dann erotische Stimuli genießen. Auch kann das Paar eventuell vorhandene Trägheit und Vermeidungstaktiken überwinden.
  • Erektionsstörungen. Dieses häufig anzutreffende Problem kann zu Frustrationen führen. Denn Männer haben Angst, dass die Erektionsstörungen wiederholt auftreten. Zudem sind sie den Erwartungen der anderen Seite womöglich nicht „gewachsen“. Es ist völlig normal, dass bei Männern hin und wieder Erektionsstörungen auftreten. Kommt es häufiger dazu, stellt der Mann womöglich zu hohe Ansprüche an sich selbst. Vielleicht hat er auch Angst, dass die Dysfunktion zur Regel werden könnte. Dieses Szenario spielt sich großteils im Kopf ab. Das kann dazu führen, dass das Selbstwertgefühl des betroffenen Mannes erheblich leidet.

Sexualpädagogik

Für gewöhnlich dient die Sexualpädagogik – häufig auch als Sexuelle Bildung bezeichnet – dazu, Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Unterricht Hilfe und Informationen anzubieten. Die Sexualpädagogik ist von der stereotypen Sexualkunde, die die Kinder in der Schule häufig erhalten, abzugrenzen.

Über die Sexualpädagogik können wir generell sagen, dass die Herangehensweise bei den geführten Gesprächen nicht strikt erzieherisch ist. Das Hauptanliegen der Sexualpädagogik liegt vielmehr darin, mit einer klaren pädagogischen Zielsetzung Informationen über sexuelle Gesundheit zu vermitteln.

Obwohl die Sexualpädagogik auch Dysfunktionen und die Vermeidung von sexuell übertragbaren Krankheiten behandelt, geht es dabei auch um Themen, die im Unterricht normalerweise nur sehr selten besprochen werden. So zum Beispiel:

  • Die biologischen, psychologischen und gesellschaftlichen Komponenten der Sexualität
  • Sexuelle Gesundheitsprophylaxe und verantwortliche Fortpflanzung
  • Wie Menschen mit Behinderung ihre Sexualität leben
  • Prävention von Missbrauch und sexueller Gewalt
  • Umgang mit Süchten und Sexualität
  • Beschäftigung mit irrigen Auffassungen und gängigen „Mythen“
  • Sexuelle Orientierung
Jugendliche in der sexualpädagogischen Gruppenarbeit.

Zukunftsaussichten der Sexualwissenschaft

Dies sind nur einige Themen, die Sexualpädagogen behandeln. Sie versuchen, eine gesunde Einstellung der Sexualität gegenüber zu fördern. Außerdem sollen bestimmte Verhaltensweisen eingeübt werden, damit junge Menschen ihre Sexualität auf verantwortungsvolle Weise genießen können. Leider werden diese Themen, die in der Schule eigentlich unbedingt besprochen werden sollten, so gut wie gar nicht erwähnt.

An den meisten Bildungsstätten lernen wir im Sexualkundeunterricht häufig nur die verschiedenen Empfängnisverhütungsmethoden kennen und wie wir sexuell übertragbare Krankheiten vermeiden können. Nun lässt sich in diesem Artikel gut erkennen, dass der Bereich der Sexualität doch so viel mehr umfasst. Wir können allerdings auch dankbar feststellen: Der dringend erforderliche Wandel findet jetzt wirklich statt!

  • Frago, S., & Sáez, S. Sexología y educación sexual. El sexó-logo hoy. http://ow.ly/4se230nK9NS
  • OLIVARES CRESPO, M., & FERNÁNDEZ-VELASCO, R. (2003). Tratamiento cognitivo-conductual de un caso de vaginismo y fobia a la exploración ginecológica. Clínica y Salud, 14 (1), 67-99.
  • Sánchez, F. L. (2010). Estudios sobre sexualidad en España: presente y futuro. Informació psicològica, (100), 84-90.