Weißt du, wie du positiv ein Problem in deiner Beziehung ansprichst?

· 28. März 2018

Wenn wir eine Nachricht senden, ist die Art und Weise, wie wir sie übermitteln, oft wichtiger als der Inhalt, also das, was wir sagen. Es ist keine leichte Aufgabe, zu kommunizieren, was wir sagen wollen. Wir müssen Worte, Ausdrücke, Emotionen, unsere Einstellung und weitere Komponenten zusammenbringen und übermitteln. Und in der Tat ist das alles sogar noch schwieriger, wenn es um jemanden geht, mit dem man ausgeht oder sich in einer Beziehung befindet. Weißt du, wie sich auf positive Art Probleme in der Beziehung ansprechen lassen?

„Kommunikation“ ist eine ganzer psychologischer Fachbereich. Tatsächlich gibt es Psychologen, die sich nur damit beschäftigen, die Kommunikationsfähigkeiten ihrer Patienten zu verbessern, oder zu verstehen, wie sich die von Medien kommunizierten Inhalt auf uns auswirken. Sie haben das Thema der Kommunikation so sehr studiert, dass wir heute zumindest eines ganz klar wissen: Gute Kommunikationsfähigkeiten sind in jedem Bereich unseres Lebens sehr wichtig. Aber wenn es einen Bereich gibt, für den sie besonders wichtig sind, dann ist es der der zwischenmenschlichen Beziehungen.

Acht effektive Kommunikationsstrategien, um Probleme in der Beziehung ansprechen zu können

Das Wissen darum, wie man ein Problem gegenüber seinem Partner positiv zur Sprache bringt, kann dir helfen, Konflikte zu überwinden und aus ihnen zu lernen. Deshalb erläutern wir heute acht effektive Strategien für eine erfolgreiche Kommunikation in der Beziehung.

1. Achte auf den richtigen Moment: Privatsphäre, Ruhe und Aufmerksamkeit

Manchmal verbringen wir nur einen kleinen Teil des Morgens, des Abends oder der Nacht zusammen. Es gibt dann tausende von Dingen zu tun oder ihr seid beide müde. Denke dann daran: Dies sind nicht die besten Voraussetzungen, um ein Problem anzusprechen und zu lösen. Du musst einen geeigneteren Moment finden, in dem Privatsphäre, Ruhe und Aufmerksamkeit gegeben sind.

Vier Hände halten eine Teetasse

Entscheide, wie dringend dein Problem ist und ob es warten kann oder nicht. Es ist meist besser, auf einen Zeitpunkt zu warten, zu dem dein Partner frei ist, ihr beide ruhig seid und es keine Ablenkungen gibt. Es gibt nichts Unangenehmeres, als zu versuchen, etwas zu erklären oder zu verstehen, und dann unterbrochen zu werden. Also: kein Handy, kein Fernsehen, keine Musik, keine Kinder. Du musst versuchen, die Aufmerksamkeit vollkommen auf dich zu lenken. Natürlich sollte deine Aufmerksamkeit genauso hoch sein.

„Wenn dir jemand zeigen will, wer er ist, dann glaube ihm.“

Maya Angelou

2. Beachte die Körpersprache

Es ist sehr wichtig, dass dein Körper Ruhe vermittelt, und nicht einen Zustand der Wachsamkeit oder Defensive, wenn du ein Problem in der Beziehung zur Sprache bringen willst. Es ist normal, nervös und etwas aufgeregt zu sein, wenn man über etwas Wichtiges spricht. Aber versuche, ruhig zu bleiben und nutze deinen Körper, um dies zu kommunizieren. Nimm eine offene Haltung an, verschränke nicht die Arme, schau deinem Gegenüber in die Augen, aber ohne ihn einzuschüchtern, und versuche, dich nicht zu sehr zu bewegen. Redet von Angesicht zu Angesicht, ohne trennende Objekte zwischen euch. Das ist es, was dir helfen wird, ein positiveres Klima zu schaffen.

