Ich wurde enttäuscht, aber das hat mir die Augen geöffnet

· 25. Oktober 2017

Es gibt jene Zeiten, in denen man eine Enttäuschung nach der nächsten erlebt, von einem Tief ins nächste gerät, um letztendlich die Augen zu öffnen und festzustellen, dass man auf einer eigenartigen Insel gelebt hat, auf der man von mangelnder Zuneigung, toxischen Personen und vorgegebenen Gefühlen umgeben war. Wenn uns das bewusst wird, sind wir auch bereit, die Scherben unseres Herzens aufzusammeln, um wieder nach vorn zu schauen, mit Würde und voller Bestimmtheit. Und diesbezüglich können wir sagen, dass sich der Weg von der Enttäuschung zur Motivation wesentlich leichter beschreiten lässt, wenn wir wissen, wie wir mit Enttäuschungen umgehen können.

Experten auf dem Gebiet der Sportpsychologie sagen, dass der Athlet schon sehr früh lernen sollte, mit Enttäuschungen umzugehen, denn in jedem Wettkampf gibt es Gewinner und Verlierer. Es wird immer Momente des Erfolges und der Niederlage geben, sowie Verletzungen und äußere Umstände, die trotz aller Vorbereitung die Leistung schmälern, wenn es darauf ankommt.

Im Spiel des Lebens passiert genau das Gleiche. Doch den meisten von uns wird von Kindesbeinen an beigebracht, dass Erfolg garantiert sei, wenn man sich anstrenge. Niemand will uns sagen, dass im wirklichen Leben zwei und zwei nicht immer vier ergeben, dass es über Zeiträume mehr graue als sonnige Tage geben kann und dass Menschen Fehler machen, sich widersprechen und nicht perfekt sind.

„Wenn wir ruhig bleiben, weil wir gut vorbereitet sind, können wir in der Enttäuschung einen Ausgleich finden.“

Henry David Thoreau

Mit alltäglichen Enttäuschungen umzugehen, ist keine leichte Aufgabe. Trotzdem ist das Gefühl der Enttäuschung das vom Menschen am dritthäufigsten empfundene, nach denen der Liebe und der Reue. Und aus diesem Grund sollten wir lernen, es anzuerkennen, mit der Enttäuschung umzugehen und ihr die Stirn zu bieten. Im weiteren Verlauf dieses Artikels erklären wir dir, wie du das schaffen kannst.

Blüten werden aus der hohlen Hand geweht

Sind Enttäuschungen ein fester Bestandteil des Lebens? – Nein, nicht immer

Natürlich gibt es Menschen, die uns mit guten Intentionen erklären: „Dann und wann eine große Enttäuschung zu erleben, ist wichtig. Denn das Gefühl, enttäuscht zu sein, ermöglicht uns, die notwendige Motivation zu erlangen, um zu wachsen.“  Solche Sätze finden wir am schwarzen Brett oder im Selbsthilfebuch, aber wir sollten gut über sie nachdenken, bevor wir sie annehmen.

Zuallererst sollte gesagt sein, dass es nicht notwendig ist, eine herbe Enttäuschung zu erleben, um „zu wissen, was das Leben ist“. Es geht im Grunde genommen darum, zu lernen, auch mit kleineren Enttäuschungen umzugehen, um möglichst immer zu vermeiden, dass uns jene große Enttäuschung, von der zuvor die Rede war, widerfährt. Denn Enttäuschungen sind immer, wirklich immer, in geringen Dosen besser zu verkraften. So kann ein Mensch besser mit Enttäuschungen umgehen und seine Gefühle kanalisieren, um auch etwas aus ihnen zu lernen.

Wichtig ist auch, zu wiederholen, wie notwendig es ist, den alltäglichen Enttäuschungen trotzen zu können, um zu vermeiden, dass sich früher oder später eine größere Enttäuschung ereignet, dank der wir uns dann in einem wirklichen Dilemma wiederfinden. Wir betonen das aus einem ganz bestimmten Grund: Eine kleine Enttäuschung, die nicht zum Ausdruck gebracht wird, wird zu einem stillen Beziehungskiller.

