Sofja Kowalewskaja: Biographie einer wagemutigen Mathematikerin

26 August, 2020
Sofja Kowalewskaja war eine außergewöhnliche Frau, die wichtige Beiträge zur Mathematik und Physik leistete und auch als Schriftstellerin arbeitete. Sie hinterließ eine Autobiographie mit dem Titel „Die Nihilistin“ sowie ein Theaterstück. Als Frau war sie ihrer Zeit voraus und somit eine wahre Pionierin.

Unser heutiger Beitrag ist eine Biographie der Mathematikerin Sofja Kowalewskaja. Sie leistete wichtige Beiträge in den Bereichen Mathematik und Physik und verfügte über eine beeindruckende Hartnäckigkeit. Hineingeboren in eine Welt, in der Frauen die Bildung meist verschlossen blieb und sie nicht einmal ohne die Erlaubnis ihrer Väter oder Ehemänner reisen durften.

Das Interessanteste an Sofja Kowalewskajas Leben ist, wie sie sich allen gesellschaftlichen Grenzen stellte. Trotz dieser Grenzen schaffte sie es, ihre Träume zu verwirklicht und an ihren Projekten zu arbeiten. Sofja war tatsächlich die erste Frau, die eine Universitätsausbildung absolvierte und auch die erste weibliche Universitätsprofessorin.

„Es ist unmöglich, ein Mathematiker ohne ein Dichter der Seele zu sein.“

-Sofja Kowalewskaja-

Kowalewskaja wurde unabsichtlich zu einer Pionierin des Feminismus. Sie zeigte, dass Entschlossenheit eine unaufhaltsame Kraft ist, die Menschen manchmal dazu verhilft, das zu erreichen, was unmöglich erscheint.

Neben ihren wichtigen wissenschaftlichen Erkenntnissen drang Sofja Kowalewskaja auch in die Welt des Schreibens ein. Ihre Leidenschaft galt der Poesie, der Aufdeckung der Wissenschaft und sie trug mit ihrer schriftlichen Arbeit sogar zur Astronomie bei.

Sofja Kowalewskajas Leidenschaft galt auch der Poesie

Die Kindheit von Sofja Kowalewskaja

Sofja Kowalewskaja wurde in eine sehr eigenartige Familie geboren. Väterlicherseits war sie eine Nachkommin des ungarischen Königs Matías Corvino. Ihr Großvater heiratete jedoch eine Zigeunerin, weshalb er seine Erlaubnis verlor, seinen Titel zu nutzen.

Mütterlicherseits hatte sie mehrere berühmte Verwandte, wie den Kartographen Friedrich Schubert und den Astronomen Theodor von Schubert.

Sofja wurde am 15. Januar 1850 in Moskau, Russland, geboren. Ihre ältere Schwester war die berühmte Sozialistin Anna Jaclard. Als sie noch sehr klein war, zog sie mit ihrer Familie nach Weißrussland. Ihr neues Zuhause war stark von wissenschaftlichen Erkenntnissen beeinflusst; zwei ihrer Onkel und ihr Vater hatten ihr die große Liebe zum Lesen und Forschen weitergegeben.

Bei ihrer Ankunft in Weißrussland stellte die Familie fest, dass an einer Wand in Sofjas Zimmer Tapeten fehlten. Sie beschlossen daher, das Problem zu lösen, indem sie Seiten aus einem zufälligen Buch an der Wand anbrachten, um diese Lücken zu schließen. Das besagte Buch befasste sich mit Differentialrechnungen und war zufällig ausgewählt worden. Das kleine Mädchen begann jedoch mit Erstaunen und Interesse die Seiten zu studieren.

Ein brillantes Mädchen

Ihr Vater stellte Privatlehrer an und war erstaunt zu sehen, wie schnell sie vorankam. Er hatte allerdings Angst vor „weisen Frauen“ und unterbrach daher ihre Ausbildung. Das junge Mädchen lernte jedoch alleine weiter und brachte sich sogar Algebra bei.

Der berühmte Schriftsteller Fjodor Dostojewksi umwarb Sofjas Schwester, obwohl sich Sofja Hals über Kopf in ihn verliebt hatte. Er war ihre großem unerreichte Liebe.

Sowohl Sofja als auch ihre Schwester wussten, dass der einzige Weg, um eine gewisse Freiheit zu erlangen, die Heirat war. Während dieser Zeit stimmten viele Frauen “Ehen der Bequemlichkeit” zu.

Zu jener Zeit war es durchaus üblich, mit jemandem eine Vereinbarung für eine formelle Hochzeit zu treffen und dann unabhängig voneinander zu leben. Anna, Sofjas ältere Schwester, wollte eine solche Ehe mit dem Paläontologen Wladimir Kowalewski eingehen. Allerdings zog er es jedoch vor, Sofja zu heiraten, die erst 18 Jahre alt war.

Sie leistete wichtige Beiträge zur Mathematik und Physik

Sofja Kowalewskaja: Eine einzigartige Frau

Wie erwartet eröffnete die Ehe Sofja neue Möglichkeiten. Das Ehepaar zog zunächst nach Heidelberg und später dann nach Berlin.

Dort traf sie den berühmten Mathematiker und Analytiker Karl Weierstraß, der (zunächst) nicht an ihr Talent glaubte. Als er jedoch den Grad ihrer Leidenschaft und Intelligenz erkannte, ersuchte er um ihre Aufnahme an der Universität. Dies wurde jedoch abgelehnt, weshalb er beschloss, ihr Privatunterricht zu geben.

Dank der Unterstützung von Weierstraß promovierte Sofja mit einem Doktortitel. Er ermöglichte es ihr, ihre These zu präsentieren, ohne physisch anwesend zu sein. Anschließend machte sie sich auf eine lange Reise, um Arbeit zu finden, mit der sie ihre Talente entwickeln konnte.

Professionelles Leben

Ungefähr 10 Jahre nach ihrem Abschluss half ihr ein Freund, Gösta Mittag-Leffler, eine Stelle als Professorin an der Universität Stockholm zu bekommen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Sofja eine Tochter und ihr Mann hatte Selbstmord begangen. Ihr Familienstand als Witwe trug dazu bei, den Widerstand gegen ihre Einstellung zu verringern.

Im Laufe ihres Lebens erhielt sie verschiedene Auszeichnungen. Sie war eine der ersten Frauen, die sich der Russischen Akademie der Wissenschaften anschloss. Sie starb bereits im Alter von 41 Jahren an einer Lungenentzündung. Als Hommage an ihre großen Beiträge ist einer der Mondkrater nach ihr benannt.

Sofja war eine von vielen brillanten weiblichen Figuren, die die Geschichte zu verbergen versuchte. Sie wird in Schulen kaum erwähnt, aber ihre Leistungen waren beeindruckender als die der meisten ihrer Zeitgenossen. Sie war einer dieser spektakulären Köpfe, die manchmal in der Geschichte der Menschheit auftauchen.

Kovalevskaya, S. (2001). Vida y obra matemática de Sofía Kovalevskaia (Vol. 4). Anthropos Editorial.