10 unvergessliche Sätze aus „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“

· 23. Juli 2018

Milan Kundera ist einer dieser Schriftsteller, die man nie wieder vergisst, nachdem man ein Buch von ihnen gelesen hat. All seine Werke sind sehr tiefgründig und genial. Das beweisen auch jene Sätze aus dem Buch Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins,  einem seiner emblematischsten Werke, die hunderte Male zitiert wurden und uns jedes Mal wieder aufs Neue beeindrucken.

Was diese Sätze aus dem Buch Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins  ausmacht, ist die Klarheit und Präzision, mit der sie formuliert wurden. Dieses Buch ist ein Liebesroman, aber gleichzeitig ist es viel mehr als das. Eigentlich geht es um das, wovon alle großen Werke sprechen: um den Sinn des Lebens.

„Wer immer weiter nach oben will, muss damit rechnen, dass ihm eines Tages schwindelig wird.“

Milan Kundera

Es ist nicht leicht, die besten Sätze aus Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins  auszuwählen. Doch wir haben versucht, die bedeutendsten herauszupicken. Sätze, die die Essenz dieses außergewöhnlichen Romans einfangen, den man einfach nicht aufhören kann, zu lesen. Nachfolgend möchten wir dir unsere Auswahl, 10 unvergessliche Sätze aus diesem Buch, vorstellen.

Milan Kundera mit Hut

Zwei wunderschöne Sätze aus Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins

So viele Sätze aus dem Buch Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins  haben mit Liebe und den Hochs und Tiefs der Liebe zu tun, denn in diesem Roman kommen viele Formen einer romantischen Liebesbeziehung vor. An mehreren Stellen versucht Kundera gar, die Liebe zu definieren. Und ihr Gegenteil.

Da ist zum Beispiel dieser Satz:Liebe äußert sich nicht in dem Wunsch, mit jemandem zu schlafen (dieser Wunsch tritt in Bezug auf unzählige Frauen auf), sondern in dem Wunsch, neben jemandem zu schlafen (dieser Wunsch tritt in Bezug auf eine einzige Frau auf).

Gleichzeitig versucht Kundera in diesem Buch zu definieren, was keine Liebe ist. Seine genauen Überlegungen diesbezüglich bringen ihn dazu, den großen Gegensatz niederzuschreiben, den es zwischen lieben und dem Wunsch, geliebt zu werden, gibt. Genau das fasst er in folgendem Satz zusammen: „Es kann gut sein, dass wir nicht dazu in der Lage sind, richtig zu lieben, weil wir uns wünschen, geliebt zu werden, denn wir wollen, dass uns der andere etwas gibt (Liebe), anstatt uns ihm ohne Forderungen zu nähern und einzig und allein seine Anwesenheit zu wollen.“

Die Liebe und das Ende der Liebe

Die in Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins  vorkommenden Sätze drehen sich nicht um eine romantische Liebe als solche. Kundera versucht, dieses Gefühl mit dem Sinn des Lebens für den zeitgenössischen Menschen zu verbinden. Daher ist das Ende der Liebe in seinen Überlegungen ebenfalls allgegenwärtig. Im folgenden Satz ist das gut zu erkennen: „Die Liebe ist wie ein Imperium: Wenn die Idee, auf der es gebaut wurde, verschwindet, geht damit auch das Imperium zugrunde.“

Eine Hand nähert sich einem Mann

In einer anderen seiner Überlegungen beschreibt er die Liebe und das Ende der Liebe auf eine sehr interessante und tiefgründige Weise. Er ist der Meinung, dass die Liebe aus dem Grund lebe, weil auch die Möglichkeit bestehe, dass sie vergehe.

