Trägst du emotionale Wunden aus der Vergangenheit noch in dir?

20. Oktober 2015 en Psychologie 3 Geteilt

Eine Vergangenheit voller negativer Erfahrungen kann einem sehr zu schaffen machen. Anstatt von diesen Erfahrungen zu profitieren, aus ihnen schlauer zu werden, um Fehler in Zukunft nicht erneut geschehen zu lassen und aus ihnen etwas für das Leben zu lernen, begehen viele Menschen den Fehler und schließen mit ihrer Vergangenheit nicht ab. Es wird zunehmend schwerer, nach vorn zu schauen. Einige Personen tragen diese Last sogar ihr Leben lang auf ihren Schultern und kommen in emotionaler Hinsicht nicht vom Fleck.

Hast auch du mit einem negativen Ereignis aus der Vergangenheit emotional noch nicht abgeschlossen? Und dieses Erlebnis beeinflusst dein Leben als Erwachsener noch immer?

Im Folgenden werden wir uns einige Anzeichen ansehen, die unter Umständen darauf hindeuten können, dass du mit einem negativen Ereignis aus der Vergangenheit emotional noch nicht abgeschlossen hast. Nur wenn du die Situation erkennst, kannst du damit beginnen, dich von deiner emotionalen Altlast zu befreien.

Zeichen die darauf hinweisen, dass in der Vergangenheit entstandene Wunden noch nicht verheilt sind

#1 – Du sprichst nicht gern über negative Ereignisse aus der Vergangenheit

Wenn du dich mit dem, was in der Vergangenheit passiert ist, gut stellst, dann ist es für dich auch nicht schwer darüber zu reden, wenn das Thema zur Sprache kommt. Wenn du ein schlimmes Erlebnis verarbeitet hast, reißen bei einem Gespräch keine alte Wunden auf, du kannst an ihm wachsen. Über das Geschehene zu reden erlaubt es dir auch, das, was du daraus gelernt hast, mit anderen zu teilen. Wenn du aber noch an den Schmerz der Vergangenheit gebunden bist, erlebst du den Schmerz noch einmal, sobald du darüber sprichst.

#2 – Du unterdrückst deine Gefühle

Wir Menschen müssen unseren Gefühlen freien Lauf lassen, sowohl positiven als auch negativen. Wenn uns bestimmte Emotionen nicht behagen, neigen wir dazu, ihnen keinen Ausdruck zu verleihen und wir denken, dass wir so dem Schmerz, den diese Gefühle verursachen, aus dem Weg gehen.

Aber diese Strategie ist kontraproduktiv. Wenn du negative Gefühle unterdrückst, dann hältst du automatisch an ihnen fest. Doch wenn du ihnen freien Lauf lässt, dann ist es einfacher, sie loszuwerden. Emotionen zu verneinen und zu unterdrücken bedeutet sich mit diesen anzufreunden.

#3 – Du kannst deine Gefühlsausbrüche nicht kontrollieren

Gefühlsausbrüche werden von versteckten Gefühlen ausgelöst. Und wenn du deine Emotionen unterdrückst, auch ohne über sie zu sprechen, reagierst du doch in irgendeiner Art und Weise auf sie. Wenn du deine Gefühle nicht zum Ausdruck bringst, stauen sie sich an und können zur Folge haben, dass du die Kontrolle über dich selbst verlierst. Du verspürst dann auf einmal eine Angst, mit der du nicht umzugehen weißt, und reagierst aufgrund deiner angestauten Emotionen impulsiv. Das führt dazu, dass du schlechte Entscheidungen triffst, dich von deinen Gefühlen leiten lässt und Schmerz und Schuldgefühle entwickelst.

#4 – Du machst immer wieder dieselben Fehler

Eigene Fehler immer und immer wieder zu wiederholen, ist ein Zeichen dafür, dass du mit einem dunklen Ereignis aus der Vergangenheit nicht abgeschlossen hast. Das wiederholte Treffen gleicher, unangebrachter Entscheidungen ist ein Alarmsignal dafür, dass dich deine negative Vergangenheit immer wieder einholt und du eine Lösung dafür finden musst.

#5 – Du hegst immer noch Groll gegen Personen, die dich verletzt haben

Wenn du dich emotional von einem unschönen Geschehnis aus der Vergangenheit noch nicht verabschiedet hast, dann behältst du Schmerz und Schuldgefühle, Groll und Angst gegenüber den mit dem Ereignis verknüpften Personen noch immer bei dir. Diese aufgestauten Emotionen können dann irgendwann in einer anderen Situation wieder zum Vorschein kommen oder wieder ins eigene Gedächtnis gerufen werden.

