Das Leben ist nicht kurz, wir fangen nur zu spät an, es zu leben

10. Februar 2017 en Psychologie 655 Geteilt

Wir beschweren uns nur allzu gern darüber, wie kurz das Leben ist, doch in Wahrheit ist das Problem, dass wir zu spät damit anfangen, es wirklich zu leben. Erst wenn wir unsere Masken und die Last von unseren Schultern fallen und längst vergangene Verluste hinter uns lassen, beginnen wir zu leben. Wir öffnen diesem wunderschönen Leben die Tür, das sich wie ein freier, aber hungriger Wolf bewegt auf der Suche nach seinem eigenen Territorium.

Okot p’Bitek war ein ugandischer Dichter und Schriftsteller, der einen Großteil seiner Zeit damit verbrachte, die traditionelle afrikanische Kultur zu preisen. Laut ihm seien wir Menschen niemals vollständig frei. Wir alle würden einen Platz in unserer Gesellschaft einnehmen: Wir seien Kinder, Brüder, Schwestern, Mütter und Medizinmenschen. Doch all diese Verbindungen seien nichts weiter als unser Ausgangspunkt. Denn wir hätten auch die Möglichkeit, einen neuen Horizont zu erschaffen und dabei unseren Wurzeln treu zu bleiben.

„Freiheit bedeutet Verantwortung, aus diesem Grund hat die Mehrheit der Menschen so viel Angst.“

George Bernard Shaw

Wir alle können auf dieser Welt frei sein. Aber das Leben, unsere Familie und unser Sozialleben verändert uns nach und nach, sie beeinflussen uns. Wir müssen uns nicht vollkommen verändern und anpassen, wir selbst sind die Bauherren unseres Lebens, also sollten wir irgendwann entscheiden, was wir von diesem Veränderungsprozess bezüglich unserer Werte und Lektionen annehmen und was nicht.

Okot p’Bitek schenkte uns durch Bücher, wie Son of Lawino  viel Weisheit. Wir werden immer die Kinder und Geschwister sein oder aus einem bestimmten Dorf kommen. Doch auch wenn wir uns unserer Wurzeln bewusst sind, haben wir das Recht darauf, zu erwachen und die Art von Leben zu erschaffen, die wir uns wünschen.

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Und wie sieht es mit dir aus, lebst du dein Leben schon?

Es kann gut sein, dass das Konzept, sein Leben wirklich zu leben, für dich etwas beunruhigend erscheint. Leben wir nicht alle bereits? Erfreuen wir uns nicht daran, geboren worden zu sein und in diesem Moment zu atmen? Es ist doch so, dass es einen eindeutigen Unterschied zwischen „existieren“ und „das Leben in vollen Zügen auskosten“ gibt. Denn ab dem Moment unserer Geburt gibt es eine wunderbare Zeit, die sich Leben nennt, die wir mit jeder Faser unseres Seins genießen sollten.

Aber wie gelingt uns das? Wie können wir dieses sogenannte Erwachen fördern? Der bekannte deutsche Psychoanalyst, Sozial-und Humanpsychologe Erich Fromm pflegte zu sagen, „dass der Mensch einen großen Teil seiner Existenz damit verbringe, sich an die Vorgaben der Gesellschaft anzupassen und zu denken, dass jenes „gut und richtig“ sei.“  Aber niemals sollten wir an bestimmten Beziehungen, Verhaltensweisen und Einstellungen festhalten, die gegen unsere sehnsüchtigsten Wünsche ankämpfen.

Wir schlucken unseren bitteren Frust herunter und verstecken unsere Sehnsüchte tief in unserem Inneren, wo sie verrosten und traurig dahinsieden, weil wir es für besser halten, uns nicht mit ihnen auseinanderzusetzen, weil der Alltag es uns nicht leicht macht. Denn wir müssen unseren Verpflichtungen nachkommen, dürfen nicht anecken und sollen Teil dieser allgemeinen Meinung sein, wo es keinen Platz für Freiheit gibt. Aus dieser traurigen Realität aufzuwachen, verlangt Mut von uns, weil nur diejenigen damit beginnen können, ihr Leben so zu leben, wie sie es wollen, die dazu bereit sind, ihre persönliche Revolution zu starten.

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Wie du in 5 Schritten erwachen kannst

Das hört sich vielleicht ironisch an, doch es gibt viele Menschen, die ihren Lebensweg ohne Herz und Verstand beschreiten und auf Autopilot gestellt sind, um sich mitziehen zu lassen. Das ist eine wesentlich einfachere Existenz, aber zweifellos auch eine weniger glückliche, weniger authentische und zufriedenstellende.

Die Grundlage, um dieses Erwachen oder diese Transformation zu begünstigen, beruht auf 5 einfachen Schritten, über die wir einen Moment nachdenken sollten. Es handelt sich um die folgenden:

„Lasst nicht zu, dass der Lärm eure innere Stimme übertönt. Sie weiß bereits, was ihr wirklich sein wollt.“

Steve Jobs

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Die 5 Schritte, um damit zu beginnen, das Leben zu leben, das du willst

Kommen wir noch einmal zu Okot p’Bitek zurück, über den wir zu Beginn des Artikels sprachen. Heutzutage gibt es unterschiedliche Aspekte, die uns zweifellos definieren, ob wir das wollen oder nicht. Du bist das Kind, der Bruder/die Schwester, der Partner oder der Freund/die Freundin von jemandem. Gleichzeitig hast du wegen deiner beruflichen Laufbahn auch einen bestimmten Platz in dieser Gesellschaft.

  • Diese Dinge verbinden dich mit verschiedenen Personen, müssen dich aber nicht insoweit definieren, dass das deine Entscheidungsfähigkeit beeinträchtigt. Du entscheidest darüber, welche Art von Verbindung du aufrechterhalten möchtest: Stärke eine Verbindung, wenn sie dich glücklich macht und distanziere dich von jemanden, wenn er dir Leid verursacht.
  • Mache anderen und dir selbst nicht länger etwas vor. Dieser Aspekt ist fundamental. Wir müssen nicht dazu in der Lage sein, vorzugeben, dass es uns gut geht, wenn wir im Inneren kaputtgehen. Höre auf zu sagen, dass es dir super geht, wenn dem nicht so ist. Du musst nicht nickend zustimmen, wenn dir etwas missfällt. Sei authentisch: Deine Taten und deine Aussagen sollten mit deinen Gedanken übereinstimmen. Behaupte dich selbst.
  • Lerne, loszulassen. Du solltest verstehen, dass du viele Sachen und viele Menschen hinter dir lassen musst, um damit zu beginnen, dein Leben wahrhaft zu leben.
  • Lebe im Hier und Jetzt, sei dir allem bewusst und erinnere dich selbst stets daran, dass der beste Moment für alles genau jetzt ist.
  • Folge deiner Intuition. Lerne, dir selbst zuzuhören, dieser inneren Stimme Beachtung zu schenken, die dir besser als jeder andere sagt, dass Dinge den Aufwand wert sind oder nicht.

Zusammengefasst können wir sagen, dass es nicht darum geht, mehr oder weniger zu leben, es geht einzig und allein darum, jeden Moment zu genießen und das eigene Leben wertzuschätzen wie es ist: Es ist ein Geschenk, an dem wir uns unbedingt erfreuen sollten.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Sophie Wilkins

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