Nur wenige entdecken die eigene Gesellschaft für sich

25. Oktober 2015 en Psychologie 293 Geteilt

„Es gibt Menschen, die haben einen Partner, aber fühlen sich so einsam und leer, als hätten sie keinen .

Es gibt andere, die nicht warten mögen, und entscheiden, an der Seite eines Falschen zu laufen, und ihr Egoismus verbietet es, dass dieser falsche Jemand sich entfernt, auch wenn klar ist, dass sie sich nicht glücklich machen.

Es gibt Menschen, die halten bereits zerstörte Ehen und Beziehungen aufrecht, aus dem einfachen Grund, dass sie denken, es sei schwierig und inakzeptabel, allein zu sein.

Es gibt Menschen, die entscheiden, den zweiten Platz einzunehmen, immer in dem Versuch, die Nummer Eins zu werden, aber dieser Weg ist hart, unbequem, voller Schmerz und Zurückweisung.

Aber es gibt auch andere, die allein leben und sich auf die beste Weise in das Leben einbringen. Personen, die sich nicht ausschalten, sondern, im Gegenteil, sich immer mehr entflammen. Diese Menschen lernen, von dem Alleinsein zu profitieren, weil es ihnen hilft, sich ihnen selbst zu nähern, zu wachsen und ihr Inneres zu stärken.

Solche Menschen sind es, die sich eines Tages, ohne zu wissen, wann oder warum, an der Seite eines Menschen wiederfinden, der sie aus ganzem Herzen liebt und umgekehrt.“

Mutter Teresa

Jedes einzelne Wort dieses Zitats trägt eine enorme Kraft in sich. Oft halten wir fälschlicherweise an dem Glauben fest, dass es etwas Schreckliches ist, keinen Partner im Leben zu haben. Es gibt wenige Dinge, die in uns so viel Traurigkeit und Mitleid hervorrufen, wie der Gedanken an einen „einsamen“ Menschen.

Tatsächlich scheint es, dass Einsamkeit uns seit frühester Kindheit schockierend vorkommt, aber in Wirklichkeit wussten wir als Kinder die Momente zu schätzen, in denen nur wir uns selbst Gesellschaft geleistet haben.

Manche Personen kennen nicht die Möglichkeit (oder wollen sie nicht kennen), keinen Partner zu haben und allein durchs Leben zu gehen, und sind erschrocken über diejenigen, die lieber allein leben. Die Angst, allein zu sein, ist offensichtlich.

Sie verstehen nicht, dass die eigene Gesellschaft einem beibringt, herauszufinden, was man in seinem Leben will und was nicht, ebenso wie sich zu respektieren und zu verteidigen. Dies sorgt dafür, dass man eine ganz besondere Art der Liebe erfährt, wenn man sich mit sich selbst beschäftigt. Diese starke Form der Liebe nennt sich dann Eigenliebe.

Menschen, die aus der Notwendigkeit heraus lieben, versklaven sich selbst, indem sie sich selbst dazu zwingen, Beziehungen aufrechtzuerhalten, die schon von Anfang an vergiftet sind. Dieser Zwang wird immer stärker, er ist ein Virus, der uns dauerhaft bedrängt, und Abhängigkeiten schafft, die absolut tödlich für die Eigenliebe sind.

Genau deshalb ist es ein wunderbarer Schatz, die eigene Gesellschaft zu entdecken. Es geht nicht darum, zu denken, wir wären uns in allen Belangen selbst genug. Denn, auch wenn wir in Wirklichkeit nur uns selbst zum Atmen brauchen, ist die sozio-emotionale Ebene trotzdem wichtig für uns.

Was wir jedoch sagen können, ist, dass wir niemanden brauchen,  wir uns aber trotzdem eine bestimmte Gesellschaft herbeisehnen, die mit unserem Inneren übereinstimmt, auch wenn einige Personen das wohl nicht verstehen. Dieses Thema der emotionalen Unabhängigkeit können wir in einem einfachen Satz zusammenfassen: Es ist deutlich besser, wenn man dich braucht, weil man dich liebt, als dass man dich liebt, weil man dich braucht.

Gesellschaft

Selbst gewählte Einsamkeit ist wunderbar, weil sie dir hilft, dich selbst kennenzulernen, dich selbst zu schätzen und Vertrauen in dich als Schutzschild zu haben. Man muss nicht Single sein, um das Alleinsein zu wählen. Du kannst ein Leben voller zwischenmenschlicher Beziehungen haben, aber trotzdem einige Minuten am Tag oder in der Woche für dich benötigen.

Letzten Endes handelt es sich eher um die Freude über Augenblicke in der Intimsphäre als wirklich um Einsamkeit. Und das ist nicht nur eine Möglichkeit, sondern wirklich empfehlenswert für jeden.

Oft täuschen wir uns, wenn wir glauben, dass die gewählte und die auferzwungene Einsamkeit dasselbe sind. Letztere ist von einer gewissen Härte geprägt, die wir einfach erkennen. Die unfreiwillige Einsamkeit, in der du Sehnsucht verspürst und dich vor Schmerz ausgegrenzt fühlst, ist eine Waffe, die den Menschen zerstört.

Hinzu kommt, dass, wenn wir in dieser Art Einsamkeit eingetaucht sind, wir umherirren – in dem Versuch, uns gleichgültig zu zeigen, und glauben, dass dies uns schützen und unsere Verzweiflung verschleiern wird, aber durch die Gleichgültigkeit erreichen wir höchstens, dass unsere Liebe zerstört wird.

Dies geschieht allerdings nicht, wenn die Einsamkeit selbst gewählt ist, wenn wir es nötig haben, dass sie uns Rat gibt und sie uns hilft, den Teil unseres Selbst wiederzufinden, den wir verloren haben. Sich selbst Gesellschaft zu leisten und diese intimen, persönlichen Momente zu genießen, hilft uns, nachzudenken und unseren Geist zu trainieren.

Wir verbringen das halbe Leben damit, glücklich zu sein oder andere glücklich zu machen, indem wir uns selbst dem dauerhaften Zwang aussetzen, den Ansprüchen anderer gerecht zu werden, ohne dass wir auf unser Inneres Acht geben. Die gewählte und unabhängige Einsamkeit ist die mit der Freiheit am engsten verbundene Erfahrung, die wir machen können, indem wir sie genießen und uns von dem Druck unserer Verpflichtungen lösen, auch wenn es nur für ein paar Stunden ist.

Trotz alldem, was die Gesellschaft uns diktiert, ist es zweifellos etwas äußerst Wünschenswertes, sich selbst Gesellschaft zu leisten und somit der einzige Weg, um das innere Gleichgewicht herzustellen.

Bilder mit freundlicher Genehmigung von nuvolanevicata und Path

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