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#6 – Wenn du umgeben bist von Personen, die dich einst verletzten, fühlst du dich nicht wie du selbst

Das tritt sehr häufig in der Familie auf. Wenn du an negativen Erinnerungen mit bestimmten Menschen festhältst, dann fühlst du dich in deren Gegenwart nicht wie du selbst. Du fühlst dich, als müsstest du immer noch ihre Erwartungen an dich erfüllen oder glaubst, dass du nicht so bist, wie sie dich gern hätten. Letztendlich verhältst du dich ihnen gegenüber anders, als du es sonst tust. Du sprichst nicht ehrlich aus, was du denkst, oder du verschließt dich komplett.

#7 – Du hast Angst, dass dich andere nicht so annehmen, wie du bist

Oftmals verallgemeinert man die Missbilligung der Familie. Dann überträgt sich die Angst, von andern nicht so akzeptiert zu werden wie man ist, auf Freunde, den Partner oder sogar auf Fremde. Diese allgemeine Angst vor Nichtakzeptanz ist gründet auf der ursprünglichen Vorstellung der Familie und der Schule.

#8 – Du machst bei deinen eigenen Kindern dieselben Fehler, wie sie deine Eltern bei dir machten

Bei seinen Kindern genau die gleichen Fehler zu machen, negative Gefühle hervorzurufen, wie es die eigenen Eltern taten, ist ein weit verbreitetes Phänomen. Erstaunlicherweise merkt man das auch gleich, sobald sich solch eine Situation ereignet. Und man weiß, dass man einen Fehler macht. Es scheint sich hier um ein erlerntes Verhalten zu handeln, von dem man sich nicht lösen kann. Das ist auch die Rechtfertigung, die man einem derartigen Handeln gibt.

#9 – Du hast das Gefühl, mit deinem Vater oder deiner Mutter verheiratet zu sein

Viele Menschen, die ihre negative Vergangenheit noch nicht verarbeitet haben, heiraten eine Person, die ihrem Vater oder der Mutter sehr ähneln. Und es dauert nicht lange, bis sie das bemerken. Aber da sie sich von negativen Gefühlen aus der Vergangenheit einfach nicht befreien können, vergeht doch ein ganze Weile, bis sie sich dessen tatsächlich bewusst werden.

Vielleicht steckt dahinter auch der unbewusste Versuch, ihren Partner zu ändern, und die Hoffnung, dass mit den Veränderungen der Schmerz verschwindet.

#10 – Du denkst, dass du deine Ziele nicht erreichen kannst, aber du kannst nicht erklären, warum nicht

Wenn dir die Familie oder sogar die Schule in der Vergangenheit strenge Regel auferlegt hat, dann lagen ihre Prinzipien über den bereits sehr strengen Regeln des Lebens, die du heute automatisch befolgst.  Du musstest dich nach diesen strengen Vorgaben richten und sie sind tief in deinem Inneren als Grenzen manifestiert. Wir können sie nicht erklären, aber sie binden uns an die Vergangenheit.

Wir sind der Meinung, dass uns diese Regeln schützen, aber sie können unser Leben als Erwachsener einschränken. Seltsamerweise können diese Regeln unsere eigenen Möglichkeiten bestimmen, ob wir uns dessen nun bewusst sind oder nicht.

Die dunkle Vergangenheit hinter sich lassen

Es ist nicht notwendig, die Vergangenheit noch einmal Revue passieren zu lassen, um sie zu verarbeiten. Manchen mag das vielleicht helfen, aber das muss nicht immer sein und es ist für die eigene Gefühlswelt auch nicht immer von Vorteil, sich mit Vergangenem erneut auseinander zu setzen. Der Schlüssel, um diese Wunden zu heilen, liegt darin, in der Zukunft andere Entscheidungen zu treffen.

Wichtig ist es, sich des Einflusses der Vergangenheit auf die Gegenwart bewusst zu sein und zu lernen, wie sie dich beeinflusst. Sprich darüber und unterdrücke deine Gefühle nicht. Denn nur so wirst du bewusst richtige Entscheidungen fällen, die dich auf einen neuen, anderen Weg führen.

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