Das Symptom der Depression, über das niemand spricht

Wenn du das Interesse an Dingen verlierst, die dir früher Spaß machten, und Langeweile dein Leben beherrscht, könntest du an einer Depression leiden.
Das Symptom der Depression, über das niemand spricht
Valeria Sabater

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Valeria Sabater.

Letzte Aktualisierung: 03. November 2022

Der Schriftsteller C. S. Lewis sagte, dass seelischer Schmerz weniger dramatisch ist als körperlicher Schmerz, aber in Wahrheit kommt ersterer häufiger vor und ist schwerer zu ertragen. Zu den stillsten Leiden der Menschen gehört zweifellos die Depression. Diese Stimmungsstörung ist wie ein sehr komplexes Puzzle, das sich aus vielen Teilen, Variablen und persönlichen Umständen zusammensetzt. Es ist nicht einfach, sie zu definieren oder zu verhindern. Auch wenn die Grundvoraussetzungen gut und die Belastbarkeit groß sind, können bestimmte Erfahrungen Symptome der Depression auslösen. 

Nach Angaben der WHO leiden fast 3,8 Prozent der Bevölkerung an dieser psychischen Störung. Die Zahlen könnten sogar höher sein, da nicht alle Menschen Hilfe suchen und eine Diagnose erhalten.

Diese Realität wird durch eine problematische Tatsache erschwert: Depressionen werden in der Gesellschaft immer noch missverstanden. Manche assoziieren damit einen Mangel an Eigeninitiative, Schwäche und Fehlbarkeit. Wir neigen außerdem dazu, ein unvollständiges Bild von der Krankheit zu haben, die wir oft nur mit Traurigkeit und mangelnder Energie in Verbindung bringen. Oft übersehen wir bestimmte Faktoren, die jedoch wichtig sind, um eine Depression rechtzeitig zu erkennen. Ein häufiges Symptom der Depression, das wir oft nicht beachten, ist die Langeweile.

Wenn du eine Phase durchmachst, in der dich nichts interessiert, nichts deine Aufmerksamkeit erregt und nichts begeistert, könntest du an einer Depression leiden. 

Mann hat ein Symptom der Depression, über das niemand spricht
Obwohl Langeweile für die meisten Menschen ein vorübergehendes und triviales Gefühl ist, sind manche darin gefangen und leiden an einer Depression.

Chronische Langeweile: ein Symptom der Depression

Das Symptom der Depression, dem wir oft keine Beachtung schenken, ist die chronische Langeweile. Wir alle langweilen uns gelegentlich und wir wissen, dass dieser Zustand bei Kindern das kritische Denken und Selbstvertrauen fördert. Langeweile hat jedoch auch eine höchst problematische und sogar pathologische Kehrseite.

Menschen, die sich chronisch langweilen, leiden eher an Depressionen. Sie haben auch ein höheres Risiko, unter Angstzuständen zu leiden und eine Abhängigkeit von Substanzen (Alkohol, Drogen …) oder Verhaltenssüchte (Glücksspiel …) zu entwickeln.

Untersuchungen der Alliant International University in Kalifornien unterstreichen diesen Zusammenhang. Langeweile ist ein abweisendes Gefühl von Müdigkeit, Unruhe und Frustration, das sehr schädlich sein kann, wenn es chronisch wird. Die gelangweilte Person hat keinen Anreiz mehr in ihrem täglichen Leben, was bedeutet, dass sie sich nach und nach immer mehr von ihrer Realität abgekoppelt fühlt.

Eine Depression ist mehr als nur ein Gesicht, das von Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit oder dem Bedürfnis nach Isolation gezeichnet ist. Es gibt Faktoren, die diese psychische Störung ausmachen, die wir oft übersehen.

Wenn Hoffnungslosigkeit auf anhaltende Langeweile trifft

Was passiert, wenn eine Person keine Lust und Motivation für Aktivitäten findet, die ihr früher Spaß machten? Stellen wir uns die arbeitslose Person vor, die aus Frustration darüber, dass sie keine Angebote erhält, auch an anderen Dingen keine Freude mehr hat und das Interesse verliert. Es ist leicht zu erkennen, dass eine solche Situation das Risiko erhöht, an einer depressiven Störung zu erkranken.

