Welche Vorteile Lesen für das Gehirn hat

· 6. Mai 2018

Manche Gewohnheiten haben die Macht, positive Veränderungen in deinem Gehirn zu bewirken. Eine von ihnen ist das Lesen – die Vorteile des Lesens für das Gehirn sind wirklich faszinierend. Was wissen wir über das Lesen und das Gehirn? Obwohl nicht jedes Buch dieselbe Kraft hat, zeigen verschiedene Studien, dass das Lesen von Geschichten über reale oder fiktive Charaktere eine der hirnwirksamsten Aktivitäten ist, denen man nachgehen kann.

In der heutigen Welt fragen sich viele Leute, wofür Literatur überhaupt gut sei. Sie sagen, sie können beim Schauen eines Films in den Genuss der gleichen Vorteile kommen. Nur einfacher und schneller. Ein Buch und alle darin enthaltenen Wörter müssen mit Spezialeffekten konkurrieren. Nicht jeder erreicht den Punkt, an dem er liest, wo er selbst zum Protagonisten der Geschichte wird. Daher bevorzugen es viele Menschen, die Geschichte auf einem Bildschirm zu verfolgen.

„Die Kunst des Lesens ist zu einem großen Teil die Kunst, das Leben in Büchern neu zu entdecken und das Leben durch sie besser zu verstehen.“

André Maurois

Es ist jedoch klar, dass Lesen eine ganz andere Erfahrung ist, als ins Kino zu gehen. Zuallererst verlangt das Lesen ein höheres Maß an Konzentration, Abstraktion und Vorstellungskraft. Zweitens sind die Veränderungen im Gehirn intensiver und dauerhafter.

Veränderungen in der Wahrnehmung

Deine Wahrnehmung der Welt verändert sich, wenn du liest. Laut Keith Oatley, Professor für Kognitionspsychologie an der University of Toronto (Kanada), sei das Lesen einer gut beschriebenen Szene eindrücklicher als ein Film. Auch ohne Spezialeffekte.

Ein Mann liest auf einer Wolke über Kaffee

Dein Geist hat das Bild klar und deutlich vor sich. Es ist so, als hätte er ein Foto gemacht, dass sich wie ein Polaroidabzug nach und nach, Zeile für Zeile, entwickelt. Daher laufen mehrere Prozesse gleichzeitig ab. Sie betreffen Erinnerung, Wahrnehmung und Kreativität.

Nachdem wir mehrere Szenen mit detaillierten Beschreibungen gelesen haben, können wir ein Album aus Szenen erstellen. Das Album ist einzigartig und nicht von Leser zu Leser übertragbar. Dein Verstand koordiniert all diese Elemente und assoziiert zwischen dem, was du liest, und dem, was du weißt. Dies erzeugt Veränderungen in deinem Gehirn in Bezug auf Wahrnehmung und Intelligenz.

Lesen ist Erleben

Forscher Raymond Mar, Doktor der Psychologie von der York University (Kanada), geht sogar noch weiter. Nach seinen Studien zu diesem Thema deutet alles darauf hin, dass das Gehirn nicht gut zwischen den Dingen, die es erfahren hat, und den Dingen, über die es gelesen hat, unterscheidet. Etwas Ähnliches passiere, wenn wir einen Film anschauen, aber das Lesen ist eine intimere, tiefere Erfahrung. Es regt umfassendere Veränderungen im Gehirn an.

Frau mit Buch schaut aus dem Zug

Unsere Gehirne verhalten sich ähnlich, wenn wir uns eine Geschichte vorstellen und wenn wir sie wirklich erfahren. Dr. Mar sagt, wenn man über eine Handlung lese, die eine Figur ausübe, würden in unserem Gehirn die Bereiche aktiviert, die erforderlich seien, um diese Aktionen auszuführen. Mit anderen Worten, wir erfahren das Lesen einer Geschichte, als wären wir der Protagonist.

Diese im Gehirn erzeugten Veränderungen wurden mit modernen bildgebenden Techniken auch dargestellt: Wenn ein Charakter geht, werden die Bereiche aktiv, die die zum Gehen nötige Motorik vermitteln. Wir erfahren buchstäblich, was wir lesen, und das liegt an einer bestimmten Art von Neuronen, an den Spiegelneuronen. Ja, die gleichen Neuronen, die uns zum Beispiel ein Gähnen imitieren lassen, wenn wir jemanden gähnen sehen. Diejenigen, die ein Baby lächeln lassen, wenn jemand es anlächelt.

Lesen und das Gehirn und Empathie

Die Forscher haben sich intensiv mit den Veränderungen befasst, die das Lesen im Hinblick auf Empathie im Gehirn bewirkt. Zuallererst haben sie festgestellt, dass die Bereiche des Gehirns, die zum Lesen und Verstehen der Handlungen bestimmter Charaktere verwendet werden, die gleichen sind, die zum Verständnis anderer Menschen erforderlich sind. Dabei geht es um Kommunikation.

So erleben wir auf der einen Seite, was der Charakter tut, als ob wir es wären. Auf der anderen Seite verbessern wir auch unsere Fähigkeit, andere zu verstehen, Situationen und Emotionen zu verbinden. Fazit: Lesen ist ein Weg, Empathie zu üben und zu nähren. Auf die eine oder andere Weise ändern wir unseren Standpunkt, wenn wir eine Geschichte lesen.

Papierschiff aus einer Seite eines Buches

Dr. Mar nennt ein prägnantes Beispiel dafür. Er zitiert einen Charakters mit einer Behinderung. Wenn die Erlebnisse des Charakters ausführlich genug erzählt werden, wird der Leser verstehen, wie der Behinderte sich fühlt. Dies gilt auch dann, wenn er selbst keine Behinderung hat. Mit anderen Worten, wir lernen, wie man in den Schuhe anderer geht.

Dies sind nur einige der Vorteile des Lesens. Viele Veränderungen werden im Gehirn erzeugt, wenn wir uns mit einem Buch hinsetzen und in seine Geschichte eintauchen. Eine gute Lektüre verwandelt uns. Sie hilft uns, zu wachsen, verbindet uns mit dem Rest der Menschheit und macht uns ganz nebenbei noch schlauer. Lesen und Wissen schließlich sind die besten Medikamente gegen Vorurteile und Phobien gegen Andersdenkende.