5 Filme für das Verständnis von Essstörungen

· 4. Oktober 2018

Der Begriff Essstörung umfasst viele verschiedene Störungen im Zusammenhang mit der Art, wie sich jemand ernährt. Sie treten in der Regel aus psychologischen Gründen auf, die je nach Art der Essstörung variieren. Wir können wahrscheinlich alle einige dieser Gründe erahnen: mangelnde Selbstachtung, ein verzerrtes Körperbild und Angst seien als Beispiele genannt.

Anorexie und Bulimie sind wahrscheinlich die bekanntesten Essstörungen, aber sie sind nicht die einzigen. Essstörungen beginnen meist in der Pubertät und sind nicht leicht aufzulösen. Bei Frauen werden sie häufiger diagnostiziert, obwohl auch immer mehr Männer eine Behandlung von Essstörungen erhalten.

Es gibt viele gesundheitliche Probleme, zu denen diese Art von Störung führen kann. Diese schließen körperliche Erkrankungen ein. Einige der psychologischen und physischen Folgen sind:

  • Depression
  • Angst
  • Persönlichkeitsstörung
  • Dehydrierung
  • Erschöpfung
  • Trockene Haut
  • Herz-Kreislauf-Probleme
  • Haarausfall auf dem Kopf, aber Zunahme der Körperbehaarung

Was verursacht Essstörungen?

Es gibt viele verschiedene Ursachen von Essstörungen und die Auslöser sind tatsächlich von Patient zu Patient verschieden. Im Allgemeinen sprechen wir über Menschen mit geringem Selbstwertgefühl oder über selbstsüchtige Perfektionisten mit Problemen in ihrer familiären Umgebung oder in Freundschaften. Es gibt also nicht nur einen ausschlaggebenden Faktor, sondern meist eine ganze Gruppe.

Ein Schwarz-Weiß-Bild einer nach vorne gebeugten Frau mit einer Essstörung.

Diese Störungen haben schon immer existiert und wurden schon vor langer Zeit beschrieben. All das kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass in den letzten Jahrzehnten immer mehr Menschen unter Essstörungen leiden. Es ist schwer, einen klaren Grund dafür zu nennen. Aber die Modewelt und starre Körperideale könnten mitverantwortlich sein.

Der Einfluss von Filmen auf Essstörungen

Das Schönheitsideal von Frauen hat vor langer Zeit aufgehört, gesund zu sein. Die Medien haben dieses Image so stark vorangetrieben, dass viele von uns davon ausgehen, dass es normal wäre, extrem dünn zu sein. Das Problem dabei ist, dass uns die Medien nicht die Realität der meisten Menschen zeigen. Wir sind nicht alle gleich und die Normalisierung extremen Untergewichts kann zu ernsthaften Problemen führen.

In diesem Sinne ist es wichtig, dass Medien einschließlich Werbung und Film mehr Bewusstsein schaffen. Sie müssen aufhören, wie ein gebogener Spiegel zu wirken, der uns ein verzerrtes Bild der Realität zeigt.

Nimm dir eine Sekunde Zeit, um dir die Körper einiger der größten Hollywood-Stars vor Augen zu rufen. Sehen sie wirklich wie Durchschnittsmenschen aus? Lebt irgendjemand von ihnen wirklich in der gleichen Realität wie wir?

Prominente und die Medien

Es ist schwer, Filme zu finden, die eine unvoreingenommene Darstellung der Realität liefern. Denken wir daran, wie wenige Schauspieler außerhalb der dominierenden Schönheitsideale liegen. Wir idealisieren Charaktere, Schauspieler und Models, und am Ende wollen wir genauso aussehen wie sie. Deshalb verkaufen sich „realistische“ Filme eher weniger.

Und das ist besonders für junge Mädchen sehr gefährlich. Es ist also keine Überraschung, dass viele Prominente zugegeben haben, an Magersucht oder Bulimie gelitten zu haben. EAllegra Versace, Mary-Kate Olsen, Victoria Beckham, Lady Gaga und Elton John stehen auf der entsprechenden Liste, die wir beliebig fortführen könnten.

Häufig gibt es außerdem Schlagzeilen, die Prominente für ihre Gewichtszunahme kritisieren. Denken wir an das, was vor ein paar Jahren mit Christina Aguilera geschehen ist, als sie beschloss, sich normal zu ernähren. Sie legte ein paar Pfunde zu und die Medien fielen wie Wölfe über sie her. Und sie ist kein Einzelfall. Sobald eine berühmte Person zunimmt, hört die Kritik und das Kommentieren nicht mehr auf. Leider scheint ihr Aussehen also wichtiger zu sein als ihr eigentliches Talent.

„Perfektion ist eine polierte Sammlung von Fehlern.“

Mario Benedetti

Essstörungen in Filmen

Wenn wir die Realität in Filmen widerspiegeln wollen, sollten wir versuchen, Schauspieler und Schauspielerinnen zu finden, die sie repräsentieren. Wir brauchen Menschen mit Körpern, die dem des durchschnittlichen Menschen entsprechen, keine Ideale. Was brauchen wir also, wenn wir einen Film über Essstörungen drehen wollen?

