Welche Auswirkungen haben Schulschließungen auf Kinder?

Für viele Kinder ist es keine Freude, von der Schule zu Hause bleiben zu müssen. Sie haben keine Möglichkeit, ihre Freunde zu sehen und in vielen Familien fehlt es außerdem an technologischen Mitteln, um dem Unterricht telematisch folgen zu können. Der Fernunterricht bringt verschiedenste Probleme mit sich. Wir laden dich heute ein, mit uns über dieses Thema nachzudenken.
 

Die Schulschließungen aufgrund der Corona-Pandemie bedeuten für Schüler nicht nur Langweile und fehlende Sozialisierung. Die „Coronavirus-Generation“ kann auch an kognitiven, akademischen und emotionalen Folgen leiden, was vor allem bei minderbemittelten Familien noch ausgeprägter sein kann.

Die Corona-Krise hat unser Leben und unsere Gesellschaft auf allen Ebenen erschüttet, und zwar weit über die Bewegungseinschränkungen und auch über die finanziellen Schwierigkeiten hinaus. Es geht nicht nur um geschlossene Grenzen und fehlenden Tourismus, sondern viel mehr um ein Drama mit zahlreichen Szenarien, die wir zum Teil noch gar nicht richtig abschätzen können.

Einerseits macht uns die Krankheit selbst Angst, da sie verheerende Folgen haben kann. Andererseits erleben wir viele persönliche Dramen und die Angst vor der Zukunft, die Ungewissheit, was morgen passieren wird.

Kinder sind ganz besonders sensibel. Sie erleben diese Realität schweigsam, verarbeiten sie auf ihre eigene Weise und leiden an den Konsequenzen. Auch ihr Alltag hat sich drastisch verändert, denn sie haben keine Schule und müssen zu Hause im Online-Unterricht lernen.

Über 300 Millionen Schüler weltweit müssen sich an ihre neue Routine gewöhnen. Einige Länder, wie zum Beispiel Italien, haben entschieden, alle Schüler in die nächste Klasse aufsteigen zu lassen.

 

Die meisten versuchen jedoch, den Unterricht online zu halten. Allerdings verfügen nicht alle Familien über die dafür nötigen Medien: Es gibt viele Schüler, die nicht auf einen Fernunterricht vorbereitet sind. 

Schulschließungen: Unterricht zu Hause

5 Auswirkungen, die Schulschließungen während der Corona-Krise auf Kinder haben

Die Kleinsten des Hauses und auch Jugendliche werden sich noch lange an diese Wochen erinnernJeder wird die erlebten Erfahrungen auf seine eigene Weise verarbeiten. Manche Familien verlieren eine geliebte Person, andere werden an die zu Hause erlebte Angst und Nervosität zurückdenken, die sie in den Gesichtern und Gesprächen ihrer Eltern beobachten konnten. Manche haben vielleicht auch gute Erinnerungen an diese Zeit zu Hause.

Wir wissen nicht, was in der Zukunft auf die jungen Generationen zukommt. Doch wir können vorausahnen, dass sich die Welt für sie und für uns alle verändern wird. Zu unseren größten Sorgen zählen in der derzeitigen Situation die Auswirkungen, welche die Schulschließungen auf unsere Kinder haben könnten.

Die UNESCO hat bereits Berichte zu diesem Thema veröffentlicht. Wir befassen uns heute etwas ausführlicher damit.

Negative Auswirkungen der Schulschließungen auf Kinder zwischen 4 und 7 Jahren

Der fehlende Schulalltag kann bei kleinen Kindern besonders negative Auswirkungen haben, insbesondere bei Schülern, welche sich noch im Prozess des Schreib- und Leseerwerbs befinden.

 

Zwischen 4 und 7 Jahren durchlaufen Kinder entscheidende kognitive, motorische Prozesse und entwickeln ihre Aufmerksamkeit und ihre exekutiven Funktionen. Sie benötigen kontinuierlich Unterstützung, um ihre Schreib- und Lesefähigkeiten zu verbessern.

Natürlich können Kinder diese Fähigkeiten auch zu Hause erwerben, wenn sie entsprechende Hilfe von ihrer Familie erhalten. Sollte jedoch keine Unterstützung vorhanden sein, kann die Integration dieser Kapazitäten langsamer verlaufen.

Die Isolation der Jugendlichen

Auch Kinder in der Vorpubertät oder Pubertät und Jugendliche leiden an den Folgen der Schulschließungen. In dieser Altersgruppe isolieren sich viele und ziehen sich gerne in ihr Zimmer zurück, während sie sich lange Stunden im Internet unterhalten, jedoch ohne ihren schulischen Verpflichtungen nachzukommen. 

Die Familien sehen sich dazu verpflichtet, ihre Aufgaben zu kontrollieren und zu überwachen, ob sie lernen. All dies kann sehr nervenaufreibend sein und zu unangenehmen Konflikten führen.

Eltern müssen die Lehrerrolle übernehmen

Die Schulschließungen zwingen viele Eltern dazu, in die Rolle der Lehrer zu schlüpfen. In manchen Fällen ist dies kein Problem, doch nicht jeder ist mit ausreichend Geduld gewappnet, nicht jeder verfügt über das nötige Wissen und nicht jeder hat die Fähigkeit, Sorgen und Ängste zurückzulassen, um seine Kinder in bestimmten Schulfächern zu unterrichten.

 

Nicht jeder hat Internet und nicht jeder hat einen Computer

Es gibt viel mehr Schüler als wir denken, die kein Internet oder keinen Computer haben und deshalb nicht am Fernunterricht teilnehmen können. Nicht allen Familien stehen ausreichend Mittel zur Verfügung. Es gibt Millionen von Kindern auf der Welt, die keinen einzigen Computer zu Hause haben und deshalb auch dem Unterricht nicht folgen können.

Schulschließungen: zu Hause lernen

Die Auswirkung der Schulschließungen auf die Ernährung

Auch dieser Aspekt muss berücksichtigt werden: Manche Kinder leiden durch die Schulschließungen während der Corona-Krise auch an einer mangelnden Ernährung. Wir dürfen nicht vergessen, dass es Kinder gibt, die in der Schule essen, weil sie aus einer minderbemittelten Familie kommen. Wenn der Sozialdienst in diesem Fall nicht eingreift, können sie an einer Mangelernährung leiden.

Bildungslücken und fehlende Sozialisierung durch Schulschließungen

Fast ein ganzes Semester zu verlieren, wirkt sich auch auf die Bildung aus. Die Lernfortschritte können im Online-Unterricht nicht garantiert werden und es ist auch nicht möglich, den ganzen Schulstoff in derselben Weise zu lehren. Darüber hinaus fehlt es den Kindern an den Erfahrungen, die sie normalerweise im Präsenzunterricht machen.

 

Für viele Schüler kann es toll sein, nicht in die Schule gehen zu müssen. Doch fast alle vermissen die Sozialisierung, die Schulroutine und ihre FreundeSie vermissen die aufregenden, zum Teil komplizierten und zum Teil spannenden Tage, die auch einen großen Beitrag zur emotionalen und sozialen Entwicklung der Kinder leisten.

Wir wissen, dass es noch länger gehen wird, bis wir die aktuelle Corona-Krise überwinden können. Bildungseinrichtungen und Pädagogen stehen vor einer ganz besonderen Herausforderung: Sie müssen den Unterricht an die neue Situation anpassen und Mechanismen für einen effizienten Fernunterricht entwickeln, der dieselbe Qualität erfordert, wie der Präsenzunterricht. Außerdem müssen sie erreichen, dass alle Schüler dieselben Chancen haben.