Der Hippocampus, die Struktur der Resilienz

Der Hippocampus hat seinen Namen von seiner erstaunlichen Ähnlichkeit mit dem Seepferdchen. Als zartes und doch starkes Geschöpf ist dieses eines der außergewöhnlichsten und einzigartigsten Tiere im Meer. Auch die Gehirnstruktur, über die wir heute sprechen, ist einzigartig.
Der Hippocampus, die Struktur der Resilienz

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 05. Februar 2022

Der Hippocampus befindet sich im medialen Bereich unseres Schläfenlappens. Es ist eine nicht sehr große, aber empfindliche Struktur, ein subtiles Wunderwerk, das viele Säugetiere haben. Hier versteckt sich unsere Fähigkeit zu lernen, emotional zu werden und zu kommunizieren.

Auch unsere Kindheitserinnerungen sind in dieser Gehirnstruktur zu finden, das von mehr oder weniger positiven Emotionen geprägte Langzeitgedächtnis, auf das wir ständig zurückgreifen. Die Erinnerungen machen uns zu der Person, die wir sind und bestimmen in gewisser Weise unser Verhalten.

Deshalb konzentrieren viele Experten ihr Interesse auf diesen Bereich, in dem wir als Menschen das wunderbare Getriebe der Resilienz in Gang setzen. Wir sprechen von der Fähigkeit, mit widrigen Situationen umzugehen. Sie hilft dir, alle Ereignisse zu bewerten, deinen Mut und deine Strategien zu verfeinern, um mit Kraft und Optimismus weiterzumachen, nachdem du aus der Vergangenheit gelernt hast.

Der Hippocampus hat seinen Namen von seiner erstaunlichen Ähnlichkeit mit dem Seepferdchen. Als zartes und doch starkes Geschöpf ist dieses eines der außergewöhnlichsten und einzigartigsten Tiere im Meer. Auch die Gehirnstruktur, über die wir heute sprechen, ist einzigartig.

Der menschliche Hippocampus.

Das emotionale Nervensystem

Der Hippocampus ist Teil des sogenannten limbischen Systems, zu dem auch die Amygdala und der Hypothalamus gehören. Dieses hoch entwickelte neuronale Netzwerk ist maßgeblich am emotionalen Lernen beteiligt. Ein weiterer interessanter Aspekt unseres “Seepferdchens” ist, dass wir nicht in der Lage wären, Neues zu lernen, wenn es beschädigt wäre oder entfernt werden müsste.

Diese Struktur bettet neue Erfahrungen und neues Wissen in das Langzeitgedächtnis ein, das uns zu dem macht, was wir sind. Sie ist verantwortlich für unsere wahre Essenz. Wir würden auch unsere deklarative Sprache verlieren, das heißt die Fähigkeit, vergangene Daten zu erklären oder heraufzubeschwören. Die Bedeutung des Hippocampus in emotionalen Angelegenheiten liegt vorwiegend darin, dass wir Menschen nicht nur Fakten und Erinnerungen in unserem Langzeitgedächtnis speichern, sondern sie auch mit Emotionen belegen.

Eine glückliche Kindheit, die mit Szenen und Momenten ausgestattet ist, die uns die Sicherheit geben, weiter mit Autonomie zu wachsen, wird im Hippocampus gespeichert. Eine Jugend mit Triumphen und Enttäuschungen, die uns dazu gebracht haben, zu lernen und uns als Menschen zu verbessern, liegt auch dort. Oder vielleicht fehlten in unserer Kindheit affektive Bindungen, mit denen wir uns richtig entwickeln konnten, Lücken, an die wir uns immer noch mit Schmerz und Leid erinnern… all das, all diese Szenen sind im Hippocampus gespeichert, der zusammen mit anderen Strukturen, die uns helfen oder auch nichtunsere Emotionen zu bewältigen, die immer mit unseren vergangenen Erfahrungen zusammenhängen.

Hippocampus und Resilienz

An dieser Stelle fragst du dich wahrscheinlich, was der Hippocampus mit Resilienz zu tun hat. Es gibt eine sehr anschauliche Tatsache, die du beachten solltest. Wissenschaftler konnten feststellen, dass Menschen, die unter posttraumatischem Stress leiden und ein kompliziertes und unglückliches Leben führen, einen deutlich kleineren Hippocampus aufweisen.

Stress und insbesondere Cortisol schädigen viele unserer Gehirnstrukturen und lassen Nervenzellen absterben. Dadurch wird der Hippocampus, der eng mit unseren Emotionen verbunden ist, schwer geschädigt. Wenn wir jedoch lernen, mit unseren Emotionen umzugehen, wenn wir es schaffen, Unterstützung zu bekommen und unser Leben richtig auszurichten, indem wir aus Widrigkeiten lernen, bleibt der Hippocampus stark und gut entwickelt.

Es ist der Hippocampus, der leidet, lernt, Glück und Unglück spürt… er ist “unser Muskel”, den wir trainieren müssen, um Resilienz zu entwickeln.

Aber werden wir mit Resilienz geboren oder entwickeln wir sie mit der Zeit? Das ist sicherlich eine vielfach gestellte Frage, die zu einigen Diskussionen geführt hat. Manche sagen, dass Resilienz angeboren und vererbt ist. Aber wenn wir so denken, legen wir uns eine Augenbinde um. Wenn etwa deine Eltern ein bestimmtes Ereignis nicht bewältigen können, bedeutet das noch lange nicht, dass es dir auch nicht gelingen wird. Wir haben alle die Fähigkeit, widerstandsfähig zu sein.

Tatsächlich ist der Mensch genetisch darauf programmiert, zu überleben. Wir alle können Einschränkungen, Risiken, Tragödien und Traumata mit Stärke begegnen, wenn wir uns darauf konzentrieren. Mehr noch: Wir werden daraus lernen. Wir werden gestärkt daraus hervorgehen. Aber wie können wir das erreichen? Es ist zweifellos nicht leicht, aber Unglück, Verrat, Verlust oder Verlassenheit zu überwinden, erfordert Mut. Mut, Stärke und der Wunsch, sich wieder für das Leben zu begeistern.

Wir sind alle stark und fähig, auch wenn unser Äußeres so zart wie ein Seepferdchen aussieht

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