Zum Beispiel kann es besser sein, auf der Couch zu sitzen, Augenkontakt zu halten und einen ruhigen Tonfall zu verwenden, als sich gegenüber an einem großen Tisch zu sitzen. Diese kleinen Details verleihen unserer Kommunikation einen positiveren und intimeren Ton.

3. Sei spezifisch und konzentriere dich auf die Gegenwart

Nicht um den heißen Brei herumzureden, ist von grundlegender Bedeutung, wenn du ein Problem ansprechen willst. Voraussetzung, um fokussiert zu bleiben, ist, dir klar zu sein, was du sagen und welches Ziel du erreichen willst. Bevor du überhaupt anfängst zu reden, ist es sehr wichtig, dir bewusst zu sein, was du fühlst, was du willst und welche Veränderungen du dir wünscht, um das Problem zu lösen.

Es ist hilfreich, wenn du deine Gefühle und Gedanken klar und deutlich ausdrücken kannst. Du musst Bekanntes nicht immer und immer wieder wiederholen. Wähle leicht verständliche Worte. Erkläre die Dinge mit aktuellen Beispielen, die so nahe wie möglich an der Gegenwart liegen. Die Vergangenheit ist wichtig, um zu verstehen, wie es um die Beziehung steht. Aber wenn es darum geht, ein Thema zur Sprache zu bringen, musst du dich darauf konzentrieren, darüber zu sprechen, was vor sich geht und wie du willst, dass sich die Situation verändert.

4. Verwende die Sandwich-Technik: etwas Positives + das Problem + etwas Positives

Die Sandwich-Technik macht Sinn, wenn wir die andere Person korrigieren wollen, aber die emotionale Wirkung der Kritik mildern wollen. Sie besteht darin, die zentrale Botschaft mit positiven Elementen zu umgeben. Du fügst sie vorher und nachher in deine Kommunikation ein und kannst zum Beispiel sagen: „Ich weiß, dass du viele Stunden arbeitest, und ich mag das sehr, weil es zeigt, dass du dich für die Familie einsetzt. Aber ich habe das Gefühl, dass du mir mehr bei der Hausarbeit helfen könntest. Und ich bin mir sicher, dass wir einen Weg finden, uns dahingehend neu zu organisieren.“

Das Ziel dieser Technik ist es, die psychologische Wirkung von Vorrang und Neuheit zu nutzen. Diese beruht darauf, dass das, woran wir uns am ehesten erinnern, das ist, womit sie beginnt und womit sie endet. Das Problem in die Mitte der Botschaft zu legen, ist deshalb ein sinnvolles Vorgehen, um über den Konflikt zu sprechen und dennoch positive Gefühle zu vermitteln.

5. Nutze die Vorteile der Flexibilität und die Magie der Worte

Die Worte, die du wählst, wenn du das Thema ansprichst, sind grundlegend. Um also ein Thema positiv zur Sprache zu bringen, müssen deine Worte Flexibilität ausstrahlen. Du musst einen Wunsch oder eine Anregung zum Ausdruck bringen, darfst kein Ultimatum stellen.

Du kannst zum Beispiel ein „Du könntest …“  anstelle eines „Du musst …“  verwenden. Auf diese Weise ist es viel wahrscheinlicher, dass die andere Person dir mit offener Haltung zuhört. Du kannst anfangen, das Problem mit Worten wie „Ich möchte …“, „Ich brauche …“ oder „… würde mich glücklich machen“  einzuleiten. Das ist viel besser, als zu sagen: „Ich will …“.  In Wirklichkeit ist die Botschaft in beiden Fällen die gleiche. Aber Worte haben etwas Magisches an sich. Sie können die Person dazu bringen, eine Veränderung zu akzeptieren – und sogar zu versprechen -, mit der sie sonst nicht einverstanden gewesen wäre.