Er formuliert das folgendermaßen: „Diese Traurigkeit bedeutete: Wir haben die letzte Station erreicht. Dieses Glück bedeutete: Wir sind zusammen. Die Traurigkeit war die Gestalt, und das Glück der Inhalt. Das Glück füllte den Raum der Traurigkeit aus.“

Auf Stärke und Vernunft verzichten

Für Kundera bedeutet Liebe auch Verzicht. Nicht unbedingt den Verzicht, für den Treue steht, oder den Verzicht auf das eigene Wohl, damit es anderen gut gehe. Er drückt es so aus: „Weil lieben bedeutet, auf Stärke zu verzichten.“ Mit anderen Worten, die Liebe kommt von selbst und lebt von der Zerbrechlichkeit. Von dem Wunsch, verwundbar zu sein und die Verletzlichkeit des anderen zu akzeptieren.

Mit einem Hauch von Ironie spricht Kundera auch von einem anderen Verzicht in der Liebe, dem Verzicht auf Vernunft. „Wenn das Herz spricht, ist es unhöflich, wenn die Vernunft ihm widerspricht.“  Damit möchte er darauf hinweisen, dass unsere Gefühle bedeutender und relevanter sind als unsere Gedanken.

Schwere und Leichtigkeit

Die ganze Handlung im Buch Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins  dreht sich um die Begriffe „Schwere“ und „Leichtigkeit“Im Buch hinterfragt der Autor immer wieder, welche dieser beiden Achsen das Leben wohl bestimmen sollte? Diesbezüglich schreibt er: „Die schwerste Last ist also zugleich das Sinnbild der intensivsten Fülle des Lebens. Je schwerer die Last, je näher unser Leben der Erde ist, desto realer und wirklicher wird es sein.“

Paar berührt sich unter Wasser

Das ist eine Aussage, die in gewisser Weise die gegenwärtige Vorstellung infrage stellt, dass Frivolität und Oberflächlichkeit leichter zu ertragen seien. Ganz im Gegenteil, Kundera spricht davon, dass das Tragen einer Last das Leben realer und lebenswerter mache.

Doch das zuvor Genannte schließt nicht aus, dass die Schwere des Lebens auch Leid bedeutet. So drückt Kundera es in diesem Absatz aus: „Es gibt nichts, das schwerer wiegt als Mitgefühl. Nicht einmal der Schmerz selbst wiegt so schwer wie der Schmerz, den man mit jemandem, wegen jemandem oder für jemanden fühlt, der durch die Vorstellungskraft und durch tausende Echos verstärkt und multipliziert wird.“

Laut Kundera wiege der Schmerz anderer schwerer als der eigene. Dafür sei die Liebe verantwortlich. Mitgefühl sei eine schwere Last, weil es ein unlösbarer Schmerz sei. Wir könnten vielleicht mit unserem eigenen Leid fertig werden, aber das anderer sei ihr Leid, auch wenn es sich wie unser eigenes anfühle.

Man lebt nur einmal

Viele der Reflexionen von Kundera zielen darauf ab, Wahrheiten zu offenbaren, die offensichtlich sind, die wir aber oft übersehen. So ist es auch bei diesem Satz der Fall: „Der Mensch kann nie wissen, was er wollen soll, weil er nur ein Leben lebt und keine Möglichkeit hat, es mit seinen früheren Leben zu vergleichen oder es in seinem späteren Leben zu ändern.“

Das ist eine logische Argumentation, bei der die Idee zerstört wird, dass jeder Mensch ein „Warum“ für sein Leben definieren müsse. Er beschreibt, dass es unmöglich sei, diese Anforderung zu erfüllen, da wir immer im Dunkeln tappen und nur das Leben selbst kennen und es leben würden. Die gleiche Vorstellung wird in dieser kurzen Phrase wiederholt: „Das Leben ist eine Skizze für Nichts, ein Entwurf ohne ein Bild.“

Frau betrachtet sich im Spiegel

„Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins  ist zweifellos eines dieser Werke, die für die Ewigkeit gemacht sind. Dieses Buch zeigt uns einen sehr sensiblen Schriftsteller, der dazu in der Lage war, intelligent und tiefgründig eines dieser endlosen Themen zu behandeln: die Liebe.