5 unauffällige Süchte, die zu krankhafter Abhängigkeit führen

Unauffällige Süchte entstehen größtenteils durch gesellschaftlich akzeptierte Verhaltensmuster, die jedoch zur Obsession werden.
5 unauffällige Süchte, die zu krankhafter Abhängigkeit führen

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 12. April 2022

Wir denken meist an Alkohol, Drogen oder Tabak, doch es gibt auch unauffällige Süchte, die oft unbemerkt bleiben. Es handelt sich in der Regel um gesellschaftlich stark normalisierte Verhaltensweisen, die jedoch sehr schädlich und zum Teil auch einschränkend sind. Wir betrachten heute fünf Verhaltensmuster, die hier einzuordnen sind, da es grundlegend ist, sie zu erkennen und ins Positive zu verändern.

Die Definition von Sucht

Bevor wir näher auf häufige unauffällige Süchte eingehen, definieren wir kurz den allgemeinen Begriff. Wir sprechen von einer Sucht, wenn eine Abhängigkeit (psychologisch, physiologisch oder beides) besteht. In dieser Situation versucht das Gehirn auf pathologische Weise, eine Belohnung zu erhalten oder eine Notlage zu lindern, indem es auf eine Substanz, eine Person, einen Gegenstand, ein Verhaltensmuster oder eine Situation zurückgreift.

Auf diese Weise entsteht eine Reihe von Phänomenen, die das Suchtbild definieren:

  • Craving und die Unfähigkeit, abstinent zu sein. Es besteht ein starker Drang, die Substanz zu konsumieren oder das Verhalten auszuführen. Wenn dieser Drang nicht befriedigt wird, kann die Person körperlich oder seelisch stark leiden.
  • Abhängigkeit. Das persönliche Wohlbefinden hängt von der Suchtbefriedigung ab. Nur dadurch entsteht Zufriedenheit, es handelt sich um den primären Fluchtweg aus jeglichem Unbehagen.
  • Verträglichkeit. Der Körper gewöhnt sich an das suchtauslösende Mittel und benötigt immer mehr davon, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.
  • Mangelnde Kontrolle. Es ist sehr schwierig für die Person, ihr Verhalten zu kontrollieren und die Abhängigkeit zu überwinden. Auch wenn sie es versucht, schafft sie es meist nicht.
  • Beeinträchtigung und Unbehagen. Sucht beeinträchtigt das persönliche Wohlbefinden oder wirkt sich negativ auf verschiedene Lebensbereiche aus. Allerdings weigern sich Betroffene, dies zu erkennen und spielen das Problem herunter.
unauffällige Süchte: Süßigkeiten in der Nacht
Der übermäßige Zuckerkonsum macht süchtig und führt zu Krankheiten wie Diabetes oder Fettleibigkeit.

Unauffällige Süchte

Nicht nur Substanzen können süchtig machen. Auch bestimmte alltägliche und gesellschaftlich gebilligte Verhaltensmuster erfüllen zum Teil die Definition einer Sucht. Oft sind wir uns darüber nicht bewusst, dass ein Problem vorhanden sind und unauffällige Süchte auch sehr schädlich sein können.

1. Mehl und Zucker

Die meisten lieben Süßes und zusätzlich wird diese Vorliebe oft schon in der Kindheit gefördert. Doch hochverarbeitete Produkte mit viel Zucker und Weißmehl machen abhängig. Du hast das Gefühl, bestimmte Produkte zu benötigen, um dich glücklich zu fühlen und brauchst außerdem immer mehr davon.

Der Zucker zwingt deinen Körper, Insulin zu erzeugen und dieses Hormon beeinflusst das Belohnungszentrum. Das Gehirn schüttet mehr Dopamin aus und du fühlst dich zumindest für kurze Zeit wohl. Manche Menschen sind tatsächlich süchtig nach Zucker, auch wenn sie sich nicht darüber bewusst sind. 

