Du hast das Recht darauf, auch mal einen schlechten Tag zu haben

· 2. September 2016

Als Menschen haben wir das Recht darauf, uns manchmal traurig zu fühlen, nicht zu 100% glücklich zu sein, nicht die ganze Zeit ein Lächeln im Gesicht und einfach auch mal einen schlechten Tag zu haben. Doch Ratgeber vermitteln uns etwas anderes: Wir müssen glücklich, positiv eingestellt und diese stets autoritäre Person und ein guter Bürger sein, was letztendlich dazu führt, dass es uns noch schlechter geht als es sowieso schon der Fall ist.

„Ein Tag ohne ein Lächeln ist ein verlorener Tag.“ – Den Satz hast vielleicht auch schon in einem Ratgeber gelesen. Ich persönlich bin der Meinung, dass kein Tag verloren ist, ganz unabhängig davon, wie wir emotional aufgestellt sind.

Lache, singe, weine oder mache Luftsprünge – all das ist Teil der menschlichen Natur und wir können praktisch aus allem etwas lernen oder etwas Wichtiges über uns selbst erfahren.

Das wäre ja fast so, als würde man sagen, dass ein Tag mit Fieber ein verlorener Tag wäre, obwohl das natürlich nicht der Wahrheit entspricht. Dank dem Fieber hat der Mensch überlebt, weil wir ja wissen, dass durch die steigende Temperatur unsere Abwehrkräfte gestärkt werden, weshalb wir nicht mehr so anfällig für Krankheiten sind. Auf die gleiche Art und Weise arbeiten positive oder negative Gefühle wie eine mächtige Waffe, die uns sagt, ob für das, was um uns herum geschieht, eine Lösung gefunden werden muss, wenn wir auf emotionaler Ebene nicht erkranken wollen.

Erlaube dir selbst, auch mal einen schlechten Tag zu haben

Durch die Psychologie wissen wir, dass jemand Hilfe braucht, wenn seine negativen Gefühle – hin und wieder schließt das auch positive Emotionen mit ein, wie z.B. Euphorie – zu intensiv und lang anhaltend sind und immer wieder auftauchen.

Wenn wir an einem Tag wegen etwas traurig sind, das uns zugestoßen ist, dürfen wir uns diese Traurigkeit erlauben. Das ist normal und gesund, weil diese Traurigkeit uns dabei unterstützen wird, eine Lösung für unser Problem zu finden und der Misere zu entkommen.

Trauriger Engel

Aber wenn wir jeden Tag ein negatives Gefühl verspüren, können wir dadurch weder ein normales Leben führen, noch als Mensch so funktionieren, wie wir es für gewöhnlich tun würden. Außerdem stellen wir dann fest, dass es uns übermannt, weil wir nicht aufhören können zu weinen, uns in unserer Haut und in der Welt, in der wir leben, nicht wohl fühlen oder uns schwirren schlichtweg zu viele negative Gedanken im Kopf umher. Dann müssen wir uns die Frage stellen, ob wir an einer Depression erkrankt sind und müssen professionelle Hilfe ersuchen.

Der Knackpunkt hierbei ist es, diese Parameter unterscheiden zu können und uns selbst nicht zu bestrafen, wenn wir an einem Tag etwas ängstlich oder traurig sind.

Wir Menschen sind immer auf der Suche nach Perfektionismus, bei allem, was wir tun, was uns ausmacht, und selbst unsere eigenen Emotionen bleiben davon nicht verschont. Das ist der sogenannte emotionale Perfektionismus, was bedeutet, dass es nicht mehr um die emotionale Suche nach dem Glück geht, sondern um die Notwendigkeit, es zu finden. Doch letztendlich hilft uns dieser emotionale Perfektionismus nicht dabei, uns besser zu fühlen. Durch ihn fühlen wir uns schlecht, weil wir uns darüber Gedanken machen, dass wir uns Gedanken machen, was es wesentlich schwieriger macht, dieser Spirale des Leids zu entkommen.

Maedchen im Regen

Erlaube dir, zu fühlen

Uns wurde beigebracht, andere nicht in den Ohren zu liegen, unseren Mitmenschen eine Freude zu machen und nicht zu sehr aufzufallen. Das verpflichtet uns viele Male dazu, „Ja“  zu sagen, wenn wir eigentlich Nein“  sagen wollen; das verpflichtet uns dazu, zu lächeln, obwohl wir einfach nur weinen möchten und etwas zuzustimmen, obwohl wir dagegen sind.

Das Ergebnis ist der fehlende Respekt unseren eigenen Gefühlen gegenüber, weil es nirgendwo geschrieben steht, dass wir nicht das Recht dazu haben, zu fühlen, was wir in diesen Moment fühlen müssen.

Es ist wichtig, zu lernen, Grenzen zu setzen und auch mal unsere eigenen Interessen über die anderer zu stellen. Denn wir haben mehr als das Recht dazu, einen schlechten Tag zu haben, 24 Stunden lang nur die Hälfte unserer Kraft zur Verfügung zu haben, und deshalb geht die Welt auch nicht gleich unter.

Solange wir dazu in der Lage sind, uns selbst Priorität einzuräumen und neue Kraft zu schöpfen, gibt es kein Problem. Unsere Energie wird schon wieder zurückkehren, wir werden schon wieder Lust dazu haben, zu lächeln, aber im Moment solltest du einfach nur Geduld mit dir selbst haben.

Frau haelt Herz

Jeder, aber wirklich jeder einzelne von uns, hat schlechte Tage. Wir sind manchmal irrational, haben absurde Ängste, weinen und wissen nicht, warum. Selbst die rationalste Person ist menschlich, regt sich auf, weint, verspürt Angst oder erlebt einen schlechten Tag.

Du schöne menschliche Natur, die es uns erlaubt, bewegt zu sein: Wir weinen vor Freude oder aus Traurigkeit, bekommen Gänsehaut beim Hören unseres Lieblingsliedes, weinen, wenn wir endlich diese lang ersehnte Umarmung erhalten…

Deshalb solltest du ab heute zum Ausdruck bringen, wie du dich eben nun mal fühlst. Respektiere dich und liebe dich unabhängig davon, wie deine momentane Gefühlslage aussieht.

Verabschiede dich bitte von diesem emotionalen Perfektionismus, der sagt, dass du immer lächeln und vor Freude in die Luft gehen „sollst“. Zum Schluss möchte ich dir noch mit auf den Weg geben, dich so zu verhalten, wie es dein Körper, dein Verstand und dein Herz in diesem Moment zulassen und gib acht, dass all das nicht zu intensiv, fortwährend und wiederkehrend ist.

Denke immer daran: Einen schlechten Tag zu haben, ist nicht abnormal; es ist abnormal, niemals einen schlechten Tag zu haben. Natürlich ist es auch nicht normal, immer traurig dreinzuschauen. Falls das bei dir der Fall sein sollte, dann nimm vielleicht professionelle Hilfe in Anspruch. Mit den Worten eines griechischen Philosophen ausgedrückt: „Auf halber Strecke finden wir die Tugend.“