Ronald David Laing: Ein Forscher der Schizophrenie

28. Dezember 2019
Laing war ein Psychiater, der durch seine Arbeit mit schizophrenen Patienten Ruhm erlangte. Er vermutete, dass sich Menschen mit dieser Krankheit, je nach Umfeld in dem sie sich befinden, unterschiedlich verhalten.

Ronald David Laing war ein britischer Psychiater, der für seinen alternativen Ansatz zur Behandlung von Schizophrenie bekannt war. Er war auch der Gründer einer Bewegung, die in den 1960er und 70er Jahren als Antipsychiatrie bekannt wurde.

Wie viele andere Psychologen und Sozialwissenschaftler arbeitete und forschte Laing an der berühmten Tavistock Clinic. Viele Jahre später wurde er schließlich Teil des Forschungsteams am Tavistock Institute. Das Institut stellte dabei sicher, dass er mehr als genug Geld hatte, um seine wichtigen Studien durchzuführen.

Er konzentrierte sich hauptsächlich auf das Studium der Schizophrenie und des Behandlungsumfelds von schizophrenen Patienten. Laing schlug vor, je nach Umfeld in dem sich die Patienten befanden, anders zu handeln. Lies im Folgenden weiter, um mehr über Ronald David Laings Leben und seine wichtige Arbeit zu erfahren.

Er konzentrierte sich hauptsächlich auf das Studium der Schizophrenie und des Behandlungsumfelds von schizophrenen Patienten.

Ronald David Laing: frühes Leben

Laing wurde am 7. Oktober 1927 in Govanhill, Glasgow (Schottland) geboren. Er stammte aus einer Arbeiterfamilie und war das einzige Kind von David McNair Laing und Amelia Laing.

Bis 1945 besuchte er Hutcheson, eine reine Jungen-Grundschule in Glasgow. Dort zeichnete er sich als hervorragender Schüler und Musiker aus. Im Jahr 1944 erhielt er seine Akkreditierung von der Royal Academy of Music und begann dann im April 1945 das Royal College of Music zu besuchen.

Während seiner Zeit an dieser Schule war er ein begeisterter Philosophiestudent. Einige der Autoren, die er am interessantesten fand, waren Freud, Marx, Nietzsche und vor allem Kierkegaard. Später begann er ein Medizin- und Psychiatriestudium und schloss dieses im Jahre 1951 an der University of Glasgow ab.

Eine Berufung für die Psychiatrie

Zwischen 1951 und 1953diente er dem Royal Army Medical Corps als Psychiater. Dort arbeitete er zunächst in der psychiatrischen Abteilung der britischen Armee in Netley (in der Nähe von Southampton) und später im Militärkrankenhaus in Catterick, Yorkshire.

Gegen Ende des Jahres 1953 verließ er die Armee und begann an der University of Glasgow zu lehren. Während dieser Zeit besuchte er auch das Gartnavel Royal Hospital, um seine Ausbildung zum Psychiater abzuschließen. In diesem Krankenhaus versuchte er eine experimentelle Behandlungsumgebung: den „Rumpus Room“, in dem Schizophreniepatienten Spaß haben und sich entspannen konnten.

Sowohl das Personal als auch die Patienten trugen normale Kleidung und den Patienten wurde Zeit gegeben, um verschiedenen Dingen nachzugehen, wie z.B. dem Kochen und künstlerischen Aktivitäten. Diese alltäglichen Aktivitäten sollten den Patienten ein Umfeld bieten, in dem sie mit dem Personal und anderen Patienten in einem sozialen Umfeld interagieren konnten, anstatt sich in einem institutionellen Umfeld wiederzufinden.

Der Zustand all seiner Patienten verbesserte sich nach dieser neuartigen Behandlung. Im Januar 1956 erhielt Laing seine Zertifizierung als Psychiater.

Ronald David Laing: beruflliches Leben

Ende 1956 wurde Ronald David Laing zum Senior Registrar an der Tavistock Clinic in London ernannt. Er forschte dort dann bis 1960.

Die Ärzte der Tavistock Clinic untersuchten hauptsächlich Patienten der englischen Marine. Ihr Hauptziel war es, die Spuren und Narben zu identifizieren, die der Krieg den Menschen zufügen und hinterlassen könnte.

Nicht lange danach wurde das Tavistock Institute zu einer nichtstaatlichen, gemeinnützigen Organisation erklärt. Das von der Rockefeller Foundation gegründete Tavistock Institute forschte in den Sozialwissenschaften und in der Psychologie, mit den Schwerpunkten Bildung, Forschung und berufliche Entwicklung.

Ronald David Laing arbeitete fast 30 Jahre am Institut. Gleichzeitig wurde er vom Institut für Psychoanalyse auch zum Psychoanalytiker zertifiziert.

1958 begann er mit der Forschung, aus der sein 1964 veröffentlichtes Buch Wahnsinn und Familie(orig. Sanity, Madness and the Family) hervorging. Er erstellte ebenfalls eine Reihe von Seminaren, an denen eine Vielzahl von Menschen teilnahmen, von denen einige später sogar Hauptmitarbeiter wurden. Unter ihnen fanden sich, unter anderen, Aaron Esterson und David Cooper.

Laings Arbeit und Anerkennung

Sein Buch Das geteilte Selbst (orig. The Divided Self) wurde 1960 veröffentlicht. Es erhielt positive Kritiken, obwohl die Verkäufe nicht der Begeisterung der Kritiker entsprachen. Bereits im Folgenden Jahr veröffentlicht er eine weitere Studie Das Selbst und die Anderen (orig. Self and Other, 1961).

