Tu, was du liebst (oder finde Sinn in dem, was du tust)

Wir können nicht immer nur Dinge machen, die wir lieben. Trotzdem ist es möglich, lohnende Momente zu erleben. Selbst wenn es Träume gibt, die wir nicht erobern, kann das Schicksal uns andere, höchst befriedigende Wege eröffnen.
Tu, was du liebst (oder finde Sinn in dem, was du tust)

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 26. Mai 2022

Tu, was du liebst, und du wirst nie arbeiten müssen. Tu, was du liebst, und das Geld wird immer folgen. Wenn du tust, was du liebst, wirst du immer glücklich sein…” Wir könnten noch mehr Beispiele für solche scheinbar positiven und ermutigenden Phrasen nennen. Damit würden wir jedoch nur eine etwas zweifelhafte Prämisse verstärken, die für das psychische Wohlbefinden gefährlich ist.

Es stimmt, dass nichts so befriedigend sein kann, wie sein Leben einer Aufgabe zu widmen, die man liebt. In der Tat gibt es viele, die das tun. Doch nicht immer hat man das Glück, sein Leben auf einen Beruf auszurichten, der zu einer Leidenschaft wird. Es gibt Ingenieure, die einst davon träumten, bei der NASA zu arbeiten, und jetzt in einem kleinen Familienbetrieb tätig sind.

Andere haben Politikwissenschaft studiert, um die Welt zu verändern, und jetzt sind sie Lehrkräfte an einer Schule. Vielleicht haben sie die Hoffnung, damit den lang ersehnten gesellschaftlichen Wandel herbeiführen zu können. Es ist klar, dass das Schicksal manchmal in letzter Minute eine Wendung nimmt und du vielleicht nicht in der Lage bist, deine Träume zu verwirklichen.

Das bedeutet jedoch noch lange nicht,  dass du ein Versager oder weniger glücklich bist. Auch wenn du deine Existenz nicht auf den Bereich ausgerichtet hast, der einst dein größter Wunsch war, kannst du tun, was du liebst.

tun, was du liebst
Persönliche Erfüllung durch die Arbeit zu erreichen, ist nicht immer einfach, deshalb müssen wir uns auch auf andere Lebensbereiche konzentrieren.

Tu, was du liebst oder finde einen Sinn in allem, was du tust

Die meisten sind nicht gut darin vorauszusehen, was uns morgen glücklich machen wird. Wir machen Pläne, setzen uns langfristige Ziele und wetten, dass wir glücklich sind, wenn wir bestimmte Dinge erreichen. Das treibt uns dazu, bestimmte Studien zu absolvieren und eine Reihe von persönlichen Anstrengungen zu unternehmen, um unsere Wünsche zu erfüllen.

Das Zitat von Konfuzius “Wähle einen Beruf, den du liebst, und du brauchst keinen Tag in deinem Leben mehr zu arbeiten.” durchdringt unser kollektives Unbewusstes. Doch diese Prämisse bricht bei unzähligen Gelegenheiten in sich zusammen. Nicht immer gelingt es uns, unsere Kindheitsträume zu verwirklichen.

Der einst erträumte Job ist vielleicht nicht so zufriedenstellend oder perfekt, wie du dir das vorgestellt hattest. Um dies zu erreichen, müssen viele Variablen stimmen: angenehme Umgebung, gute Kollegenschaft, anständige Bedingungen, geeignete Führungskräfte… Auch wenn du tust, was du liebst, kannst du die Umgebung oder andere Faktoren verachten.

Flexibilität ist grundlegend, denn viele Ziele, die wir uns in der Jugend setzen, lassen sich nicht verwirklichen. Trotzdem solltest du in allen Dingen, die du tust, einen Sinn finden.

Das Leben und seine unerwarteten Richtungsänderungen

Es ist wahr, das Schicksal spielt uns manchmal Streiche. Es gibt Leute, die davon geträumt haben, Archäologe zu werden und dann in einer Marketingfirma landen. Andere sehnen sich danach, um die Welt zu reisen, haben jedoch ihren Heimatort noch nie verlassen. Es gibt auch viele, die von einem Universitätsabschluss träumen, aber das Leben hat mit ihnen etwas anderes vor.

