Wenn ich auf eine WhatsApp-Nachricht nicht reagiere, dann, weil ich gerade nicht kann oder will

· 10. November 2016

Instant-Messenger wie WhatsApp vermitteln uns die emotionale Verpflichtung, sofort zu antworten, was das Ende der Prinzipien einer guten Kommunikation bedeutet. Jeder von uns kennt es: Unzählige Konflikte mit Menschen, die von uns erwarten, sofort auf ihre Nachrichten zu reagieren.

Wir sind nicht dazu verpflichtet, zu antworten, aber unsere Moral drängt uns dazu. Das endet damit, dass wir uns „verbrennen“ und die Kommunikation mit anderen einer wahrhaftigen Odyssee gleicht.

Daher sollten wir uns über diese „technologischen Rechte“ Gedanken machen und unseren eigenen Wünschen mehr Beachtung schenken. Wir werden letztendlich nur erschöpft sein, wenn wir uns dazu drängen, den Erwartungen der anderen gerecht zu werden. Das vergiftet uns regelrecht und trübt unsere Identität.

Wer hat nicht schon einmal das Gefühl gehabt, dass er wegen seiner Art, wie er auf Nachrichten antwortet, hinterfragt wird? Wer hat sich nicht schon einmal unter Druck gesetzt oder sich wie das Opfer seiner schnell antwortenden Freunde gefühlt? Wer hat nicht schon einmal gedacht, dass die sozialen Netzwerke ein Einschnitt in die eigene Intimität sind?

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Es ist deine Entscheidung, ob du antworten willst oder nicht

Wir haben das Recht, nicht zu antworten, wenn wir nicht möchten, oder erst dann zu schreiben, wenn es uns passt. Außerdem bewahren wir uns das Recht, in den sozialen Netzwerken das zu posten, was wir wollen. Im Internet finden wir unzählige Beispiele für Menschen, die sich dazu entschlossen haben, sich eine Auszeit von WhatsApp und anderen Apps zu nehmen, um sich zu entspannen und ein bisschen Ruhe zu gönnen.

Wegen dieser Entscheidung werden sie von vielen kritisiert und schräg angesehen. Nicht zu antworten bedeutet nicht, unsozial oder ein gleichgültiger Mensch zu sein, wie uns viele glauben lassen wollen. Wir machen dadurch einfach nur Gebrauch von unseren Rechten.

Wir sollten uns der Tyrannei der neuen Technologien nicht verschreiben, denn mit ihnen stirbt unser Wille Stück für Stück.

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Die psychologische Verletzlichkeit durch WhatsApp

Was wir in diesem Artikel besprechen, trifft nicht auf alle Menschen gleichermaßen zu. Die psychologische Verletzlichkeit hängt größtenteils von der Persönlichkeit und dem emotionalen Zustand der jeweiligen Person im Moment ab.

In Bezug auf dieses Thema wurden einige Studien durchgeführt, deren Ziel es war, die Sucht und den unangemessenen Umgang mit neuen Technologien zu erklären. Diese definieren die Persönlichkeiten wie folgt:

  • Geringes Selbstwertgefühl: Menschen, die eher dazu neigen, die Bestätigung seitens anderer zu suchen, und die das große Bedürfnis verspüren, sozial anerkannt zu werden, gehen aufgrund dieser Bedürfnisse normalerweise nicht angemessen mit dem Mobiltelefon um.
  • Extrovertiertheit: Extrovertierte Menschen schaffen oft Situationen, die einen unangemessenen Gebrauch des Smartphones zur Folge haben.
  • Impulsivität: Die geringe Fähigkeit, vorab über die Konsequenzen eines Handelns nachzudenken, führt häufig dazu, unangemessene Verhaltensweisen hinsichtlich des Umgangs mit Mitmenschen an den Tag zu legen.

Das lässt darauf schließen, dass Menschen, die sehr von Technologien abhängig sind und sich deshalb durch soziale Netzwerke unter Druck setzen lassen, eine der zuvor genannten Charaktereigenschaft aufweisen. An diesem Punkt dürfen wir nicht vergessen, dass sozialer Druck etwas Erlerntes ist und dass die Notwendigkeit nach ständigem Kontakt zu anderen eine ausschließlich subjektive Wahrnehmung von Nähe begünstigt.

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Deswegen ist es notwendig, dass wir das im Hinterkopf behalten und daran denken, dass das nicht heißt, dass wir nicht geschätzt werden oder jemand die Beziehung zu uns nicht aufrechterhalten will, wenn er uns nicht antwortet. Wer auf eine WhatsApp-Nachricht nicht reagiert, kann gerade schlafen, fernsehen, ein Buch lesen, essen, durchschnaufen oder einfach nur leben.

Vielleicht möchte derjenige in diesem Moment nicht antworten oder er ist der Meinung, dass es gerade nicht nötig sei. Wir sollten aus diesem Grund keine Angst haben oder vage Vermutungen anstellen. Das bedeutet nicht, dass wir mehr oder weniger wichtig sind. Die gesündeste Auffassung ist doch, dass unsere Mitmenschen freie Wesen mit eigenen Rechten sind. Wir alle können entscheiden, ob wir Sklaven der Technologie sein wollen oder nicht.

Wir sind nicht dazu verpflichtet, ausfindig gemacht zu werden oder zu jedem erdenklichen Zeitpunkt ein Gespräch am Laufen zu halten. Daher ist es gut, dass wir die Kontrolle über unser Leben bewahren und nicht zulassen, dass die sozialen Netzwerke unser Leben beherrschen. Wenn wir genauer darüber nachdenken und Grenzen setzen, um uns zu behaupten, überkommt uns ein wundervolles Gefühl emotionaler Freiheit.