Das Stärkste auf der Welt ist eine resiliente Seele

· 5. November 2017

Das Stärkste auf der Welt ist nicht aus Stahl und auch kein Diamant. Es ist die resiliente Seele, die unter einem Herzen lebt, das mit Goldfaden die durch Widrigkeiten entstandenen Wunden zu nähen verstand. Diesen Konzept stellt keineswegs die perfekte Zutat für unser Glück da, aber für die Hoffnung, die uns dazu einlädt, weiterzumachen.

Vielleicht hast du dir vorgenommen, an deiner Resilienz zu arbeiten. Vielleicht zwingen dich die Umstände dazu. Aber wenn wir uns umschauen, so sehen wir doch, dass Resilienz nicht immer mit der gleichen Effizienz erreicht wird. Nicht jeder schafft es gleichermaßen, mit Stress und persönlichen Schwierigkeiten fertigzuwerden. Wir alle tragen unsere Lasten mit uns herum, schwimmen in unseren Meere der Ungerechtigkeiten und Erniedrigungen. Nicht immer wissen wir, wie wir sicher ans Ufer zurückkommen können.

„Es ist zwecklos, zu dem zurückzukehren, was vorbei ist und nicht mehr existiert.“

Frédéric Chopin

Wir leben in einer Gesellschaft, die für alles Etiketten benutzt. Du bist intelligent, ungeschickt, verrückt, ein Held oder ein Versager. Der hier ist schwach und der andere ist stark. Die Versessenheit darauf, jeden Charakterzug ins Extrem zu führen und zu etikettieren, stürzt uns zuweilen in Hoffnungslosigkeit. Wir hören auf, an unser eigenes Potenzial zu glauben, und ziehen uns zurück, weil uns dieser Sticker auf der Stirn klebt.

Mit unserem Leid, unseren Tränen und in unserer Verzweiflung bleiben wir allein zurück. Dann ist es nicht genug, sich daran zu erinnern, dass sich Resilienz üben lässt, denn es ist sehr schwer, eine resiliente Seele zu erlangen, wenn wir allein sind. Wir brauchen auch jemandes Vertrauen, sein Mitgefühl. Und jemanden, der uns befähigt, wieder aufzublühen, damit wir stärker, freier, schöner werden können. Und resilienter.

Mädchen mit Schmetterling über der Nase

Warum manche Menschen resilienter als andere sind

Der Grund dafür, dass manche Menschen resilienter sind als andere, liegt in der Fähigkeit ihres Gehirns, mit Stress umzugehen. Es existiert daher ein biologischer Faktor, der von Neurowissenschaftlern auch untersucht wird. Es gibt viele Veröffentlichungen, die uns helfen, den faszinierenden und komplexen Prozess, der ein resilientes Gehirn formt, besser zu verstehen.

Die folgenden Kernelemente bestimmen, ob wir mehr oder weniger resilient sind:

  • Genetische Faktoren sind ausschlaggebend. Angst oder die Unfähigkeit, mit Schwierigkeiten fertigzuwerden, hinterlassen emotionale Narben. Diese werden epigenetisch festgehalten und so an nachkommende Generationen weitergegeben.
  • Erziehung. Eine durch kontinuierliche Zuneigung und Aufmerksamkeit geprägte Kindheit, in der die Eltern stets mit der Absicht handelten, Fürsorge und Orientierung zu bieten, ist die optimale Voraussetzung dafür, dass das zentrale Nervensystem eines Kindes Reife erreicht. Im Gegensatz dazu macht eine Kindheit unter traumatischen Bedingungen den Erwachsenen weniger resilient und anfälliger für Stress.
  • Hormone und Neurotransmitter. Menschen, die große Schwierigkeiten damit haben, Probleme zu überwinden, zeigen tendenziell geringere Spiegel bestimmter Hormone und Neurotransmitter, z.B. von Endorphinen und Oxytocin. Die deshalb eingeschränkte Interaktion des limbischen Systems mit anderen Hirnregionen ruft bei diesen Personen das Gefühl permanenter Wehrlosigkeit hervor. Dieses stürzt sie in emotionales Chaos und erhöht das individuelle Risiko für Angststörungen und Depression.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass uns diese drei Faktoren verletzlicher oder resilienter machen können: Wir nehmen uns entweder selbst als schwach war, wie ein Vogel, der auf zwei Beinen geht, da er vergessen hat, dass er Flügel zum Fliegen hat, und die Welt als gefährlichen Ort. Oder wir fliegen. Trotz der Gefahren.

Zeichnung von einem Mann mit Flügeln

Die resiliente Seele weiß, dass es sich nicht lohnt, gegen die Welt zu kämpfen

Viele von uns verbringen ihr Leben wütend auf die Welt. Wir empfinden Groll gegenüber unserer Familie wegen der Leere und der Mängel in unserer Erziehung. Wir empfinden Hass gegenüber der Person, die uns verletzt und verlassen hat, und uns gesagt hat: „Ich liebe dich nicht mehr.“  Und ebenso gegenüber der Person, die gesagt hat, dass sie uns liebt, weil wir genau wissen, dass es eine Lüge war. Wir hassen die komplexe und kompetitive Realität. Und manchmal hassen wir sogar das Leben selbst.

„Wenn wir eine Situation nicht ändern können, müssen wir uns selbst ändern.“

Viktor Frankl

Wir fokussieren unseren Blick und unsere Energie auf die Außenwelt, wie jemand, der immer und immer wieder auf einen Boxsack einschlägt, bis er völlig erschöpft ist und am Ende seiner Kräfte. Ob wir es glauben wollen oder nicht, eine resiliente Seele ist keine goldene Rüstung, die wir anziehen können, die uns mutiger macht und all die externen Dämonen verschwinden lässt. Und es hat auch gar keinen Zweck, eine undurchdringbare Rüstung anzuziehen, wenn wir uns nicht erst um die verletzte Person im Inneren kümmern.

Kriegerin

Die stärkste Rüstung ist unser Herz und unsere resiliente Seele, die wächst, wenn wir sie mit Selbstakzeptanz, Selbstwertgefühl und Hoffnung nähren. Selbst wenn wir es uns nicht eingestehen wollen, gibt es Kämpfe, die man am besten verliert. Denn wenn wir die Vergangenheit in eine Schublade mit den alten Kalendern stecken, können wir in der Gegenwart leben und neue Träume fassen.

Stück für Stück, Tag für Tag, wachsen aus diesen Träumen neue Projekte. Wir lernen neue Menschen kennen und in unsere Segel werden vom Wind des Wechsels aufgebläht. Und endlich wird der Moment kommen, an dem wir ohne Angst und Wut an die Vergangenheit zurückdenken können. Ein Gefühl von Frieden wird sich in uns ausbreiten, da wir uns endlich das erlauben, was wir so sehr verdienen: glücklich zu sein.