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6. Ganz wichtig: Überzeuge deinen Partner davon, dass das Problem eine Lösung hat

Wenn du ein Problem in der Beziehung ansprechen willst, muss es einen Moment geben, in dem du eine Lösung vorschlägst. Das Problem zu erklären und keine Lösung anzubringen, ist keine gute Idee. Wenn du keine Möglichkeit siehst, die Situation zu verbessern, manövrierst du euch in eine Sackgasse. Bevor du beginnst, über das Problem zu sprechen, ist es deshalb wichtig, ein Brainstorming durchzuführen und Lösungsvorschläge zu erarbeiten.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass die Lösung ein Vorschlag und kein Befehl ist. Es geht darum, das Problem zu lösen, nicht darum, die andere Person dazu zu bringen, das zu tun, was du willst, das sie tut. Es geht auch nicht darum, zu erklären, was deiner Meinung nach die beste Lösung ist. Denn damit die Lösung fair und effektiv ist, müssen ihr beide Partner zustimmen. Vielmehr geht es darum, dass du vorschlägst, was du denkst, was du tun könntest, und herausfindest, ob dein Gegenüber deine Meinung teilt. Weil es ein Problem ist, das mit der Beziehung selbst zu tun hat, tragen beide Seiten die Verantwortung für seine Lösung.

„Sei ehrlich, brutal ehrlich. Das ist es, was Beziehungen aufrechterhalten wird.“

Lauryn Hill

7. Verwandle deine Beschwerden in Wünsche

Hinter jeder Beschwerde steckt ein Verlangen. Wenn du dich zum Beispiel fragst: „Warum schätzen sie meine Bemühungen nicht?“,  oder glaubst, dass man dich nicht ernst nehme, weil dein Gegenüber immer zu spät kommt, dann steckt hinter diesen Sorgen ein Wunsch. Diese könnte man wie folgt ausdrücken: „Ich möchte, dass sie meine Bemühungen anerkennen und mir sagen, dass sie die Dinge bemerken, die ich tue“  und „Ich möchte, dass sie pünktlich kommen, weil es mir wichtig ist und Bestätigung vermittelt“.

Beschwerden in Wünsche zu verwandeln, ist eine wahre Kunst. Wir müssen es üben, aber es ist nicht unmöglich, es zu erlernen. Der erste Schritt besteht darin, alle starken und unangenehmen Emotionen, die die Beschwerde verursachen, beiseite zu lassen. Dann können wir darüber nachdenken, was wir wirklich wollen. Zweitens ist es wichtig, den Wunsch mit positiver Sprache zu vermitteln. Dies gibt der anderen Person Raum zum Handeln, anstatt sie zu lähmen. Das heißt, um ein Problem in der Beziehung positiv anzusprechen, solltest du erklären, was du dir wünscht, ohne dich auf das zu konzentrieren, was dich stört, und dies als Beschwerde zu formulieren.

8. Gib deinem Partner Zeit zum Nachdenken

Verlange keine sofortige Reaktion. Lass deinen Partner darüber nachdenken, was du angesprochen hast. Wenn du nicht sofort eine Antwort verlangst, nimmst du dem Ganzen den Druck. Und den Druck von jemandem zu nehmen, damit er eine Entscheidung treffen kann, ist eine der besten Möglichkeiten, das Problem in eine Herausforderung zu verwandeln. Weil du ihm seine Freiheit lässt. Du lässt ihn reflektieren. Und dann kann er antworten, wenn der erste Schock vorüber ist.

Aber sei  vorsichtig. Die Reflexionszeit braucht ein Verfallsdatum, wenn sie nützlich sein soll. Um es anders auszudrücken, musst du ein Zeitlimit setzen. Das Zeitlimit, das du deinem Partner gibst, kann nur Minuten oder mehrere Tage umfassen. Es wird unter anderem davon abhängen, wie dringend der Konflikt gelöst werden muss. Aber es ist nicht sinnvoll, sich unbestimmte Zeit zum Nachdenken zu nehmen. Wenn ja, dann ist das, was wirklich passiert, eine Meidung des Problems. Und die macht es nur noch schlimmer.

Wenn du diese Ideen im Hinterkopf behältst, wenn du das nächste Mal deinem Partner gegenüber ein Problem ansprichst, kannst du das auf positive Art und Weise tun. Dann wird es viel einfacher sein, aus dem Konflikt zu lernen, sich selbst besser kennenzulernen und die Beziehung zu stärken.