Der traurigste Wal der Welt und seine Geschichte

Zahlreiche Menschen identifizieren sich mit der Geschichte des traurigsten Wals der Welt. Deshalb sollten wir dringend darüber nachdenken, was wir tun können, um Einsamkeit und Distanz zu überbrücken, uns an den Händen zu nehmen und gegenseitig Wärme, Hilfe und Unterstützung zu schenken.
Der traurigste Wal der Welt und seine Geschichte

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 07. Februar 2022

Der traurigste Wal der Welt hat keinen Namen, doch Wissenschaftler bezeichnen ihn als “52-Hertz-Wal”, denn dies ist die Frequenz, die er für seinen Gesang benutzt. Seit seiner Entdeckung lebt er immer abgeschiedener und einsamer. Dieser Wal ist deshalb einzigartig, da alle anderen (beispielsweise Blauwale) in einem Frequenzbereich von 15 bis 25 Hertz singen.

Nur der traurigste Wal der Welt ist in der Lage, seine Liebesmelodien in einer anderen Frequenz anzustimmen. Doch er erhält nie Antwort auf seine Rufe. Erfahre heute mehr über dieses erstaunliche Lebewesen.

Der Gesang der Wale

Wie du weißt, sind Wale unglaublich schöne Geschöpfe mit einer ganz klaren Eigenschaft: Sie sind soziale Tiere mit einer einzigartigen und besonderen Sprache. Sie erfreuen die weiten Ozeane mit ihrem Gesang, um nach einem Partner zu suchen, mit ihren Artgenossen in Verbindung zu bleiben und sich zu Gruppen zusammenzuschließen, die wir mit etwas Glück beobachten können.

Wir Menschen waren schon immer von ihren Gesängen fasziniert. Sie sind erstaunlich und wirken entspannend. Doch was wollen Wale damit erreichen? 1989 begann die US-Marine damit, ihre Gesangsfrequenzen zu analysieren, um herauszufinden, wie sie ihre Sprache artikulieren und welchem Zweck sie dienen.

Doch auch heute noch ist der Gesang der Wale ein Rätsel. Allerdings ist eines klar: Ihre Sprache verbindet Familien. Sie nutzen sie, um Partner zu finden und ihre Jungen in der Nähe zu halten, aber auch, um sich im Meer zurechtzufinden. Viele Wale trauern sogar um ihre Toten.

Der traurigste Wal der Welt

Ende der 1980er-Jahre entdeckte Dr. William Watkins der Woods Hole Oceanographic Institution eine Aufzeichnung eines Walgesangs, der sich von anderen unterscheidet. Zu laut, extrem laut sogar, nicht weniger als 52 Hertz.

Das Interesse der Wissenschaftler war so groß, dass sie das Tier mehrere Jahre verfolgten und beobachteten. 2004 veröffentlichte schließlich das Team von Dr. Watkins seine Forschungsergebnisse über den Wal, der immer alleine unterwegs war und die meiste Zeit damit verbrachte, in zu hoher Stimmlage zu singen, ohne Antwort auf seinen Gesang zu erhalten.

Der Forschungsbericht weckte großes Interesse, und damit wurde der traurigste Wal der Welt zu einer Legende.

der traurigste Wal der Welt

Der einsame Wal mit einer anderen Sprache

Der 52-Hertz-Wal ist anders, das kann niemand bestreiten. Biologen können nicht einmal seine Art bestimmen, vielleicht ist es ein Hybrid oder eine einzigartige Rasse, deren Herkunft unbekannt ist. Er spricht eine Sprache, die niemand versteht, und schwimmt durch die Ozeane, ohne eine Gruppe zu finden, der er sich anschließen könnte, oder einen Partner, mit dem er sich fortpflanzen kann. Eine traurige Geschichte, die die Öffentlichkeit sofort ansprach.

Wissenschaftler folgten diesem Wal regelmäßig und entdeckten, dass er eine Wanderroute hat, die sich von allen anderen bekannten Walen unterscheidet. Warum ist dieser Wal anders als alle anderen? Warum spricht er eine andere Sprache und bereist andere Routen?

Manche Experten vermuten, dass dieses einzigartige Tier vielleicht der letzte Überlebende einer nicht identifizierten Art ist. Ein Wesen, das die Ozeane mit seinem besonderen Gesang durchstreift und dem Weg seiner Vorfahren folgt.

Reflexion

Die Meeresbiologin Mary Ann Daher von der Woods Hole Oceanographic Institution in Massachusetts ist Mitautorin der ersten Forschungsarbeit über diesen Wal. Sie berichtet:

“Ich bekomme fast jeden Tag Briefe, E-Mails und Gedichte – meistens von Frauen – und es bricht mir das Herz, wenn ich die Dinge lesen, die einige davon enthalten. Sie identifizieren sich mit diesem Tier, das nirgendwo dazuzugehören scheint, das nicht leicht Freunde findet, sich einsam fühlt und sich von allen anderen unterscheidet.”

Es scheint, dass die Geschichte des einsamen Wals die Notlage vieler Menschen auf seltsame Weise widerspiegelt. Gleichgültigkeit, Unverständnis, Einsamkeit, Apathie? Wie viele Menschen haben sich mit dieser Geschichte identifiziert? Wie viele von uns sprechen und scheinen nicht verstanden zu werden? Zweifellos ist das eine Tatsache, die viele nur allzu gut nachempfinden können.

Es gibt jedoch einen entscheidenden Unterschied. Der Wal scheint zu einer anderen Spezies zu gehören, wir hingegen sind alle Teil der Menschheit. Wenn sich so viele mit dieser Geschichte identifizieren, sollten wir dringend darüber nachdenken, was wir tun können, um Einsamkeit und Distanz zu überbrücken, uns an den Händen zu nehmen und gegenseitig Wärme, Hilfe und Unterstützung zu schenken.

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