Welche Vor- und Nachteile hat die Therapie per Smartphone

Die Therapie per Smartphone ist praktisch, da wir überall und jederzeit auf Apps zugreifen können. Doch sind diese auch wirksam?
Welche Vor- und Nachteile hat die Therapie per Smartphone
Gorka Jiménez Pajares

Geschrieben und geprüft von dem Psychologen Gorka Jiménez Pajares.

Letzte Aktualisierung: 03. Februar 2023

Technologische Entwicklungen haben viele Vorteile und vereinfachen uns das Leben. In den vergangenen Jahren konnten wir auch im Bereich der Psychologie viele digitale Innovationen beobachten, die eine Therapie per Smartphone vereinfachen. Dafür werden sogar erstaunliche Elemente wie die virtuelle Realität (VR) genutzt.

Ein Beispiel für eine VR-implementierte Behandlung ist die AVATAR-Therapie, die zur Behandlung von auditiven Halluzinationen zum Einsatz kommt. Eine virtuelle Entität nimmt die Form der Halluzination des Patienten an, der Therapeut ahmt die Stimme nach, die er so lange verändert, bis sie so klingt, wie sie der Patient wahrnimmt.

Wir sehen uns anschließend die Vor- und Nachteile einer Therapie per Smartphone an.

Therapie per Smartphone: Was können Apps für unsere psychische Gesundheit tun?

Es gibt nur wenige Studien über die Wirksamkeit mobiler Anwendungen in der psychischen Gesundheitsförderung, obwohl Apps höchst interessant sind, denn rund 94,2 Prozent der Deutschen besitzen ein Handy, die meisten haben Internetzugang und nutzen es regelmäßig – eine perfekte Voraussetzung für eine Intervention.

Besonders hervorzuheben sind Apps, die es Patienten ermöglichen, mit anderen Menschen in ähnlichen Situationen zu kommunizieren. Sie bieten soziale Unterstützung und konzentrieren sich vorwiegend auf Prävention und spezifische therapeutische Ziele wie Meditation oder Entspannung.

“Die Allgegenwärtigkeit von Smartphones hat Apps zu einem interessanten Instrument gemacht, um den Zugang zu psychologischer Behandlung zu verbessern.”

Professor Dinesh Bhugra

Therapie per Smartphone

Therapie per Smartphone: Risiken und Vorteile

Laut einer Studie der Forscherin Ana-Maria Cubillo-Leivas haben Menschen, nutzen Patienten sehr unterschiedliche Apps, die unter anderem bei Traumata, Phobien, Persönlichkeitsstörungen oder Anorexie zum Einsatz kommen. Es gibt jedoch in den meisten Fällen keine zuverlässigen Studien, die ihre Wirksamkeit bestätigen könnten. Allerdings wurden Anwendungen für verschiedene Störungen mit hoher Prävalenz untersucht, darunter Angststörungen und Depression. Forschungen im Zusammenhang mit sozialer und generalisierter Angststörung weisen auf verschiedene Vorteile hin. Wir sehen uns jedoch zuerst die möglichen Gefahren einer Therapie per Smartphone an.

Risiken

Eines der größten Risiken ist das Fehlen einer soliden und empirisch fundierten wissenschaftlichen Grundlage. Deshalb sind viele Apps nicht zuverlässig und können keine Wirksamkeit garantieren. Zusätzlich dürfen wir nicht vergessen, dass die persönlichen Daten, die wir in diesen Anwendungen abspeichern, nicht immer den ethischen und rechtlichen Sicherheitsanforderungen entsprechen. Es gibt also vielfach keine Garantie für eine sichere Privatsphäre. Anwender sollten diese beiden Aspekte bei der Wahl der App unbedingt berücksichtigen.

Die Apps können nur sehr bedingt auf individuelle Bedürfnisse eingehen. Ein weiteres Problem ist außerdem die Adhärenz: Es gibt keinen persönlichen Behandlungsplan und Patienten nutzen diese Apps oft sehr unregelmäßig. Es kommt häufig zu Unterbrechungen oder zum Abbruch der Behandlung.

Therapie per Smartphone

Vorteile

Die Therapie per Smartphone hat jedoch auch verschiedene Vorteile, die sie sehr interessant machen:

  • Geringere Kosten: Apps sind für die Patienten kostengünstiger, haben jedoch auch für die Therapeuten den Vorteil, dass sie keine Praxis benötigen, um die Behandlungen durchzuführen. Beide Seiten ersparen sich Anreisezeiten und -kosten.
  • Die Therapie kann überall stattfinden: Die Therapie per Smartphone kann jederzeit und überall genutzt werden. Eine Person mit einer Angststörung kann in einer für sie schwierigen Situation auf die App zugreifen – es gibt keine Öffnungszeiten. Eine App kann ihr beispielsweise bei den ersten Anzeichen einer Panikattacke mit geführten Atemübungen helfen. Bei einer konventionellen Therapie ist das nicht so einfach.
  • Ein zusätzlicher Vorteil ist die Anonymität, die für viele wichtig ist.

Die Therapie per Smartphone ist auf jeden Fall sehr interessant, allerdings sind mehr Studien über ihre Wirksamkeit notwendig. Des Weiteren müssen Qualität, Zuverlässigkeit und Datenschutz garantiert werden, um Patienten tatsächlich in einem sicheren Rahmen helfen zu können.

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