Daran ist nichts auszusetzen. “Tu, was du liebst, und erreiche das, wovon du immer geträumt hast” ist ein schwer zu erreichendes Ziel. Deshalb solltest du nicht enttäuscht sein oder dich weniger kompetent fühlen, wenn du es nicht erreichst.

Psychologen der Universität Stanford und des Yale-NUS College machen in einer Forschungsarbeit aus dem Jahr 2018 auf einen sehr konkreten Punkt aufmerksam: Wir werden von Kindheit an dazu gedrängt, eine Leidenschaft zu  entdecken und sie zu verwirklichen. Als ob unsere Interessen und Lebenswege immer feststehen würden. Ein gerader Weg ohne Abzweigungen, Fallen und Sackgassen. Das Leben ist ständig im Wandel. 

Tu, was du liebst (auch wenn es nicht immer möglich ist)
Den perfekten Job gibt es nicht, aber wir können einen Sinn in der Arbeit finden, die unser Leben ausfüllt.

Den perfekten Job gibt es nicht, aber es reicht, wenn du einen Sinn in dem findest, was du tust

“Tu, was du liebst, und du wirst immer glücklich sein“, wurde uns gesagt. Aber selbst wenn du den Job deiner Träume hast, kann es passieren, dass du leidest, verzweifelt bist und dir sogar eine Auszeit von der Arbeit wünschst. Das gilt für Gesundheitspersonal, Lehrkräfte, Ingenieure und sogar Gärtner. Es gibt Zeiten, in denen die Dinge schieflaufen und deine Stimmung getrübt ist.

Die Arbeit, von der du noch vor nicht allzu langer Zeit geträumt hast, zeigt plötzlich Komplikationen und Nachteile. Kein Job ist zu 100 % perfekt. Entscheidend ist, dass du einen Sinn in dem findest, was du tust. Etwas weniger Enthusiasmus und etwas mehr Pragmatismus ist in jedem Fall sinnvoller.

Glück besteht nicht darin, ein perfektes Leben und einen idealen Job zu haben, sondern darin, dich mit dem, was du tust, wohlzufühlen und zu akzeptieren, dass es immer Höhen und Tiefen geben wird.

Tu, was du liebst, wenn du kannst, und wenn du es nicht kannst, übe dich in Stoizismus

Es ist offensichtlich, dass es glückliche Menschen auf dieser Welt gibt. Diejenigen, die ihre Träume verwirklichen und lieben, was sie tun, ohne einen Riss in diesem Gefühl der Zufriedenheit zu finden. Die Wahrheit ist jedoch, dass es mehr von denen gibt, die zum anderen Sektor gehören. Diejenigen, die nicht lieben, was sie tun, aber es akzeptieren, weil sie damit ihren Lebensunterhalt bestreiten und weil es immer wieder angenehme Momente gibt, die sich lohnen.

Das Leben ist nicht perfekt, das wissen wir. Doch Schwierigkeiten bringen immer auch Chancen mit sich. Der Schlüssel liegt in unserer Einstellung, in der Annahme, dass wir nicht alles unter Kontrolle haben, aber wir können unsere Herangehensweise und unsere Gedanken variieren, um uns an jede Situation anzupassen.

Stoisch zu sein kommt nicht aus der Mode und wie Epiktet sagte, liegt das Geheimnis des Wohlbefindens nicht im Streben nach Perfektion, sondern im Erreichen von persönlichem Wachstum und Entwicklung. Selbst wenn unsere höchsten Träume nicht in Erfüllung gehen, können wir unsere Ziele immer wieder neu ausrichten und uns neue persönliche, lebenspraktische und berufliche Ziele setzen.

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  • O’Keefe, P. A., Dweck, C. S., & Walton, G. M. (2018). Implicit Theories of Interest: Finding Your Passion or Developing It?. Psychological science29(10), 1653–1664. https://doi.org/10.1177/0956797618780643