Es gibt einige Probleme, wenn es darum geht, diese Essstörung in Filmen zu zeigen, und deshalb gibt es auch nur wenige Beispiele dafür. Die meisten dieser Filme sind nicht einmal sonderlich gut. Die Protagonisten leiden zwar an Essstörungen, aber die Filme erforschen deren Charakter nie tief genug. Hinzu kommt, dass die Schauspieler viel Gewicht verlieren müssen, um die Rolle spielen zu können. Das ist nicht gut für ihre Gesundheit und in diesem Kontext wird da erstaunlicherweise drauf geachtet.

Es gibt also einfach kaum Filme, die ehrlich versuchen, uns zu zeigen, wie die essgestörte Wirklichkeit aussieht. Dennoch, wir haben versucht, eine Liste derer zusammenzustellen, die diese Thematik gut darstellen. Hoffentlich helfen sie dabei, mehr Bewusstsein für dieses Thema zu schaffen.

1. Primo Amore

Dies ist ein italienischer Film aus dem Jahr 2004. Er zeigt eine andere Perspektive auf Magersucht: die männliche Obsession für extrem dünne Frauen. Vittorio ist ein Mann, der von Perfektion besessen ist. Also will er eine Frau finden, die zu diesem Verlangen passt, eine extrem dünne Frau. Es dauert nicht lange, bis er auf Sonia trifft. Obwohl sie nicht so dünn ist, wie er es möchte, verlieben sie sich und beginnen eine Beziehung. Sonia versucht, aus Liebe zu Vittorio an Gewicht zu verlieren, aber was folgt, ist ein wahrer Albtraum.

Der Film versetzt uns in die Hölle der Magersucht, allerdings aus einem anderen Blickwinkel. Es geht nicht nur um die Magersucht, sondern auch darum, wie wir bestimmte Körpertypen idealisieren.

Filmplakat von "Primo Amore"

2. Durchgeknallt

Dies ist ein Film aus dem Jahr 1999, in dem Winona Ryder spielt. Essstörungen stehen jedoch nicht im Mittelpunkt des Films. Es geht vielmehr um mehrere verschiedene Störungen, die im Zusammenhang mit dem Teenagerdasein auftreten, mit dieser extrem unsicheren Zeit in unserem Leben, während der meist die ersten Symptome einer Essstörung auftreten.

Dennoch gibt es einige Charaktere, die an Anorexie und Bulimie leiden. Der Auffälligste unter ihnen ist der von Daisy, einer jungen Frau, die Bulimie hat und Opfer sexuellen Missbrauchs ist.

FIlmszene aus "Durchgeknallt"

3. Bad Habits – Schlechte Gewohnheiten

Dies ist ein mexikanischer Film aus dem Jahr 2005, der noch nicht auf Deutsch verfügbar ist. Er konzentriert sich auf eine kleine Familie und zeigt verschiedene Essstörungen. Im Laufe des Films begegnen wir ziemlich harter Kritik an aktuellen Schönheitsidealen. Zum Beispiel sehen wir die Mutter eines Teenagers, die peinlich berührt ist von der Pummeligkeit ihrer Tochter.

4. Thin

Thin  ist eigentlich kein Film, zumindest kein fiktiver. Thin  ist ein englischsprachiger Dokumentarfilm, der aber dennoch einen Platz auf dieser Liste verdient. Er dringt tief in das Thema Magersucht und die Besessenheit unserer Gesellschaft vom perfekten Image ein. Was er möchte, ist, uns zur Reflexion über die Art und Weise, wie wir zu diesen Schönheitsidealen beitragen, anzuregen.

5. To The Bone

Dies ist ein Netflix-Film, der 2017 auf dem Sundance Film Festival vorgestellt wurde. Er entfachte eine große Kontroverse, weil einige Zuschauer der Meinung waren, dass er Thema verharmlosen würde. Andere wiederum sagten, dass er seine Ziele erreiche.

Durch Ellen, eine junge Frau mit Anorexie, lernen wir ein wenig mehr über den schwierigen Kampf, dem sich Essgestörte stellen müssen, um einen Weg aus ihrer Krankheit zu finden. Der Film zeigt auch, dass dieser Weg nicht immer so direkt zum Ziel führt, wie wir es gern hätten.

Als Nebenbemerkung gestand die Schauspielerin, die Ellen spielt, später, an Magersucht gelitten zu haben. Sie sagte, sie sei bereits geheilt, aber als sie für den Film abnehmen musste, lobten ihre Mitmenschen ihre extreme Dürre erneut. Das ist sicher bemerkenswert. Wieder einmal erkennen wir hier die gefährliche Normalisierung der extremen Schönheitsideale, über die wir gesprochen haben.

„Eines Tages verließ ich meine Wohnung und jemand, den ich schon lange kannte, im Alter meiner Mutter, sagte zu mir: Oh, wow, sieh dich an!‘ Ich versuchte, zu erklären, dass ich nur für eine Rolle abgenommen hatte, und sie sagte: Nein! Ich will wissen, wie du das machst, du siehst toll aus!‘ Ich stieg mit meiner Mutter ins Auto und sagte: Deshalb drehen wir den Film.'“

Lily Collins