Was ist eine zwanghafte Persönlichkeitsstörung?

· 20. August 2016

Julius ist ein Mann, der sehr erfolgreich bei der Arbeit ist. Er sagt, dass er es, schon seit er jung war, mochte, Dinge gut zu erledigen, und dass er viele Stunden damit verbrachte, sicherzustellen, dass seine Hausarbeiten und seine Hausaufgaben „passabel“ waren. Er definiert sich selbst als eine organisierte, gepflegte und perfektionistische Person.

In seinen eigenen Worten: Entweder sind Dinge perfekt erledigt, oder gar nicht gut. Dann musst du wieder von vorn anfangen und es nochmal machen. Er mag Details und er mag es, wenn die Dinge in Harmonie sind. Er mag Routine und Konsequenz. Er meint, dass seine Art, Dinge zu erledigen, der Grund für seinen Erfolg ist, den er nun in seinem Arbeitsleben hat, auch wenn er immer noch glaubt, dass das noch nicht genug ist.

Was stimmt nicht mit Julius?

Von diesem Standpunkt aus könnte man denken, dass Julius – ein erfolgreicher Mann, in der Arbeit sehr geschätzt, ein fleißiger Arbeiter, organisiert – keine Probleme hat. Aber die Wahrheit ist, dass Julius Persönlichkeit Brüche in anderen Bereichen seines Lebens verursacht. Julius leidet an einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung. 

Eine Person mit dieser Art von Persönlichkeit wird von einem erhöhten Perfektionismus und dem Drang, jede Situation kontrollieren zu wollen, definiert. Ein Perfektionist zu sein bedeutet nicht, sich anzustrengen, um zu erreichen, dass die Dinge so gut wie möglich laufen. Das ist normal und wünschenswert. Ein Perfektionist ist vielmehr eine Person, die darauf Anspruch erhebt, dass das, was sie sich vornimmt, perfekt sein muss. Das Problem ist, dass Perfektion nicht existiert. Deshalb kann diese Person Stunden und sogar Tage damit verbringen, etwas zu tun, das eine andere Person in viel weniger Zeit schaffen würde.

Perfektionisten neigen dazu, Dinge zu beenden oder zu verschieben, aus Angst, dass sie es nicht perfekt machen. Aufgrund ihres Verlangens nach Perfektion sind sie niemals zufrieden mit ihren Ergebnissen, weil sie immer denken, dass sie es noch besser können. Folglich haben sie ein größeres Angstniveau in sich, was bewirkt, dass sie leiden und ihre Erfolge nicht genießen können.

Das Denken dieser Menschen wird als polarisiertes Denken bezeichnet. Das heißt, die Dinge sind entweder schwarz oder weiß, gut oder schlecht. Entweder du bist perfekt oder du bist ein Versager. Da sie trotz ihrer Erfolge niemals die Perfektion erreichen, halten sie sich schlussendlich für Versager.

Menschen mit einer solchen Persönlichkeit verschreiben sich oft vollkommen ihrer Arbeit. Sie nehmen nie Urlaub, auch wenn ihr Chef das von ihnen verlangt. Die Arbeit steht an erster Stelle, oft bringen sie die Arbeit jeden Tag nach Hause, ohne sich davon zu trennen oder anderen Aktivitäten nachzugehen. Offensichtlich verschlechtern sich wegen dieses Verhaltens ihre sozialen Beziehungen und Liebesbeziehungen, weil sie keine Freizeitaktivitäten mehr einplanen. Selbst wenn sie an solchen Aktivitäten teilhaben, fühlen sie sich unbehaglich und denken, dass sie nur Zeit verschwenden.

Beziehungen mit Kollegen sind auch schwierig, weil sie nicht in der Lage sind, Arbeit an andere zu übergeben oder Hilfe von anderen anzunehmen, weil sie denken, dass die anderen nicht kompetent genug sind.

Wie aus all diesen Charakteristika geschlussfolgert werden kann, ist der zentrale Glaube dieser Menschen das Bedürfnis, Dinge perfekt zu erledigen. Außerdem haben sie eine starke Furcht und Angst davor, zu scheitern oder Fehler zu machen.

Was kann Julius tun?

Es stimmt, dass Persönlichkeitsstörungen schwer zu beheben sind, aber Psychotherapie in Kombination mit Medikamenten könnte für diese Patienten hilfreich sein.

Zunächst wäre es notwendig, an dem fehlerhaften Glauben über Perfektionismus und Kontrolle zu arbeiten. Das Ziel für diese Menschen ist es, zu lernen und zu verinnerlichen, dass Perfektion ein irreales Konzept ist. Es existiert nicht und sich selbst zu verpflichten, etwas zu erreichen, das nicht existiert, wird nur Angst und Frustration mit sich bringen. Das wiederum bringt einen dazu, zu leiden, aggressiv und unfreundlich zu sein, oder dazu, sich von seiner Umgebung zu distanzieren und sich selbst emotional zu isolieren.

Die Person muss zulassen, dass sie Fehler macht. Sich zu irren ist menschlich und wir als Menschen können und sollten Fehler machen. Fehler zu machen ermöglicht es uns, in jedem Aspekt unseres Lebens etwas zu lernen und zu wachsen. Es bedeutet nicht mehr als das. Einen Fehler als absolutes Versagen zu sehen ist falsch und wir sollten der Person helfen, sich von dieser irrigen Idee zu lösen und rationaler zu sein.

Ebenso ist es sehr wichtig, zu lernen, soziale Beziehungen und Freizeit zu genießen. Diese Menschen denken, dass es unnötig ist, die freie Zeit zu genießen und an Aktivitäten teilzunehmen, die nichts mit der Arbeit zu tun haben. Doch die Wahrheit ist, dass jeder Mensch auf der Welt sich einmal ausruhen, abschalten und Energie auftanken muss, um danach eine bessere Leistung zu bringen.

Wie diese Menschen eben sind, fühlen sie sich physisch und mental entkräftet. Deshalb sollten wir mit ihnen zusammen an diesen Ideen arbeiten, damit sie verstehen, dass es Zeit für alles gibt und dass Ruhe und Vergnügen notwendig sind, um sich physisch und psychisch gut zu fühlen.

Menschen mit dieser Persönlichkeitsstörung sollten sich selbst fragen: „Was ist das Schlimmste, das mir passieren könnte, wenn ich am Ende bei dieser Aufgabe scheitere?“  Darüber nachzudenken kann einem dabei helfen, zu realisieren, dass wir oft Gedanken und Bilder von Katastrophen und Dramen in unseren Köpfen formen, die letztendlich gar nicht existieren.

Der besorgte Verstand denkt immer, dass etwas Schlimmeres passieren wird, als dann schlussendlich wirklich passiert. Das führt zu unnötigem Leiden, was das Lösen von Problemen schwieriger macht.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von http://amaltiempobuenapsique.com/2012/10/01/combate-el-perfeccionismo/