Die Nacht ist der Nährboden unserer Sorgen

12. August 2017 en Psychologie 0 Geteilt

Die Nacht ist die Tageszeit, in der wir uns ausruhen, uns entspannen und den Rucksack unserer Sorgen ablegen, den wir in den vergangenen Stunden nach und nach gefüllt haben. So sieht es in der Theorie aus. Oftmals können wir nicht vermeiden, an all das zu denken, das tagsüber passiert ist, was an unserem Arbeitsplatz noch liegen geblieben ist oder welche Pläne wir für morgen haben. Irgendwie lassen wir alles, was noch aussteht, Revue passieren.

Bestimmt haben wir uns alle schon tausende Ratschläge angehört, wie es uns gelingen könnte, erholsamen Schlaf zu finden, unseren Verstand von Sorgen zu befreien und uns Gewohnheiten vor dem Schlafengehen anzueignen, die eine regenerierende Nachtruhe fördern. Wenn alles gut läuft, ist die Nacht für uns die erholsamste und entspannteste Zeit des Tages,. Doch in den schwierigen Phasen unseres Lebens kann ein erholsamer Schlaf zu einer wahren Herausforderung werden.

Die Lichter gehen aus, alles wird still und wir bleiben mit unseren Gedanken allein. Das scheint kein schlechter Plan zu sein, wenn da nicht diese Sorgen wären, die uns um unseren Schlaf bringen. Wir haben uns hingelegt und können nichts mehr tun, um diese Stimme in unserem Kopf abzuschalten, die uns an unsere Probleme erinnert. Wenn wir es nicht schaffen, diese Stimme zum Schweigen zu bringen, wissen wir, dass uns eine lange Nacht erwartet.

Die Stille wird von unseren Sorgen begleitet

Stellen wir uns Folgendes vor: Du schaust fern, einen wirklich interessanten Film, und obwohl du dagegen ankämpfst, schläfst du langsam ein. Du nutzt die nächste Werbepause, um ins Bett zu gehen. Du putzt dir die Zähne und legst dich hin. Morgen erwartet dich ein neuer Tag. Doch sobald du die Augen schließt, kommt dir wieder alles in den Sinn, was dich besorgt, und du kannst nicht einschlafen.

Diese Situation ereignet sich häufig, wenn sich unser Verstand voll und ganz auf einen Film oder ein Buch konzentriert, welchen/s wir gern sehen oder lesen, was uns ablenkt. Doch sobald wir mit unserem Bewusstsein allein sind, kommt alles zum Vorschein, was wir kurz zuvor noch in unserem Kopf vergraben hatten.

Was uns manchmal um unseren Schlaf bringt, sind nicht unsere Sorgen, sondern Gedanken. Wir liegen im Bett und denken an unsere Pläne. Wir beginnen, darüber nachzudenken, wie wir ein Projekt angehen können und uns kommen sogar viele Ideen für diesen Roman, den wir schon immer haben schreiben wollen. Stundenlang denken wir über Pläne nach, die uns fantastisch erscheinen, die wir aber morgen schon wieder vergessen haben werden.

Unsere Probleme wirken im Bett viel größer

Dass in der Nacht unsere Gedanken um unsere Sorgen kreisen, ist nicht das größte Problem, sondern dass sie größer wirken. Es kommt uns so vor, als gäbe es keine Lösung für sie. Wir erleben sie als etwas sehr Negatives und wissen nicht, wie wir sie angehen können. Nachdem wir wenige Stunden geschlafen haben, stellen wir im Laufe des Tages fest, dass dieses Gedankenkarussell uns nur um unsere Erholung, nicht aber der Lösung nähergebracht hat.

Wir verbringen Stunden damit, dieses so unangenehme Gespräch noch einmal durchzukauen, das wir mit einem Arbeitskollegen geführt haben. Wir analysieren jedes Schweigen und jedes Wort, jede Bemerkung und jeden Ton, der gebraucht wurde. Wir interpretieren diese Konversation ganz frei und kommen zu einer Schlussfolgerung, die oft nicht einmal realistisch ist. Morgen wird zunächst alles wieder zur Normalität zurückkehren, aber wir werden das Ganze am Abend wiederholen.

Ein Problem, das uns im Laufe des Tages nicht wichtig erschien, kann uns in der Nacht dafür umso größer vorkommen. Vielleicht hat dieses Gefühl von Wehrlosigkeit und Ratlosigkeit mit der Einsamkeit zu tun, die uns in der Nacht begleitet. Wir müssen ganz allein mit unseren Problemen fertigwerden, niemand kann uns beruhigen oder helfen und dadurch werden unsere Sorgen nur noch größer.

Techniken, um die kognitiven Funktionen unseres Gehirns zu deaktivieren, wenn wir ins Bett gehen

Es gibt zahlreiche Techniken, die darauf abzielen, der Schlaflosigkeit ein Ende zu bereiten. Die Schlafgewohnheiten sind das A und O. Dabei geht es darum, durch bestimmte Gewohnheiten optimale Schlafbedingungen zu schaffen, sowohl was das Ambiente (Temperatur, Geräusche, Licht) als auch den physiologischen Zustand anbelangt (Entspannung). Doch wenn es deine Gedanken sind, die dich in der Nacht deines Schlafes berauben, helfen vielleicht folgende spezielle Techniken:

  • Paradoxe Intention: Diese Technik besteht darin, den Gedanken zu folgen, aus dem Bett aufzustehen und sie sogar aufzuschreiben, sie sozusagen loszuwerden, bevor wir uns wieder hinlegen.
  • Gedankenbeobachtung: Sich darüber klar werden, was man denkt, und es loslassen. Man kann den Gedanken symbolisch nehmen und sich vorstellen, ihn in ein Gefäß zu stecken und dieses zuzuschrauben.
  • Meditation: Versuchen, den Verstand zu befreien, indem man sich ein Mantra vorspricht oder eine Aufgabe zu lösen versucht, die unsere Aufmerksamkeit verlangt, aber ohne größere Relevanz ist. Beispielsweise können wir die Monate rückwärts aufzählen.
  • Geleitete Vorstellung: Vorgeschlagen von Harvey im Jahr 2001, geht es hierbei darum, die geleitete Vorstellung zu einem Gedanken oder einem konkreten, nicht aufwühlenden Bild zu benutzen, um aufwühlende Gedanken zu vermeiden. Wir können uns zum Beispiel einen paradiesischen Strand vorstellen.
  • Aus dem Bett aufstehen und wieder hinlegen: Wir sollten aus dem Bett aufstehen, wenn wir mehr als 20 Minuten darin verbringen, ohne einschlafen zu können.

Es ist bewiesen, dass wir nur noch häufiger einen bestimmten Gedanken fassen, wenn wir krampfhaft versuchen, ihn zu vermeiden. Sich nur vorzunehmen, nicht weiter über etwas nachzugrübeln, ist nicht effektiv. Eine dieser Techniken anzuwenden, kann sehr hilfreich dabei sein, unseren Verstand zu „leeren“ und uns zu entspannen, um Schlaf zu finden.

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