Laing erhielt schließlich sein Diplom als Psychoanalytiker und gründete eine Privatpraxis in London. Er begann mit Drogen zu experimentieren, insbesondere mit LSD. 1962 wurde er zum Direktor der Langham Clinic in London ernannt. Ab diesem Zeitpunkt begann er an Popularität zu gewinnen.

In den folgenden Jahren schrieb er viele der Artikel, die später in das Buch Phänomenologie der Erfahrung (orig. The Politics of Experience/The Bird of Paradise) Eingang fanden. In Zusammenarbeit mit David Cooper, einem weiteren Forscher am Tavistock Institute, veröffentlichte er auch Vernunft und Gewalt (orig. Reason and Violence).

Das Kingsley Hall-Projekt

Im Jahr 1965 begann er, zusammen mit Aaron Esterson, David Cooper und anderen Forschern dieser Zeit, das Kingsley Hall-Projekt. Das Projekt dauerte bis 1970.

Das Kingsley Hall-Projekt umfasste die Schaffung einer experimentellen, nicht hierarchischen Gemeinschaft, in der Schizophreniepatienten ihre Psychose durcharbeiten konnten, ohne dabei Medikamente, Elektroschocktherapie oder Operationen (Lobotomien) anwenden zu müssen.

Die Inspiration kam von Laings Arbeit mit dem „Rumpus Room“ und den Erfahrungen seiner Mitarbeiter. Andere Projekte, wie Coopers Villa 21 waren für das Kingsley Hall-Projekt von grundlegender Bedeutung. In Coopers Projekt wurde eine Gemeinschaft für schizophrene Patienten geschaffen, ohne zwischen Personal und Patienten zu unterscheiden. Ihre Beziehungen waren sozial begründet.

Dank des Erfolgs von Kingsley Hall tourte Laing durch die USA. Das brachte ihn mit vielen anderen renommierten Psychoanalytikern in Kontakt. 1967 nahm er am Kongress für Dialektik der Befreiung teil, der linke Politik und Psychoanalyse vereinen wollte.

Dort hielt er eine Rede mit dem Titel „The Obvious“, die später eine Anthologie der Reden auf dem Kongress darstellte.

Ronald David Laing: Persönliches Leben

1952 heiratete er seine Freundin Anne Hearne. Im selben Jahr kam ihre erste Tochter, Fiona, auf die Welt. Danach hatten sie vier weitere Kinder: Susan, Karen, Paul und Adrian.

Nach seiner Trennung von Anne, heiratete Ronald David Laing Jutta Werner. Die beiden hatten drei Kinder zusammen. Danach hatte er noch zwei weitere Kinder von zwei verschiedenen Frauen.

Nach der Schließung von Kingsley Hall im Jahr 1971 entschied Laing, dass dies die perfekte Zeit für ein Sabbatjahr war. Er beschloss, nach Sri Lanka und Indien zu reisen. Während seiner Reise fing er an, Theravada-Meditation zu praktizieren.

Im Vorfeld seiner Reise schloss er auch seine Privatpraxis. Dies war dieselbe Praxis, in der er in den 1960er Jahren die LSD-Therapie durchgeführt hatte. Es ist nicht klar, ob er nach seiner Rückkehr aus Indien, seine Arbeit mit LSD-Therapien wieder aufnahm oder nicht.

Am 23. August 1989 starb Ronald David Laing beim Tennisspielen. Laut medizinischen Berichten erlag er einem Herzinfarkt.

Nach der Schließung von Kingsley Hall im Jahr 1971 entschied Laing, für ein Sabbatjahr nach Sri Lanka und Indien zu reisen.

 

Das Erbe von Ronald David Laing

Während eines Großteils seiner Karriere interessierte sich Laing für die Ursachen der Schizophrenie. Er stellte sich auch klar gegen die vorwiegenden Behandlungen, mit denen Schizophreniepatienten zu dieser Zeit behandelt wurden. Er versuchte stattdessen Alternativen zu Krankenhausaufenthalten und der damals üblichen Elektroschocktherapie zu finden.

„Die Bandbreite darüber, was wir denken und tun ist begrenzt durch das, was wir nicht bemerken. Und weil wir nicht bemerken, dass wir es nicht bemerken, können wir wenig tun, um dies zu ändern; bis wir bemerken, wie das Nicht-Bemerken unser Denken und Handeln beeinflusst.“

-Ronald David Laing-

Laing theoretisierte, dass die ontologische Unsicherheit (die Unsicherheit über unsere Existenz) eine Abwehrreaktion auslöst. Diese Reaktion würde dann dazu führen, dass sich eine Person in einzelne Teile aufteilt. Und dies wiederum würde dann zu den psychotischen Merkmalen der Schizophrenie führen.

In seinem Buch Wahnsinn und Familie sprach er über eine Reihe von Patienten, deren psychische Erkrankungen seiner Ansicht nach zumindest teilweise durch ihre Beziehung zu ihren Familien ausgelöst worden waren. Diese Idee sorgte damals für große Aufregung.

Obwohl seine ursprüngliche Stellung zur Schizophrenie ziemlich kontrovers war, regierte er in späteren Jahren in einigen seiner Ideen. Alles in allem war Ronald David Laing ein Pionier in der Behandlung von Schizophreniepatienten und half dabei, die Art und Weise, wie wir sie sehen und behandeln, zu humanisieren.

  • Laing, R. D. (1969). El cuestionamiento de la familia. Paidós.
  • Laing, R. D. (1988). Las cosas de la vida: un ensayo sobre los sentimientos, la realidad y la fantasía. Editorial Crítica, Grupo Editorial Grijalbo.
  • Herrera Zavaleta, J. L. (2009). Filosofía y contracultura.