Sich anderen überlegen fühlen: eine Eigenschaft von unsicheren Menschen

· 18. November 2016

Wir alle kennen einen Menschen, der sich sehr sicher gibt und sich gern zur Schau stellt. Mit hoch erhobenem Kopf verhält er sich, als wüsste er alles, und er tut so, als könnten wir anderen uns niemals mit ihm auf eine Stufe stellen. Diese Menschen erkennen wir an ihrer Eigenschaft, sich anderen überlegen zu fühlen. Sie denken, sie sind besser als andere und an ihrer Seite finden sich zum einen Personen, die sie anhimmeln, und zum anderen Menschen, die ihre Opfer sind.

„Unser Ego steht in direktem Zusammenhang mit der Unsicherheit, die wir fühlen.“

Rafael Calbet

Bescheidenheit ist keine Eigenschaft, die diese Menschen auszeichnet. Sie sind immer stolz und bilden sich auf alles etwas ein, damit sie besser dastehen als der Rest. Aber steckt noch etwas anderes dahinter? Kann es sein, dass sie sich eine Maske aufsetzen, um einen riesigen Komplex dahinter zu verstecken?

Das Gefühl von Überlegenheit und Selbsttäuschung

Denken wir doch einmal an die Menschen, die andere mobben. Sie sind nicht so stark, wie sie scheinen, denn sie brauchen es, andere zu verletzen, jemandem Angst zu machen, um sich Respekt zu verschaffen. Aber in ihrem tiefsten Inneren sind sie nicht so mutig, wie es den Anschein macht. Sie haben ernsthafte Probleme, die sie hinter einer Maske zu verbergen suchen, und die sie auf ihr Umfeld projizieren.

Das Gleiche gilt auch für Menschen, die sich anderen überlegen fühlen. Hinter all dieser Verachtung, die sie ihren eigenen Freunden gegenüber zeigen, versteckt sich ein viel tiefgründigeres Problem, das sie versuchen, zu vertuschen. Es handelt sich hier um eine Situation, die sie selbst noch verschlimmern, indem sie sich eine Maske der Selbstgefälligkeit aufsetzen, die das Problem aber niemals lösen kann.

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Der Mensch besitzt die großartige Fähigkeit, Probleme, die ihn überfordern, zu leugnen. Darüber hinaus wagt er sich manchmal sogar die Realität, die sich vor seinen Augen abspielt, zu verneinen. Hin und wieder tun wir das aus Angst, andere Male aus Scham. Im Falle von herablassenden Menschen ist das große Problem deren Unsicherheit, die sie quält.

Wie es anders nicht sein könnte, spielt das Selbstwertgefühl hierbei eine große Rolle. Natürlich bleiben dir in Gegenwart dieser Menschen nur zwei Möglichkeiten, zu handeln: dich überlegen oder unterlegen zu fühlen. Menschen, die denken, dass sie besser als andere sind, verkleiden ihre Unsicherheit, indem sie sich so geben, als wären sie besser als andere, und sie demütigen ihre Mitmenschen, damit sie sich in ihrer eigenen Haut wohler fühlen.

Ich werde immer von oben auf dich herab schauen

Einer der Faktoren, der eine Person dazu bewegen kann, sich anderen überlegen zu fühlen, kann mit früher erlebtem Mobbing zu tun haben. Es ist möglich, dass sich dieser Mensch in den folgenden Jahren grundlegend verändert, ein Verhalten annimmt, dass es ihm scheinbar erlaubt, sich vor erneutem Mobbing zu schützen.

Aus diesem Grund zeigt er vom ersten Tag an Sicherheit und beginnt, andere anzufeinden. Er gibt sich dann als jemand aus, der er in Wahrheit nicht ist. Er wird auch niemals einen Fehler zugeben und die Schuld immer auf andere schieben. Darüber hinaus kann er pedantisch und arrogant sein, mit einer derart positiven Meinung über sich selbst, dass er tatsächlich zu einem Vorbild für viele Menschen in seiner Umgebung wird.

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Um ihr herablassendes Verhalten aufrechtzuerhalten, müssen einige dem zustimmen. Andernfalls wird ihre Strategie nicht aufgehen und sie werden aufliegen. Um dies zu sichern, machen sie von ihrem großen Hang zur Theatralik Gebrauch und machen Witze über Menschen, die ihnen tatsächlich überlegen sind, um andere davon zu überzeugen, dass sie in Wahrheit der Anführer sind.

Doch zu ihrem Bedauern geht dieser Zustand früher oder später vorüber. Und wenn das passiert, leidet ihr Selbstwertgefühl stark darunter. Ein Problem zu ignorieren, wird es nur noch schlimmer machen und es wird uns dann mit einer so gewaltigen Wucht treffen, wenn wir es nicht mehr verbergen können, dass wir nur schwer mit ihm umgehen können.

„Die Selbsttäuschung ist zuerst ein warmer Zufluchtsort und dann eine kalte Gefängniszelle.

María Jesús Torres

Sich eine Maske aufzusetzen, ist niemals eine gute Entscheidung. Die Lösung liegt darin, sich auf die Suche nach einem ausgewogenen Selbstwertgefühl zu begeben, sodass wir uns sicher und gut mit uns selbst fühlen können. Uns als Menschen zu geben, die andere verletzen, wird nicht dabei helfen, uns besser zu fühlen, zumindest nicht auf lange Sicht. Im Inneren werden wir weiterhin diese Leere und diese schreckliche Unsicherheit spüren.

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Deshalb solltest du immer vorsichtig sein, wenn du mit Menschen zu tun hast, die glauben, über dir zu stehen. Sie haben keine Schuld an ihrem Verhalten. Das begründen wir damit, dass diese Personen grauenvolle Situationen erleben mussten. Wenn du die Möglichkeit hast, ihnen eine Hand zu erreichen und ihnen zu helfen, dann tu das; wenn nicht, dann distanziere dich von ihnen und sie sollen ihren Weg weitergehen, bis sie ihr Problem der Unsicherheit selbst gelöst haben.

Jetzt weißt du, dass jeder, der seine großartigen Fähigkeiten übertrieben zur Schau stellt – sei es seine Sicherheit, Stärke, sein Mut, seine Intelligenz – um sich über andere zu stellen, das tut, weil er ein Problem mit sich selbst hat. Es ist sein Weg, sich zu schützen, obwohl das einzige, was er damit erreicht, ist, sich noch mehr auszugrenzen.