„Ich werde dich stillschweigend lieben“ – die Macht der nonverbalen Kommunikation

· 26. Oktober 2017

In vielen Fällen sind Worte nicht notwendig, um unseren Gefühlen und unserer Zuneigung Ausdruck zu verleihen. Wir sprechen hier über die Macht der nonverbalen Kommunikation, die eine kraftvolle Art des „Gesprächs“ ist. Sie benötigt keine Worte, um die Seele eines anderen Menschen zu berühren. Außerdem läuft die nonverbale Kommunikation auf einer weniger bewussten Ebene ab als die Kommunikation mit Worten. Darum ist sie auch verlässlicher und schwieriger zu manipulieren. Weiterhin müssen wir berücksichtigen, dass Worte nicht mehr als 10% der Information offenbaren, die wir übermitteln möchten.

Aus den Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts stammen viele denkwürdige Meisterwerke, darunter findet sich auch der Kinofilm, der den Titel  Gottes vergessene Kinder   trägt. Hauptdarsteller sind William Hurt in der Rolle „James“ und Marlee Matlin als „Sarah“, die für ihre Darstellung später den Oscar als beste Hauptdarstellerin erhielt.

Es ist die Geschichte einer taubstummen jungen Frau, die sich trotz aller Widrigkeiten auf eine Romanze mit einem Lehrer an ihrer Gehörlosenschule einlässt und sich schließlich in ihn verliebt. Es ist eine Geschichte, die uns dazu einlädt, über all das nachzudenken, was durch Körpersprache mitgeteilt werden kann. Wir werden daran erinnert, dass durch sie am treffendsten ausgedrückt wird, wie wir tief im Inneren empfinden.

Die Schlüsselszene wurde im Schwimmbad eines Strandhauses gedreht, wo wir die Zeichensprache, mittels der die beiden kommunizieren, wirklich schätzen lernen können. In diesem Austausch der Botschaften wird die Zuneigung, die beide füreinander empfinden, mehr als deutlich ausgedrückt. Hier gibt es keine Worte und keinen verbalen Austausch, aber dies ist auch gar nicht notwendig.

Nonverbale Kommunikation zwischen dem Liebespaar aus dem Kinofilm "Gottes vergessene Kinder"

Mehr als Worte: Die Macht der nonverbalen Kommunikation

Wenn wir zur Filmszene zurückkehren, hören wir darin kein gesprochenes Wort, aber wir werden Zeugen einer leidenschaftliche Unterhaltung, in der James mit ehrlichen Blicken Fragen stellt und Sarah darauf mit unvoreingenommenen Zärtlichkeiten antwortet. Du wirst sehen, dass nichts infrage gestellt und nichts falsch interpretiert werden kann, dass die Gefühle echt sind.

Hauptdarsteller aus dem Film "Gottes vergessene Kinder" tauschen einen verliebten Blick aus.

Die Aufrichtigkeit der Blicke

Das visuelle System ist mit unseren Gefühlen am engsten verknüpft. Wenn wir unsere Stimmung verbergen wollen oder wir nicht möchten, dass irgendjemand interpretiert, was wir wirklich sagen, dann wenden wir den Blick ab.

Unsere Blicke können uns verraten – es gibt kein Entrinnen, wenn wir von einer anderen Person beobachtet werden. Wir fühlen uns gleichzeitig wie nackt und in einer Falle gefangen – wir bleiben sprachlos zurück. Mit nur einem Blick können wir unseren Charme spielen lassen, jemanden übertölpeln, jemandem eine Wichtigkeit verleihen, wir können Begeisterung entfachen und einen Menschen für die Ewigkeit anziehen.

Wenn uns eine Person liebt und wir diese auch lieben, kann ein intensiver Blick von ihr ein prickelndes Gefühl in unserer Magengegend auslösen, das man auf eine andere Art und Weise sehr schwer hervorrufen kann. Ein intensiver Blick ist der beste Zufluchtsort, den man aufsuchen kann. Denn in ihm ist es möglich, ein enormes Verständnis zu finden oder sich wie ein Fremder in einer unwirtlichen Welt zu fühlen. So oder so, Blicke tragen eine große Macht in sich.

Ein Blick zur rechten Zeit, zusammen mit einer unerwarteten zärtlichen Berührung, kann die Seele eines anderen Menschen so tief durchdringen wie es hübsche Worte niemals vermögen würden. Ein Blick verleiht uns die Fähigkeit, eine jegliche Schranke oder Grenze zu überwinden. Denn durch unseren Blick können wir unser intimstes inneres Selbst offenbaren.

Die Macht der nonverbalen Kommunikation im Klassiker "Gottes vergessene Kinder"

Fühlen ist so viel wichtiger als Zuhören

Sarah wird niemals dazu in der Lage sein, „Ich liebe dich“  zu sagen, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass James es auch gar nicht zu hören braucht. Er weiß es bereits, weil Sarahs Gesten, ihr Gesichtsausdruck oder die Art, wie sie ihn lange ansieht, keinen Raum für Zweifel lassen. Das hat mit einer Botschaft zu tun, die offen, klar und aufrichtig ist. Sie wird mit der Priorität geschickt, die der Körper übermittelt.

Dies lehrt uns, wie natürlich es ist, unsere Gefühle ohne Worte und Komplimente auszudrücken. Es lehrt uns die Wahrheit, eine echte Anziehungskraft, die von Dauer ist, mit einer beträchtlichen Portion Leidenschaft, Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit. Es lehrt uns auch die große Sehnsucht, mittels einer lautlosen Kraft zu kommunizieren, die gleichzeitig eine Faszination auf uns ausübt.

Eine Botschaft an euch, die ihr mir unbekannt seid – oder vielleicht kenne ich euch doch: Öffnet eure Augen und erklärt euch durch eure Blicke, benutzt eure Hände und haltet diesen Menschen, der euch so wichtig ist, ganz fest. Was ich im Grunde damit meine ist, senkt nicht die Lider, versteckt eure Hände nicht oder spannt euer Gesicht nicht an, um damit ein Lächeln zu vermeiden. Liebt in der Stille und das ausgesprochene „Ich liebe dich“  wird unnötig, weil ihr es schon gesagt haben werdet. Und euer Gegenüber wird es bereits wissen.