Verbitterte Menschen wollen andere mit ihrer Traurigkeit anstecken

6. November 2017 en Psychologie 3 Geteilt
Verbitterte Menschen verstecken sich unter einer Maske

Verbitterung ist in den meisten Fällen eine Art der versteckten Depression, bei der sich der Betroffene vorwiegend auf die Außenwelt konzentriert. Die Welt einer verbitterten Person ist voller Fenster, durch die er nur Ungerechtigkeit sieht und durch die er seinen Groll, seine bittere Melodie und seine pessimistischen Gedanken zu anderen schickt. Verbitterte Menschen wollen, dass andere wie sie leiden, aber schreien auch nach Hilfe.

Bestimmt lässt das viele Leser an Verwandte oder Bekannte denken, die uns manchmal das Gefühl geben, als würde es ihnen Spaß machen, uns das Leben mit ihren Argumentationen, Ratschlägen und Verhaltensweisen schwer zu machen. Jedoch ist ihre Wirklichkeit für gewöhnlich weit von dieser vermeintlichen Freude entfernt, denn in Wahrheit sind verbitterte Menschen immer unglückliche Menschen.

Verbitterung und Groll verlangen stets nach Gefangenen, deren Boote abdriften und an Orten stranden, wo es zuvor Glück gab, jetzt aber nur noch Traurigkeit, die nicht verarbeitet wurde.

Der Verbitterte bedauert vor allem, dass er die Kontrolle über sein Leben verloren hat. Wir haben es mit einem derart defätistischen Zustand zu tun, dass die Person einfach aufhört, die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Sie nimmt die Opferrolle ein und lässt sich mitziehen. Es ist daher notwendig, solch ein Verhalten zu erkennen und zu wissen, welche Strategien angewandt werden können, um zu helfen, weil wir es mit Menschen zu tun haben, die Hilfe benötigen, auch wenn sie uns mit ihrem Verhalten stören.

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Verbitterte Menschen und die Wurzeln der Verbitterung

Niemand kommt mit einem verbitterten Herz zur Welt. Obwohl so mancher schon in der Kindheit entdeckt, wie die Verbitterung entsteht und woher dieses Gefühl kommt. Eine lieblose Kommunikation oder Erziehung können schon in jungen Jahren die Oberfläche einreißen lassen, durch deren Risse die Verbitterung ins Herz gelangt, deren Resultat diese Schatten sind, die in der Seele des verbitterten Menschen hausen.

Die Verbitterung ist ein Samen, der ausgesät wird und der für gewöhnlich nicht sofort keimt: Seine Präsenz ist zu Beginn still. Eine Enttäuschung tut weh, aber verändert uns nicht. Zwei bringen uns zum Nachdenken. Doch wenn jemand über zu viel Steine auf seinem Weg stolpert und seine Existenz als vorwiegend negativ betrachtet, glaubt er nicht länger daran, die Kontrolle über sein Leben zu haben. Dann keimen die Samen langsam und machen ihn krank.

Wir sollten auf jeden Fall kurz auf das klassische Bild des „verbitterten alten Menschens“ eingehen. Wir alle kennen diesen Großvater oder diese Großmutter, die mit Teilnahmslosigkeit reagieren, die Negatives prophezeien und die so viel Groll in Bezug auf die Welt und das eigene Leben zu hegen scheinen. So wie es uns in einem Beitrag der Zeitschrift Health Psychology  erklärt wird, sind all das oftmals Anzeichen für einer tiefen Depression. Es ist wichtig, das zu beachten.

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Verbitterung und Gefühlskälte

Oft wird die Verbitterung als ein klassisches toxisches Verhalten beschrieben. Wir sind daran gewöhnt, etwas oder jemanden schnell als toxisch abzustempeln, verspüren gar das Bedürfnis, uns eine Maske aufzusetzen, und wollen uns möglichst zügig entfernen, ohne dabei an den Menschen und seine Realität zu denken, an sein emotionales Gefängnis. Das ist nicht richtig. Zumindest nicht, wenn es um verbitterte Menschen geht.

Wer keinen inneren Frieden gefunden hat, befindet sich mit der ganzen Welt im Krieg.

Wie wir schon erwähnt haben, wird eine verbitterte Person nicht als solche geboren, sie wird mit der Zeit und aufgrund verschiedener Situationen, mit denen nicht richtig umgegangen wurde und die sie überfordert haben, zu einem verbitterten Menschen. Es ist nicht notwendig, sich von diesen Menschen zu distanzieren oder sie mit ihrer Gefühlskälte allein zu lassen. Wir wissen, dass ein verbitterter – deprimierter – Verstand nicht von heute auf morgen einem glücklichen weicht. Aber es ist nie verkehrt, Betroffenen eine helfende Hand zu reichen.

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Wie wir die Einstellung verbitterter Menschen ändern können

So wie im Laufe des Artikels bereits erklärt ist die Verbitterung manchmal ein Indikator für eine Depression. Deshalb ist es wichtig, die Person dazu zu animieren, sich in professionelle Hände zu begeben, damit man dort ihren Zustand einschätzt. Das ist ein erster, notwendiger und wesentlicher Schritt. Später können wir dann das Folgende in die Tat umsetzen:

  • Sei mitfühlend und optimistisch. Wir wissen, dass der Verbitterte uns mit seinem Zynismus, Groll und seiner Boshaftigkeit niedermachen will. Dennoch dürfen wir uns dem nicht beugen, dürfen unsere Einstellung keinesfalls ändern und müssen dazu fähig sein, auf seine Negativität mit Optimismus zu antworten.
  • Nimm Angriffe nicht persönlich und sei geduldig. Aus ihm spricht nicht sein Herz, sondern der Ursprung seiner Verbitterung und seiner nicht verarbeiteten Enttäuschungen, seine nicht bewältigten Traumata und seine nicht verstandenen Leeren. Bewahre die Ruhe und antworte immer mit einer verständnisvollen und aufrichtig liebevollen Stimme.
  • Lade verbitterte Menschen dazu ein, sich neue Gewohnheiten zuzulegen. Die Verbitterung ist passiv, gemein und ernährt sich von den Gedanken der Person. Eine Möglichkeit, diesen Teufelskreis der Negativität zu durchbrechen, ist, zu versuchen, denjenigen dazu zu bewegen, alte durch neue Gewohnheiten zu ersetzen, neue Wege zu gehen. Es reicht manchmal schon aus, dem verbitterten Menschen vorzuschlagen, einen Spaziergang zu machen, Sport zu treiben, sich für einen Kurs anzumelden, andere Menschen kennenzulernen etc.

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Wer mit seinem Herzen, mit seiner Vergangenheit und mit seinen Gedanken keinen Frieden geschlossen hat, wird mit jedem im Krieg sein, der ihn umgibt. Ermögliche solch einem Menschen, dass er dieses Gleichgewicht findet, diesen Schlüssel, um seine Wunden heilen zu lassen und einen Waffenstillstand in seinem Inneren zu begünstigen. Es ist notwendig, diesen Menschen zu helfen, aber gleichzeitig müssen wir auch auf unsere eigenen Grenzen achtgeben und dürfen unsere Selbstwertgefühl nicht vernachlässigen.

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