Langeweile allein führt nicht zu einer psychischen Störung. Bei einer Depression kommen mehrere Faktoren zusammen, wie Angst, Hoffnungslosigkeit, Negativität, Schuldgefühle, Schlaflosigkeit, Essstörungen usw.

Apathie, Anhedonie und Abulie sind die drei Elemente, bei denen chronische Langeweile auftritt. Mit anderen Worten: Betroffene empfinden keine Freude, verlieren das Interesse sowie die Motivation und sind unfähig, Aufgaben zu erledigen. Es ist ein diffuses und bedrückendes Gefühl, bei dem die Person das Gefühl hat, dass ihr Leben zum Stillstand gekommen ist.

Existenzielle Langeweile: Nachdenken über den Sinn des Lebens

“Was mache ich hier? Welchen Sinn hat mein Leben? Was kann ich tun?” – Menschen, die mit psychischen Problemen beschäftigt sind, stellen sich diese oder ähnliche Fragen und steigern sich damit in ihre Verzweiflung hinein. Der Schriftsteller Alex Lickerman definiert das Problem als die Unfähigkeit, etwas Interessantes im Leben zu finden.

Wenn eine Person keine Hobbys und Interessen hat, zweifelt sie schließlich an ihrem Platz in der Welt. Hinter der roten Linie, die nie überschritten werden sollte, steht die Vorstellung, dass das Leben keinen Sinn hat.

Unsere reizüberflutete Gesellschaft kann dazu führen, dass wir uns überfordert und gelangweilt fühlen. Das ist eine Realität, die viele junge Menschen erleben.

Frau hat Symptome der Depression
Eine Psychotherapie ist zur Behandlung von Depressionen dringend notwendig.

Langeweile, ein Symptom der Depression: Was tun?

Das Symptom der Depression, über das selten gesprochen wird, ist wichtiger, als wir denken. “Sich zu langweilen, heißt den Tod zu küssen”, sagte der Schriftsteller Ramón Gómez de la Serna. Und junge Menschen langweilen sich zum Beispiel zunehmend. Neue Technologien und soziale Netzwerke versetzen sie in einen Zustand der Reizüberflutung, in dem sie sich leicht überfordert und auch apathisch fühlen.

Nach und nach verliert ihre Realität an neuen Reizen, und wenn dann noch eine ungewisse Zukunft hinzukommt, entwickeln Betroffene nicht selten eine Angst- oder Depressionsstörung. Was kann man in diesem Fall tun? Schauen wir uns einige Strategien an:

  • Bitte Gleichaltrige um Unterstützung, sprich mit deinen Freunden, deinem Partner oder deiner Familie darüber, wie du dich fühlst. Erkläre deine Gefühle von Leere und Langeweile. Stelle klar, dass es sich nicht um eine einmalige Sache handelt, sondern dass dieses Gefühl konstant ist und dass du dich immer schlechter fühlst.
  • Bitte um psychologische Unterstützung. Wie bereits erwähnt, verbindet sich chronische Langeweile mit anderen Variablen, die zu Depressionen führen können. Entscheidend ist, dass du eine Diagnose hast und Werkzeuge, um mit dem umzugehen, was mit dir passiert.
  • Beginne neue Aktivitäten und formuliere deine Ziele neu. Du musst nach neuen Anreizen suchen. Wenn dich die Apathie gefangen hält, ist es schwierig, neue Motivatoren zu finden. Doch nichts ist wichtiger, als aktiv zu werden, sich zu bewegen und neue Aufgaben in Angriff zu nehmen. So wird sich dein emotionaler Fokus verändern.

Du wirst nicht weiterkommen, wenn du stillstehst und zulässt, dass dich die Gefühle von Desillusionierung, Enttäuschung und ständiger Langeweile verschlingen. Es gibt Licht am Ende des Tunnels, sprich mit jemandem und lass dir helfen.

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