Die Möwe Jonathan: Der Glaube an sich selbst

· 28. Juli 2018

Es war Morgen, und die neue Sonne flimmerte golden über dem Wellengekräusel der stillen See.

So beginnt Die Möwe Jonathan  von Richard Bach. Dieses Buch beschreibt den Anfang eines neuen Tages, so wie die Sonne, der Hahnenschrei oder ein lauter Wecker verkünden, dass die Nacht vorbei ist. Es inspiriert die Seele und dient als ein Kompass in der Frage, wer wir wirklich sind und wer wir sein wollen.

Durch seinen Protagonisten, die Möwe Jonathan, erzählt Bach über diesen Prozess des Verstehens und der Wertschätzung. Über diese Ermutigung, die der Lohn für alles ist, was wir in uns selbst investieren. Weil sie wirklich uns gehört, ist sie es auch wert, weitergegeben zu werden. Sie ist etwas, worauf wir stolz sein können – nicht nur kürzlich poliertes Selbstbewusstsein, auf dem wir wahrscheinlich ausrutschen.

Dieses Buch, das bereits zu den Klassikern zählt, erzählt auch davon, wie schwer es ist, mit Konventionen zu brechen. Es offenbart die Macht von Glaube und Leidenschaft. Gemeinsam können diese beiden Eigenschaften uns helfen, Veränderungen auf persönlichem oder gesellschaftlichen Niveau zu erreichen.

Warum an sich selbst glauben?

Große Aufgaben beginnen immer mit großen Fragen. Jonathan verstand zum Beispiel nicht, warum er länger und mit weniger Anstrengung über das Wasser fliegen konnte, wenn er sich in einer Höhe von weniger als einer halben Flügellänge über der Wasseroberfläche befand. Jonathan hatte eine Leidenschaft. Es war seine Leidenschaft, schnell und elegant zu fliegen. Für ihn führten diese Fragen dazu, dass er begann, zu experimentieren, zu beobachten und seine Schlüsse zu ziehen. 

Währenddessen hörte Jonathans Mutter nicht auf, ihn zu fragen, warum er nicht einfach wie alle anderen sein könne. Der Grund dafür war, dass Jonathan mehr als jenen anderen daran lag, zu lernen und zu verstehen: „Ich will nicht einfach nur Knochen und Federn sein, Mama. Ich will wissen, was ich in der Luft machen kann und was nicht. Das ist alles.“

Es ist so einfach, oder? Das ist die einfache und ergreifende Wahrheit. Vergiss einfach, dass du im Großen und Ganzen so sein sollst wie alle anderen. Echtes Glück kommt von der Freude, unsere eigenen Grenzen auszuloten. Es kommt daher, dass wir uns selbst genauso eine Chance geben, wie wir sie anderen bieten würden.

Ein Möwenschwarm in der Luft

Jonathan erfährt seine größte Eingebung im Augenblick der größten Krise.

Es gab keine Herausforderungen oder Niederlagen mehr. Er genoss es, nicht mehr zu denken, sondern einfach in der Dunkelheit zu fliegen, den Lichtern am Strand zu.

Und während er flog und flog sich der Erfahrung überließ, merkte er, was er tat. In der Dunkelheit, allein, in der Stille, ohne den Lärm aller anderen, hatte er geschafft, was noch nie eine Möwe geschafft hatte: in der Dunkelheit fliegen.

Allzu oft finden wir durch eine plötzliche Erkenntnis zu ungeahnten Lösungen. Sie erreicht uns dann, wenn wir schon lange über etwas nachgedacht und uns dabei im Kreis gedreht haben. Wenn uns die Erkenntnis packt, kommt sie die Lösung so einfach vor. Wir haben das Gefühl, dass nur dieser Augenblick des Erkennens zähle. Aber in Wirklichkeit hat auch die ganze Zeit davor, die Zeit des Experimentieren ihren Wert. Wir müssen viele Sackgassen betreten, bevor wir auf den richtigen Weg finden.

Nach diesem Augenblick der Erkenntnis scheint sich alles an seinen Platz zu fügen.

Er bemerkte, dass er eine Feder an der Flügelspitze nur einen Millimeter bewegen musste, um einen weiten Bogen in unglaublicher Geschwindigkeit zu ziehen.

Davor hatte er festgestellt, dass er sich wie eine Kugel aus einem Gewehrlauf zu drehen begann, wenn er mehr als eine Feder bewegte … Und so wurde Jonathan zur ersten Möwe, die Kunststücke in der Luft vollführte.

Wenn du leidenschaftlich für etwas brennst, dann hast du etwas mitzuteilen

Vor ein paar Jahren hat mir eine Ärztin erzählt, wie sie eine wichtige Karriereentscheidung getroffen hatte. Sie entschied sich, ihr ärztliches Assistenzjahr nicht im besten Krankenhaus zu absolvieren. Stattdessen wählte sie das Krankenhaus, in dem sie am ehesten das Gefühl hatte, dass sie etwas Gutes tun könnte. Wie viele von uns treffen Entscheidungen basierend auf solchen Gedanken? Wann entscheiden wir uns für den Weg, der er es uns ermöglicht, anderen bei ihrer Entwicklung und Veränderung zu helfen? Anstatt nur uns selbst weiterbringen und verändern zu wollen? Wir vergessen so oft, dass wir auf lange Sicht auch uns selbst dienen, wenn wir anderen etwas bieten. Solche Erfahrungen sind oft die wertvollsten.

Jonathan fühlt pures Glück, als er seine Entdeckung macht. Er ist glücklich, dass er Antworten gefunden und sich verbessert hat. Nicht nur das, er ist auch begeistert davon, anderen Möwen seine Kenntnisse beibringen zu können. Leider kommt Jonathans Gedanke nicht gut an. Veränderungen sind wie Erkenntnisse: Die erste Reaktion darauf ist oft Widerstand. 

Wer ist verantwortungsbewusster als eine Möwe, die einen Sinn und eine höhere Bedeutung im Leben sucht und findet?

Wenn eine Etappe vorbei ist, ist es Zeit, eine neue zu beginnen

Die Türen des Himmels öffnen sich für diejenigen, die Schwierigkeiten und Unverständnis überwinden. Wir reden hier nicht von einem religiösen Himmel, sondern von dem Himmel, der sich auftut, wenn wir unser eigenes Gesicht im Spiegel erkennen. Dieser Himmel öffnet sich, wenn wir sein wollen, was wir sind. Das, und die Unabhängigkeit, mit der wir diesen Zustand erreicht haben.

Möwen fliegen über eine Insel

Diese Art von Aufrichtigkeit ist der Lohn für brennende Leidenschaft. Nur dann sind wir für eine neue Revolution bereit. Weil das Leben genau wie Jonathan dynamisch ist. Weil jede Entwicklung uns vervollständigt und gleichzeitig unvollständig hinterlässt. Die Fähigkeit, innerhalb dieser Gegensätze zu leben, rettet uns vor dem Gefühl der Leere, das aufkommt, wenn wir ziellos herumwandern.

Letztendlich hilft auch ein gutes Gedächtnis. Oder wie Bach über Jonathan schreibt: „Die Erde war natürlich ein Ort gewesen, an dem er viel gelernt hatte. Aber die Details begannen bereits, zu verschwimmen. Er konnte sich irgendwie daran erinnern, um Futter gestritten zu haben und ausgestoßen gewesen zu sein.“  Das wirklich Wichtige ist aber, dass Jonathan aus seinem eigenen Herzen nie ausgestoßen war.