Wie die kognitive Reserve unser Gehirn schützt

13, Oktober 2016 en Psychologie 73 Geteilt

Die kognitive Reserve ist die Fähigkeit unseres Gehirns, gegen verschiedene Beeinträchtigungen anzukämpfen, unter denen es eventuell zu leiden hat. Regelmäßig Aktivitäten nachzugehen, die unsere kognitiven Fähigkeiten beanspruchen (z.B. alle Aktivitäten, die mit lesen und rechnen zu tun haben), kann unser Gehirn vorm Altern und vor Demenz schützen, steigert die Plastizität unseres Gehirns und lässt neue Verbindungen zwischen Neuronen entstehen, wenn andere Synapsen zerstört werden.

In den vielen Jahren, in denen die kognitive Reserve erforscht wurde, hat man beobachtet, dass die gleiche Schädigung im Gehirn nicht immer die gleichen Auswirkungen hat. Daher fragen wir uns: Welche Faktoren beeinflussen die Entstehung von Demenz und anderen neurologischer Erkrankungen?

Viele Therapien, die bei Alzheimer-Patienten angewandt werden, basieren auf der Tatsache, dass das Gehirn plastisch ist und sich seine Funktionen durch die intellektuelle Aktivität, sogar in hohem Alter oder wenn diese bereits nachgelassen hat, steigern können.

Die Nonnenstudie

Eine der Referenzen in der Forschung der kognitiven Reserve ist das vom Neurologen David Snowdon von der University of Kentucky (Kentucky, USA) 1986 durchgeführte Experiment, dem er selbst den Namen „Nonnenstudie“ gab. Bei diesem Experiment wurde eine Gruppe von Nonnen eines Klosters studiert und die Entwicklung ihrer kognitiven Funktionen, wie beispielsweise des Gedächtnisses, beobachtet.

Es wurden 17 Jahre lang Daten über die Entwicklung dieser Funktionen gesammelt. Nachdem sie verstorben waren, fand man bei der Autopsie heraus, dass das Gehirn einer dieser Nonnen, bei welchem es zuvor keinerlei Anzeichen für Demenz gab, pathologische Merkmale für eine fortgeschrittene Alzheimererkrankung aufwies. Doch wie war das möglich?

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Aufgrund der Ergebnisse dieser Studie gab es weitere Forschungen, die die Theorie stützten, dass intellektuell anstrengende Aktivitäten die durch Alzheimer entstehenden Schädigungen im Gehirn lindern und gleichzeitig die Plastizität des Gehirns verbessern können. Lernprozesse sind ein Werkzeug, das dazu dienen kann, unser Gehirn zu stärken und es resistenter gegenüber Demenz zu machen.

Welche Faktoren beeinflussen die kognitive Reserve?

Generell sind es verschiedene Faktoren, die in Verbindung mit einer guten kognitiven Reserve stehen sollen. Die wichtigsten Faktoren sind:

  • Die Bildung und das Interesse für die Kultur
  • Eine Arbeit auszuüben, die das intellektuelle Wissen fordert
  • Über ein großes Netz an sozialen Beziehungen zu verfügen
  • Eine tägliche angemessene körperliche Betätigung
  • Regelmäßiges Lesen
  • Komplexen intellektuellen Aktivitäten nachzugehen, wie z.B. ein Instrument zu spielen

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Das sind die bedeutendsten Faktoren, die in wissenschaftlichen Lehrwerken zu finden sind, obwohl daneben auch andere Faktoren, wie z.B. eine gesunde Ernährung, erwähnt werden. Neues zu erlernen, unsere Kreativität zu steigern, zu versuchen, die gleiche Tätigkeit auf eine andere Art und Weise auszuüben, im Kopf zu rechnen, etc. sind Aufgaben, die wir in unseren Alltag einbauen können und die unsere kognitive Reserve verbessern.

Für den Menschen ist es nie zu spät, etwas zu lernen. Und auch wenn unsere Kindheit der Lebensabschnitt ist, in dem unser Gehirn dazu in der Lage ist, so viele Informationen zu verarbeiten wie in keiner anderen Phase unseres Lebens, können wir dennoch unsere Fähigkeiten weiterhin steigern. Das bedeutet, dass das Volumen unserer kognitiven Reserve nicht konstant ist und ein großer Teil im frühen Alter von der Vielzahl an Lernprozessen begünstigt wird, um im Laufe der Zeit zu reifen.

Die Auswirkungen der kognitiven Reserve

All diese Faktoren können laut Meinung von Experten zu diesem Thema die Effizienz der zentralen neuronalen Netzwerke und die Unterstützung durch alternative neuronale Netze begünstigen. Auf diese Weise schützen wir uns vor starken Beeinträchtigungen unserer Gehirnfunktionen, die am häufigsten durch Verletzungen bei Unfällen entstehen.

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Die kognitive Reserve schützt uns vor Krankheiten wie Morbus Alzheimer, verlangsamt die Manifestation oder das Fortschreiten dieser Krankheit, sondern das Lernen an sich begünstigt ebenso die Heilung eines durch einen Unfall entstandenen Schädel-Hirn-Traumas.

Trotz des bestehenden Risikos, im Alter an Demenz zu erkranken, hat die Wissenschaft eine Tür für eine mögliche präventive Lösung geöffnet, die uns gegenüber Krankheiten, die häufiger im Alter auftreten, weniger angreifbar macht.

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