Verschwommenes Bild einer Frau am Strand

Denken wir einen Moment lang darüber nach. Es gibt Menschen, die lieber schweigen, wenn sie ihr Partner gekränkt hat, was, ohne dass sie es ahnen, zu einer alltäglichen Gewohnheit werden kann. Ein anderes Beispiel hierfür wäre, dass wir sagen, dass es uns nichts ausmachen würde, dass unser Freund vergaß, dass wir heute wichtige Untersuchungsergebnisse von unserem Arzt bekamen. Oder auch, dass wir lieber Stillschweigen bewahren, wenn sich unsere Familie lautstark über dieses „absurde“ Projekt lustig macht, an dem wir so zielstrebig arbeiten.

Wir vermeiden es, viele dieser empfundenen Enttäuschungen auszusprechen, aus Angst, andere zu beleidigen oder diese Verbindung, die uns vereint, zu schwächen. Doch dabei vergessen wir, dass diejenigen, die darunter leiden, wir selbst sind, und dass derjenige, der eine Enttäuschung nach der anderen herunterschluckt, irgendwann an ihnen erstickt. Eines Tages wird ihm bewusst, dass alles, was ihn umgibt, eine Täuschung ist.

Wir sollten früher reagieren und lernen, rechtzeitig zu reagieren.

Wie wir besser mit Enttäuschungen umgehen können

„Wenn einem früh die Hoffnung genommen wird, hinterlässt das eine Spur, die erhellt wird, wenn sich die Hoffnung erfüllt.“

Thomas Hardy

Eine Enttäuschung ist wesentlich mehr als nur eine unerfüllte Erwartung. Sie ist die Vernichtung der Gewissheit, eine Verbindung, die an Kraft verliert, ein kalter Wind, der uns die Augen öffnet und manchmal dafür verantwortlich ist, dass wir eine Mauer um unser Herz erbauen. Wenn es allerdings einen Grund dafür gibt, dass eine Enttäuschung so sehr schmerzt, dann den, dass wir uns selbst gegenüber einen gewisses Verantwortungsgefühl und Ärgernis empfinden: Wie konnten wir nur so hohe Erwartungen haben? Wie konnten wir anderen nur so sehr vertrauen und wie konnten wir nur so viele Luftschlösser bauen?

Um mit diesen Situationen viel besser umgehen zu können, schlagen wir dir vor, die folgenden Tipps zu beherzigen.

Mädchen sitzt in Erinnerungen versunken auf einem Gartenzaun

Den Kn0ten der Enttäuschung lösen

Einer der ersten Aspekte, die wir vermeiden sollten, ist, die sogenannte „rückblickende Wende“. Die Rede ist vom Hang dazu, zu glauben, dass wir alles hätten erahnen können, nachdem wir eine Situation erfahren haben. Es gibt aber Dinge im Leben, die man nicht vorhersehen kann. Wir besitzen keine Kristallkugel, mit der wir sehen können, wie bestimmte Menschen reagieren werden. Daher ist es am besten, das Geschehene zu akzeptieren und zu vermeiden, uns als Schuldige dastehen zu lassen oder uns selbst die gesamte Verantwortung dafür aufzuerlegen.

Der zweite wichtige Aspekt hat damit zu tun, was wir zuvor bereits erwähnt haben. Wir müssen dazu in der Lage sein, im Hinblick auf kleine Enttäuschungen zu reagieren, bevor sie zu einem wahren Drama werden, das unser Selbstwertgefühl extrem beeinträchtigt. Denke immer daran, über das zu reden, was dich stört, und zwar dann, wenn es dich stört und nicht, wenn es schon zu spät ist.

Der dritte und letzte Punkt, den wir in unserem Alltag anwenden sollten, ist die Fähigkeit, die Perspektive zu verändern. Wir sollten verstehen, dass wir alle Fehler machen, auch wir selbst. Wir alle haben die Macht, jemandem eine Freude zu machen und ihn zu enttäuschen, deswegen betrifft uns alle diese unaufhaltsame Ereigniskette, bei der wir manchmal verlieren und manchmal gewinnen, bei der wir manchmal den als richtig erachteten Ort wechseln müssen und es notwendig wird, eine andere Richtung einzuschlagen, was Menschen und persönliche Ziele anbelangt.

Hin und wieder sind Enttäuschungen dazu da, um uns mitzuteilen, dass das Leben etwas Besseres für uns bereithält.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Claudia Tremblay