Was ist der Mere-Exposure-Effekt?

16 Juli, 2020
Sich wiederholt einem bestimmten Reiz auszusetzen, macht diesen viel angenehmer. Und darum geht es bei dem einzigartigen Mere-Exposure-Effekt.
 

Hast du dir jemals Gedanken darüber gemacht, dass du das Lied, das du früher gehasst hast, nun magst, weil du es dir wiederholt anhören musstest? Oder hast du jemals bemerkt, dass eine Person umso angenehmer wird, je mehr Zeit du mit ihr verbringst? Darum geht es beim Mere-Exposure-Effekt, der derzeit für die Untersuchung menschlicher Präferenzen von hoher Relevanz ist.

Dieser Effekt, der auch als Vertrautheitsprinzip bekannt ist, erklärt, warum unsere Reaktion auf neue Reize positiver wird, wenn wir uns diesem wiederholt aussetzen.

Kurz gesagt, es spiegelt unsere Affinität zu Situationen, Personen oder Objekten wider, die uns vertraut sind. Aber welche Faktoren beeinflussen das Auftreten dieses Phänomens? Lies weiter, um mehr über den Effekt und seine Funktion zu erfahren.

Je öfter wir eine Person sehen, desto sympathischer werden wir ihnen gegenüber sein
 

Der Mere-Exposure-Effekt und seine Wirkung in der Forschung

Robert Zajonc ist einer der Autoren, die diesen besonderen psychologischen Effekt untersucht haben. Seit seiner ersten Untersuchung im Jahr 1976 hat er das Vorhandensein dieser Präferenz angesichts sehr unterschiedlicher Reize nachgewiesen.

Wörter, Töne, Fotos von Gesichtern… In allen Fällen scheinen die Probanden diejenigen zu bevorzugen, die ihnen am vertrautesten sind.

Die Forscher führten eine Studie durch, um den Einfluss dieses Effekts auf die Vorliebe für bestimmte Lebensmittel zu testen. Dafür baten sie eine Gruppe von Studenten mehrere tropische Säfte zu testen, die diese bis zu diesem Moment nicht kannten. Einige probierten die Säfte fünfmal, andere zehnmal und andere 15. Auf die Frage, welcher Saft ihnen am besten schmeckte, tendierten die Studenten dazu, die Säfte, die sie am meisten getrunken hatten, positiver zu beurteilen.

Andere Wissenschaftler erzielten dieselben Ergebnisse bei der Erforschung der zwischenmenschlichen Anziehungskraft. Je öfter wir eine Person sehen, desto sympathischer werden wir ihr gegenüber sein und desto mehr werden wir ihre Anwesenheit genießen.

 

Ein unbewusstes Phänomen

Einer der interessantesten Aspekte dieses Effekts ist jedoch, dass die Person die Vertrautheit mit dem Reiz nicht wahrnehmen muss. Darüber hinaus scheint der Effekt unter unterschwelligen Bedingungen verstärkt zu sein.

Zajonc führte eine Untersuchung durch, bei der er den Teilnehmern verschiedene Bilder chinesischer Schriftzeichen zeigte. Die Expositioneszeit für jedes Symbol war so kurz, dass die Beobachter nicht erkennen konnten, was sie sahen.

Die Forscher sagten den Probanden, dass die Zeichen Adjektive darstellten, und baten sie, zu bewerten, ob sie positive oder negative Konnotationen hatten. Ausnahmslos bewerteten die Teilnehmer der Testgruppe die Symbole, die sie zuvor bereits gesehen hatten, höher.

Offensichtlich berücksichtigen Markenwaren in ihren Werbekampagnen den Mere-Exposure-Effekt. Wenn wir mit einem Logo, einem Slogan oder einem Unternehmensimage vertraut sind, kann dies die Entscheidung für ein bestimmtes Produkt beeinflussen.

 

Diese mentale Vorgehensweise würde ebenfalls erklären, warum wir, wenn wir in einer neuen Stadt sind, eher versucht sind, ein Franchise-Unternehmen aufzusuchen, das wir bereits kennen… Und das trotz unseres Wunsches, den lokalen Markt zu erkunden.

Der Mere-Exposure-Effekt die Grundlage vieler unserer Präferenzen

Der Mere-Exposure-Effekt: Wodurch wird er verursacht?

Fechner war der Autor der ersten bekannten Studie zu diesem Phänomen. Der deutsche Psychologe, der Vater einiger aktueller psychophysischer Theorien, bietet eine Erklärung für diesen Effekt. Menschen neigen dazu, mit Angst oder Unruhe auf neue Elemente zu reagieren.

Diese „Neuheitsphobie“ klingt jedoch ab, wenn wir uns wiederholt den nicht mehr allzu neuen Reizen aussetzen. Diese natürliche Tendenz, dem Unbekannten gegenüber misstrauisch zu sein, wird sogar zu einem angenehmen Gefühl der Vertrautheit, wenn wir mehr Kontakt mit einem solchen Element haben.

 

Allerdings solltest du bedenken, dass du dich langweilen könntest, wenn die wiederholte Exposition gegenüber dem Reiz übermäßig wird. Die Sättigung ist eine Bedingung, die die Auswirkungen dieses Effekts begrenzt. Wenn du jeden Tag dasselbe isst, wirst du es schließlich hassen. Und wenn sie jeden Tag denselben Film siehst, wird auch er seinen Charme verlieren.

Daher ist der Mere-Exposure-Effekt die Grundlage vieler deiner Präferenzen, auch wenn du dir dessen nicht bewusst bist. Unabhängig von deinem mehr oder weniger großen Geschmack für Abenteuer und Risiken werden einige der Entscheidungen, die du täglich triffst, durch diesen Effekt vermittelt.

Die Produkte, die du kaufst, die Orte, die du häufig besuchst und die Menschen, die du magst,  können alle von diesem Prinzip betroffen sein. Daher lohnt es sich, sich seines Einflusses auf deinen Geist bewusst zu sein.

 
  • Pliner, P. (1982). The effects of mere exposure on liking for edible substances. Appetite3(3), 283-290.
  • Zajonc, R. B. (1968). Attitudinal effects of mere exposure. Journal of personality and social psychology9(2p2), 1.