Was uns dick macht: Was ist ein adipogenes Umfeld?

Das adipogene Umfeld befindet sich unter anderem in Geschäften und Supermärkten, in denen die Mehrheit der Bevölkerung einkauft und sich von ungesunden Fertigprodukten verführen lässt.
Was uns dick macht: Was ist ein adipogenes Umfeld?
Cristina Roda Rivera

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Cristina Roda Rivera.

Letzte Aktualisierung: 03. November 2022

Der Ausdruck “adipogenes Umfeld” beschreibt die Gesamtheit der Umgebungsfaktoren, die zu Übergewicht oder Fettleibigkeit führen. Die Umgebung kann die Wahrscheinlichkeit der Gewichtszunahme erhöhen und deshalb auch das Risiko für chronische Krankheiten vergrößern. Bewegungsmangel, ungesunde Essgewohnheiten sowie andere Aspekte spielen in diesem Zusammenhang eine wesentliche Rolle.

Boyd Swinburn weist in seinen Werken auf diesen Aspekt hin: Das adipogene Umfeld befindet sich unter anderem in Geschäften und Supermärkten, in denen die Mehrheit der Bevölkerung einkauft. Die Schnäppchen und Rabatte preisen oft auf Fertigprodukte an, während Premiumprodukte höherpreisig sind. Dieses Umfeld macht krank, deshalb laden wir dich ein, mit uns darüber nachzudenken und Veränderungen in deinem Alltag zu bewirken.

Ein adipogenes Umfeld macht krank

Überall um uns herum ist der Anteil an gesunden Lebensmitteln sehr gering. Die Größe der Portionen, die uns angeboten werden, wächst parallel zu unserem Bauchumfang. Das aktuelle Szenario besteht aus einem Überangebot an Industriegebäck in allen Formen und Farben, extrem gesüßten Desserts, Gummibärchen und Chips. Und all das ist mit Lichtern, Farben und Glitzer verbunden, die die öffentliche Gesundheit überschatten und junge Menschen dazu bringen, Lebensmittel zu normalisieren, die krank machen.

Bei diesem hyperkalorischen Angebot, das die Bedeutung von Ernährung, Spaß und Genuss stört, ist es schwierig, gesund zu essen. Und nicht nur das. All dieses körperliche Überessen führt auch zu emotionalem Übergewicht, das sich in einer Reihe von Essstörungen äußert. Wir nennen anschließend einige der häufigsten Essstörungen, die wir vermehrt beobachten können.

Snacking

Am Ende des Tages können viele vor dem Fernseher nicht auf süchtig machende Snacks verzichten. Sie sind Teil des Fernsehprogramms und gehören zur Unterhaltung. Die Werbung erinnert zusätzlich daran, wie lecker Chips mit Käse- oder Kaviargeschmack sind.

Auch wenn deine Stimmung getrübt ist, greifst du vielleicht auf Snacks oder Schokolade zurück, um dich aufzuheitern. Das Umfeld macht uns diese Gewohnheiten vor und wir sehen darin nichts Schlechtes.

Craving

Die Begierde, das intensive Verlangen nach einer Substanz kann nicht nur im Zusammenhang mit Alkohol oder Drogen, sondern auch bei bestimmten Lebensmitteln entstehen. Du kennst das Gefühl, unbedingt Süßes zu benötigen, um dein Unwohlsein, deine Müdigkeit oder deine schlechte Laune zu bewältigen. Der Blutzuckerspiegel fällt ab und du brauchst schnelle Energie, dein Körper macht dich durch Heißhunger darauf aufmerksam. Das “Wohlbefinden”, das durch erhöhte Serotoninwerte entsteht, ist jedoch nur von kurzer Dauer.

Chocoholics

Schokolade ist für viele reiner Genuss, doch sie besteht hauptsächlich aus Zucker und Fett. Sie erinnert uns an freudige Kindheitstage und erhöht unseren Serotoninspiegel. Auch die Endorphinwerte steigen und lassen uns gut fühlen, wenn wir Schokolade essen. Das natürliche Endocannabinoid Anandamid, das in Schokolade enthalten ist, entspannt außerdem unser Nervensystem. Wirklich gesund ist jedoch nur dunkle Schokolade mit einem sehr hohen Kakaoanteil.

Night-Eating-Syndrom

Du wirst mitten in der Nacht munter und hast ein extremes Hungergefühl, das dich zum Kühlschrank drängt? Dieses unkontrollierte Essen ist oft durch Angst motiviert. Das Night-Eating-Syndrom kann ernsthafte gesundheitliche Folgen haben. Betroffene verschieben die erste Mahlzeit des Tages oft um mehrere Stunden und nehmen tagsüber wenig Kalorien zu sich.

Ein adipogenes Umfeld macht krank 

Hyperphagie

In diesem Fall geht es um das regelmäßige Überessen: Du isst große Mengen und nimmst gleichzeitig auch große Bissen in den Mund, ohne die Lebensmittel zu kauen. Dies kann familiär veranlagt oder auch pathologisch sein. Die bulimische Hyperphagie äußert sich durch wiederkehrende, unkontrollierbare Essanfälle.

Wenn dich ein adipogenes Umfeld krank macht

Übergewichtige oder fettleibige Menschen werden stigmatisiert und für ihre Situation verantwortlich gemacht, wir vergessen jedoch, dass ein adipogenes Umfeld in diesem Zusammenhang eine wesentliche Rolle spielt. Lebensmittelkonzerne müssen Verantwortung übernehmen, denn solange uns die Werbung suggeriert, wie lecker ungesunde Fertigprodukte sind, ist es für Betroffene außerordentlich schwierig, darauf zu verzichten. Nicht nur die Einzelperson, auch die Gesellschaft trägt Verantwortung.

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  • García, A. M. (2020). Ambiente obesogénico: barreras para mantener un peso saludable (Doctoral dissertation, Universitat d’Alacant-Universidad de Alicante).
  • Villagrán, M., Petermann-Rocha, F., Martínez-Sanguinetti, M. A., & Celis-Morales, C. (2019). La interacción de nuestros genes con el ambiente obesogénico. Revista médica de Chile147(11), 1493-1494.

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