2. Internet und soziale Netzwerke, zwei unauffällige Süchte

Immer mehr Menschen fällt es schwer, sich auch nur für kurze Zeit von ihrem Handy zu trennen. Viele leiden an Nomophobie (Handysucht) oder dem FOMO-Syndrom (Angst etwas zu verpassen). Oft leiden darunter nicht nur die sozialen Beziehungen, sondern auch die berufliche Leistung und die Gesundheit.

Die Handysucht geht zum Teil so weit, dass Betroffene panische Angst haben, dass der Akku leer ist, bevor sie das Smartphone wieder laden können. Diese Abhängigkeit ist extrem zeitintensiv, die meisten sind sich jedoch nicht bewusst, dass es sich um eine Sucht handelt.

3. Beziehungen

Verliebtheit ist ein wunderbares Gefühl, das in manchen Fällen jedoch auch zu einer Sucht werden kann. Liebessucht ist eine emotionale Abhängigkeit, das zwingende Bedürfnis, einen Partner zu haben. Allein der Gedanke, den Partner zu verlieren, löst panische Angst aus. Dies führt dazu, dass Betroffene in einer Beziehung alles dulden oder immer wieder toxische Beziehungen eingehen.

4. Pornografie

Pornografie ist leicht zugänglich und hat sich normalisiert. Sie kann jedoch ebenfalls süchtig machen und der Person selbst sowie ihren Beziehungen schaden. Wie bei anderen Süchten stimuliert der Konsum die Dopaminausschüttung und löst einen Kreislauf aus, der nach immer mehr verlangt. Betroffene nutzen Pornografie, um emotionales Unbehagen zu überbrücken, allerdings ist das Hochgefühl nur von kurzer Dauer und die Abhängigkeit immer größer.

unauffällige Süchte im Internet
Die Pornografie-Sucht kann zu körperlichen und psychischen Problemen führen.

5. Sport

Wir wissen alle, dass Sport gesund und wichtig ist. Wenn diese Gewohnheit jedoch zur Obsession wird, kann sich eine gefährliche Sucht entwickeln. Oft handelt es sich um ein emotionales Ventil, das soziale Beziehungen und andere Lebensbereiche beeinträchtigen kann. Menschen mit Bewegungssucht verlieren die Kontrolle, widmen dem Sport übermäßig viel Zeit und zwingen sich, immer schwierigere Ziele zu erreichen.

Unauffällige Süchte haben viele Gesichter

Das Suchtverhalten ist insbesondere anfangs meist nicht auffällig, wird jedoch immer schlimmer, bis die Betroffenen schließlich die Kontrolle verlieren und ihre Gesundheit zum Teil stark gefährden. Unauffällige Süchte entstehen größtenteils durch gesellschaftlich akzeptierte Verhaltensmuster, die jedoch zur Obsession werden. Betroffene brauchen professionelle Hilfe, um diese Süchte zu überwinden, der erste Schritt besteht jedoch darin, das Suchtverhalten zu erkennen und zuzugeben.

Das könnte dich ebenfalls interessieren...
Bist du süchtig nach Drama und Unglück?
Gedankenwelt
Lies auch diesen Artikel bei Gedankenwelt
Bist du süchtig nach Drama und Unglück?

Drama und Unglück sind mehr als nur das Gegenteil von Glück. Dieser Zustand bedeutet Stagnation, Angst und Passivität. Lies weiter...



  • Cervigón, V., Castro, J., Gil-Juliá, B., Giménez, C., & Ballester, R. (2019). Adicción a la pornografía: interferencia atencional y gravedad del consumo. Revista INFAD de Psicología. International Journal of Developmental and Educational Psychology.4(1), 225-234.
  • Navarro-Mancilla, Á. A., & Rueda-Jaimes, G. E. (2007). Adicción a Internet: revisión crítica de la literatura. Revista colombiana de Psiquiatría36(4), 691-700.
  • Rada, P., Avena, N. M., & Hoebel, B. G. (2005). “Adicción” al azúcar: ¿mito o realidad?. Revisión. Revista Venezolana de Endocrinología y Metabolismo3(2), 2-12.