Ich weiß, wer ich bin, und ich muss niemandem etwas beweisen

13. November 2017 en Psychologie 1 Geteilt
Tätowierte Frau auf einem Schiff

Wenn wir ganz genau wissen, wer wir sind, sind wir nicht auf die Meinung anderer angewiesen. Denn es gibt wenige Gefühle, die so befreiend sind, wie das, was sich einstellt, wenn wir die Erkenntnis erlangen, niemandem etwas beweisen zu müssen. Sich echt zu fühlen, Herr unserer eigenen Entscheidungen zu sein. Und Designer der Landkarte, auf der Würde und Weisheit zu finden sind, frei und farbenfroh.

Es ist nicht einfach, an diesen Punkt unseres Lebens zu kommen, an dem unsere emotionale Reife es uns erlaubt, unser wahres Ich zu entdecken. Ohne Vorurteile, und ohne Angst davor, bewertet oder abgelehnt zu werden. Dies bedeutet eine innere Revolution, für die nicht jeder bereit ist. Der Grund dafür liegt in unseren Denkmustern, die auf die Meinung anderer ausgelegt sind und nicht auf Selbstakzeptanz.

So bin ich, und ich bin glücklich so.

Wir leben in einer Gesellschaft, die uns zum Angeben auffordert. Die Welt ist wie ein Theaterstück, in dem wir auftreten und darstellen, was erwartet wird und was für richtig erachtet wird. Und wir lernen schnell, zu schauspielern. Tag für Tag, und ohne es auch nur zu merken, werden wir dadurch aber zu Nebendarstellern in von anderen erfundenen Geschichten. Diese haben nichts zu tun mit unserer Identität, unseren Werten und Prinzipien.

Wir dürfen nicht vergessen, dass unser Selbstbild nicht automatisch in uns entsteht, nicht vererbt wird. Es wird aufgebaut. So wie jeder von uns ein inneres Abbild der Welt, die ihn umgibt, in sich trägt, erschaffen wir auch Theorien und Konzepte über uns selbst. Diese Schemata können dazu führen, dass wir uns hassen, oder dass wir uns voll und ganz lieben.

Lasst uns letzteres auswählen. Lasst uns uns selbst in die Hauptdarsteller unserer eigenen wundervollen Geschichten verwandeln.

Katze mit Narben vor dem Hals einer Frau

Höre auf, etwas beweisen zu wollen, und beginne, zu leben

Wir alle haben gelernt, zu laufen, zu lesen und gesund zu essen. Wir bekommen jedoch selten beigebracht, wie wir uns um uns selbst kümmern, uns selbst lieben können.

Viele Leute gehen mit der trostlosen Überzeugung zum Psychologen, nicht dafür gemacht zu sein, glücklich zu werden. Aussagen wie „bei mir läuft alles schief“, „jeder verlässt mich“,  oder, „alle Beziehungen, die ich eingehe, enden in einem Desaster“  haben eine Ursache: eine innere Tätowierung, die besagt: „Ich habe vergessen, mich selbst zu lieben.“

Auf der anderen Seite ist es interessant zu sehen, wie dieselben Menschen, wenn sie sich selbst definieren oder ihre Beziehungen erklären sollen, über andere sprechen. Es wird dabei sofort klar, dass sie viel mehr auf andere als auf sich selbst fokussiert sind. Dass sie Menschen voller Affekt sind, die das Leben als Gelegenheit zur Fürsorge und Hingabe an andere verstehen. Wir denken, dass Liebe anbieten und uneigennützige Liebe geben uns im Gegenzug gleiche Gaben sichere.

Tätowierte Frau

Dabei bedenken wir jedoch einen wichtigen Faktor nicht: unser Leben. Unsere Existenz beruht nicht auf der Idee, dass ich die Zuneigung, die ich gebe, auch zurückbekomme. Unter dieser ungesunden Abhängigkeit von anderen liegt unser wahres Selbst begraben. Und es wartet darauf, anerkannt und befreit zu werden, dafür gewürdigt zu werden, dass es da ist.

Wir dürfen nicht vergessen, dass Immunität gegen Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit nur dadurch erreicht werden kann, dass wir lernen, uns selbst zu lieben. Nur dann werden wir uns selbst feiern können, ohne Angst und Vorbehalte.

Beginne, das Dachgeschoss deines Geistes zu säubern

Um zu erfahren, wer wir sind, was wir wert sind, und um zu beginnen, wahrhaftig zu leben, gibt es nichts Besseres, als das Dachgeschoss unseres Geistes zu säubern. Wieso? Auch wenn es schwer zu glauben scheint, gibt es sehr viel Unnötiges in diesem privilegierten Raum. Vielerlei alter Kram, den andere uns gegeben haben, und jede Menge Staub, den wir loswerden müssen, indem wir das Fenster öffnen.

„Eines Tages wirst du an einem absoluten Tiefpunkt ankommen, dein Limit erreichen. Und dann beginnt deine persönliche Revolution.“

Walter Riso

Als nächstes werden wir erklären, wie dies erreicht werden kann. Wir sind sicher, dass die im Folgenden beschriebenen Strategien hilfreich sind für dein persönliches Wachstum.

Hausputz in Pantoffeln mit Musik

Schlüssel, um uns zu erinnern, wer wir wirklich sind

Zunächst sollten wir alles auspacken, was wir nicht selbst in unserem Oberstübchen abgelegt haben. Was wir nicht ausgewählt haben. Die meisten solcher Dinge sammeln sich dort während der Kindheit an, wenn unser Gehirn noch nicht die nötigen Filter entwickelt hat. Diese brauchen wir, um das zu bewerten, was uns vermittelt wird.

  • Reflektiere über die Werte, die deine Eltern dir vermittelt haben. Besonders über die, die nicht mit dem harmonieren, was du fühlst, was du brauchst, oder was du als wichtig ansiehst.
  • Der zweite Schritt unserer inneren Reinigung besteht darin, die dunklen Ecken zu fegen. Darin, die negativen Schemata abzubauen, die wir uns auferlegt haben. Normalerweise kommen sie in Sätzen wie „Ich bin nicht zu … fähig“, „an diesem Punkt in meinem Leben lohnt es sich nicht mehr, … zu tun“,  oder, „Ich bin nicht dafür gemacht…“  zum Ausdruck.
  • Des Weiteren ist es Zeit, alle Eindringlinge rauszuschmeißen, die in unserem Dachgeschoss wohnen. Sie sind oft getarnt. Sie nehmen die Form von Angst, Unentschlossenheit, Vorurteilen, und dem ständigen Drang, zu gefallen, an. Identifiziere sie und sage ihnen auf freundliche Art und Weise, dass sie dorthin zurückgehen sollen, wo sie hergekommen sind.

Zu guter Letzt kommen wir in diesem Reinigungsprozess an den Punkt, an dem eine essenzielle Grundausstattung an Möbeln in unser Dachgeschoss gebracht werden muss. Diese werden es zu einem friedlichen und schönen Ort machen, der auch einzigartig und gesund ist. Wir sprechen vom Sofa des Selbstvertrauens, dem Tisch eines guten Selbstkonzepts. Von Stühlen, auf denen unsere Werte Platz nehmen können, und dem Teppich in intensiven Farben, der unsere Würde darstellt, und auf den niemand treten darf.

Lasst uns beginnen, das Leben, das wir wollen, aufzubauen. Lasst uns stolz auf uns sein, glücklich darüber, einen starken Geist zu haben und eine Persönlichkeit, die es wagt, Hauptfigur in ihrer eigenen Geschichte zu sein.

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