Jede Maske hat ein Loch, durch die die Wahrheit zum Vorschein kommt

· 22. Januar 2018

Generell hat ein Großteil der Menschen Spaß am Karneval und wir setzen uns gern mal die eine oder andere Maske zur Faschingszeit auf. Es gefällt uns, für eine bestimmte Zeit des Jahres jemand zu sein, der man sonst nicht ist, sich in der Haut einer anderen Person zu verstecken und uns in anderen Facetten der Realität und der Fantasie wiederzufinden.

Jedoch bemerken wir oft nicht, dass wir uns auch außerhalb der Faschingszeit oft eine Maske aufsetzen, für die anderen oder auch für uns selbst. Die anderen sehen, dass wir eine Figur sind, die versucht, sich öffentlich besser darzustellen: Aus Angst, allein zu sein oder einfach um bestimmten sozialen Mustern zu folgen, verstecken wir uns hinter mehr oder weniger ausgereiften Verkleidungen.

„Schlimm wird es jedoch, wenn man, um einen Kontakt zu knüpfen oder um mit jemand anderem zu kommunizieren, für sich selbst eine Art Charakter erfinden muss, der kommuniziert, der aber nicht der gleiche ist, wie der, der in einem steckt. Damit fängst man an, diesen Charakter mehr und mehr zu erfinden, die eigentliche Persönlichkeit zu vergessen, und stattdessen beginnt man, an diesen Charakter zu glauben.“

Manuel Puig

Eine Maske sagt mehr als ein Gesicht

Eine Maske ist klar eine Verkleidung: Ein Objekt, das unsere wahren Gesichtszüge versteckt und unsere äußere Wirkung verändert. Deshalb, metaphorisch gesehen, ist eine Maske auch eine Form, die Persönlichkeit eines jeden von uns zu überdecken und uns denken zu lassen, dass die Identität, die wir haben, anders als unsere wirkliche ist.

Eine der häufigsten unterbewussten Ursachen, warum man sich vor anderen als jemand darstellt, der man nicht ist, ist die Angst davor, nicht respektiert, geliebt oder akzeptiert zu werden: Es ist normal, dass wir dazu neigen, vorzugeben, etwas zu sein, und dass wir nicht komplett ehrlich sind, weil wir uns so sicherer vor dem Rest fühlen, wenn wir sehen, dass wir das sind, was sie wohl von uns erwarten.

Sich zu verstecken ist eine erste menschliche Reaktion, die aus der Angst davor hervorgeht, dass man schlecht über uns denken könnte, wie wir bereits erwähnt haben: Wir treten vielleicht sehr laut auf, damit sie uns nicht für verletzlich halten, wir können uns bei einer Beerdigung aus reiner Diplomatie bedächtig zeigen, wir können uns höflich verhalten, weil wir daran interessiert sind, unsere Arbeit zu behalten, usw.

Mann mit Maske aus Pflanzen

Wenn wir vorgeben, etwas anderes zu sein, dann werden wir, was wir zu sein vorgeben

Calderón de la Barca hat mich auf den folgenden, im Untertitel angedeuteten Gedanken, gebracht: Wir strengen uns an, etwas vorzugeben und wir beschäftigen uns überhaupt nicht mit dem, was wir sind, und versuchen nicht, es zu verbessern. Es erscheint uns viel einfacher, zu lügen, nicht natürlich zu sein und einfach an der Oberflächliche zu verweilen.

Dies führt uns dazu, eine Umgebung zu erschaffen, in der die Erscheinung wichtiger ist als wirkliche Gefühle: Wir lassen uns von Vorurteilen treiben, von Bildern und Vermutungen. Es ist deshalb nützlich, die Maske abzunehmen und über sie hinweg zu schauen, wenn wir eine vor uns haben.

Die beste Weise, die Maske abzunehmen, besteht darin, sich kennenzulernen und unserer Essenz eine Chance zu geben: Auf diese Weise können wir uns dem, was uns umgibt, ohne Verstellungen präsentieren, mit unserer Magie. Entfernt von Übertreibungen und unbegründeten Hoffnungen werden wir glücklicher sein, da wir jeder Sache und jeder Person den Platz geben, den sie in unserem Leben verdient haben.

Manche Menschen verdeckt die Maske nicht, sondern enthüllt sie

Entgegen aller anfänglichen Erwartungen wird die Maske, die wir sicher geglaubt haben, früher oder später abfallen oder anfangen, Löcher zu bekommen und wird so alle Wahrheit unserer Essenz ans Licht bringen. Dies passiert vielen Menschen: Die Maske enthüllt sie, weil die Zeit ihnen am Ende auf die Schliche kommt.

Frau mit Maske in der Hand

In anderen Worten, je ausgearbeiteter die Verkleidung ist, desto mehr ähneln wir uns selbst, so hat es uns José Saramago gezeigt. Das Gefährliche daran ist, dass wir nicht nur uns betrogen haben, sondern das wir alle betrogen haben: Beziehungen begründen sich auf Aufrichtigkeit und Vertrauen, doch wenn wir etwas vorgeben, was wir nicht sind, dann nimmt uns das automatisch diese beiden Tugenden.

Es ist uns bei mehr als nur einer Gelegenheit passiert, dass jemand, den wir zu kennen geglaubt haben, uns enttäuscht hat, weil er nun aus irgendeinem Grund nicht mehr so ist, wie wir gedacht haben. Was passiert sein könnte, ist, dass er in Wirklichkeit aufgehört hat, sich zur Schau zu stellen und uns einige Verhaltensweisen zu sehen gegeben hat, die er vor uns zu verstecken versucht hat.

„Als er uns anschaute, schien es, als würde er nach Wahrheit in uns suchen, oder als wüsste er, dass hinter jeder Sache noch mehr steckt.“

Clara Sánchez