Teenager-Influencer und die psychologischen Auswirkungen auf Kinder

Sie sind attraktiv, reich und scheinen ein perfektes Leben zu führen. Die jüngsten Influencer sind Vorbilder für unsere Kinder und Jugendlichen, deshalb sehnen sie sich danach, so zu sein wie sie.
Teenager-Influencer und die psychologischen Auswirkungen auf Kinder
Valeria Sabater

Geschrieben und geprüft von der psychologe Valeria Sabater am 15. November 2021.

Letzte Aktualisierung: 15. November 2021

Nur noch wenige Kinder träumen davon, Astronauten zu werden, die meisten wollen Teenager-Influencer sein, berühmt werden und leichtes Geld verdienen. Junge Menschen haben jetzt neue Referenzen, die sie nachahmen und von denen sie sich inspirieren lassen können.

Influencer führen ein scheinbar perfektes Leben und widmen sich Dingen, die ihnen Spaß machen: Sie sprechen über Videospiele, Schönheit, Film, Kunst, Umwelt oder soziale Fragen. Der Traum vieler junger Menschn ist deshalb YouTube-Star zu werden oder einen eigenen Twich-Kanal mit Millionen von Followern zu haben. 

Statistiken ist zu entnehmen, dass bereits Kinder zwischen 8 und 12 Jahren durchschnittlich 6 Stunden am Tag vor Bildschirmgeräten verbringen. Sie leben in einem parallelen Universum, das auf den ersten Blick perfekt zu sein scheint.

Die Eltern müssen sich nicht nur darüber im Klaren sein, wie viel Zeit ihre Kinder mit ihren mobilen Geräten verbringen. Sie sollten auch wissen, welche Inhalte sie sich ansehen. Natürlich ist nicht alles schädlich oder gefährlich, aber viele Studien erinnern uns daran, dass mehr als 70 % der jugendlichen YouTube-Abonnenten den Prominenten, denen sie folgen, fast blind vertrauen.

Sie glauben alles, was ihnen gesagt wird, gieren nach den Produkten, für die sie werben, und hinterfragen keine Ideen, die ihnen von diesen Mediengurus vermittelt werden. Kinder und Jugendliche haben das kritische Denken noch nicht ausreichend entwickelt. Deshalb sind sie sehr anfällig für alles, was ihnen in diesen digitalen Szenarien begegnet.

Influencer werden in ihrer Nische als Autoritätspersonen anerkannt. Das hat einen großen Einfluss auf Kinder und Jugendliche, die diese Persönlichkeiten als absolute Referenz betrachten.

Teenager-Influencer, der Traum vieler jungen Menschen

Teenager-Influencer: Ich will so sein wie sie!

Es gibt derzeit Tausende von Teenager-Influencern, die voll etabliert sind, Millionen von Followern haben und Kinder und Jugendliche in ihren Bann ziehen. It-Girls sind eine Referenz im Bereich Mode und Schönheit. Auch die Welt der Videospiele zieht unendlich viele Anhänger an, ebenso wie junge Schauspieler oder Figuren, deren Charisma diese Altersgruppe anzieht.

Die Psychologie des Marketings lehrt uns, dass dieses Phänomen sowohl positive als auch weniger angenehme Aspekte verbirgt. Einerseits können erfolgreiche Influencer Marken einen hohen wirtschaftlichen Nutzen bringen. Der Preis dafür ist jedoch die ausgeklügelte mentale Manipulation. Kinder und Jugendliche stehen im Fokus der Begierde der großen Werbeindustrie.

Der Halo-Effekt

Teenager-Influencer sind für Kinder Autoritätsfiguren und Bezugspersonen. Das liegt vor allem am Halo- oder Heiligenschein-Effekt: Alles, was sie sagen oder tun, ist richtig und inspirierend. Es spielt keine Rolle, ob ein YouTouber Experte für Videospiele ist oder andere Inhalte vermittelt: Wenn er für einen Energydrink wirbt, ist es wahrscheinlich, dass das Kind seine Eltern danach fragen wird.

Wenn derselbe Youtuber hingegen eindeutig sexistische Ideen vertritt oder eine gefährliche politische und ideologische Richtung aufzeigt, ist es wahrscheinlich, dass unsere Kinder dies integrieren, ohne es zu merken oder diese Ideen infrage zu stellen.

Soziale Konformität und das Gefühl der Zugehörigkeit

Kinder, die mit verschiedenen Kanälen wie Instagram, Tik Tok, YouTube oder Twich vertraut werden, erfahren allmählich, dass sie Teil einer Gemeinschaft werden. Prominente Follower sind eine Möglichkeit, Online-Freunde zu finden und ein Gefühl der Zugehörigkeit zu schaffen. Sie teilen Leidenschaften, Hobbys, Erfahrungen usw.

Teenager-Influencer schaffen Fangemeinschaften um sich herum, an die sie Ideen, Werbung und einen bestimmten Lebensstil weitergeben. Kinder und Jugendliche entwickeln in dieser Hinsicht eine fortschreitende soziale Konformität. Sie hinterfragen kaum etwas von dem, was sie täglich sehen, und schenken dem Guru volle Glaubwürdigkeit. Außerdem haben sie eine Gruppe von Online-Freunden, die diese Anhänglichkeit noch verstärken (ob sie nun nützlich ist oder nicht).

Influencer im Teenageralter werden zu Autoritätsfiguren für Kinder. Oft geben sie dem, was sie ihnen vermitteln, mehr Wahrhaftigkeit als ihre eigenen Eltern.

Die Fata Morgana des perfekten Lebens: Ich will, was ich sehe

Forschungsstudien, wie die der Universitäten von Nanyang in Singapur, Nijmegen in den Niederlanden und der Universität von San Diego in den Vereinigten Staaten, zeigen, dass das Phänomen der Influencer einen enormen Einfluss auf die Werbung, das Branding und die Leistung der sozialen Medien hat.

Das Konsumverhalten von Teenagern in diesen Fällen ist jedoch noch nicht ausreichend untersucht worden. Wir wissen, dass junge Menschen von allem, was sie in diesem digitalen Universum sehen, gefangen sind. Sie sehnen sich danach, das Leben der jugendlichen Influencer zu führen, denen sie folgen.

Sie wollen das, was sie sehen, und wenn es zu weit entfernt ist, führt das zu Frustration. Sie bitten nicht nur ihre Eltern, ihnen die von den Influencern beworbenen Produkte zu kaufen. Sie wollen wie sie sein, sich wie sie kleiden, ihre Figur haben, ihre Haare…. Dies führt oft zu Problemen mit dem Selbstwertgefühl, zu Ängsten und Essstörungen.

Teenager-Influencer

Mein Traum: Teenager-Influencer

Der Wunsch, Influencer zu sein, führt bei Teenagern dazu, dass sie eine verzerrte Perspektive entwickeln:  mühelos arbeiten, auf einfache Weise erfolgreich sein, über Nacht Millionen von Anhängern haben und reich werden.

Zwar haben nicht alle Kinder und Jugendlichen dieses Ziel, aber diese Modelle, mit denen sie schon sehr früh vertraut werden, führen dazu, dass sie Vorstellungen haben, die sie auf Dauer enttäuschen und verzweifeln lassen können.

Eltern und Erzieher sollten deshalb überwachen, welchen Personen des öffentlichen Lebens Kinder  folgen, und ihnen klarmachen, dass sich in Netzwerken eine Fata Morgana widerspiegelt, die von einer Vielzahl von Filtern, Bots und Algorithmen genährt wird, die nur ein Ziel haben: sie zu manipulieren.

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