Phylemophobie oder die übersteigerte Angst vor dem Küssen

Manche Menschen haben eine irrationale Angst davor, andere zu küssen oder geküsst zu werden. Erfahre heut emehr über diese Angststörung.
Phylemophobie oder die übersteigerte Angst vor dem Küssen

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 18. Juni 2022

Die Phylemophobie beschreibt die übersteigerte Angst vor dem Küssen, die sich nicht nur auf leidenschaftliche Augenblicke mit einem Partner oder einer Partnerin beschränkt, sondern auch bei der Begrüßung durch einen Kuss auf die Wange entsteht.

Wie jede spezifische Phobie ist auch die Phylemophobie eine Störung, die durch irrationale Ängste in einer spezifischen Situation entsteht. Die betroffene Person weiß, dass es dafür keinen erklärbaren Grund gibt, kann ihre Reaktion jedoch nicht kontrollieren. Erfahre heute mehr über diese Angststörung.

Die Merkmale der Phylemophobie

Die Phylemophobie geht weit über einfache Angst oder Nervosität hinaus. Wer ist beim ersten Kuss nicht nervös? In diesem Fall ist es jedoch nicht der Kuss, der Nervosität auslöst, sondern die Situation: Du könntest zurückgewiesen werden, die andere Person könnte andere Absichten haben, es ist eine völlig neue Erfahrung…

Bei Phylemophobie löst der Kuss als solcher die Angst aus. Betroffene reagieren übertrieben, wenn sie geküsst werden und schrecken davor zurück, andere zu küssen. Eine Diagnose dieser Angststörung erfordert folgende Kriterien:

  • Die Angst steht in keinem Verhältnis zu der realen Situation.
  • Betroffene können ihre Gefühle und Ängste nicht kontrollieren.
  • Sie haben keine logische Erklärung für ihre Gefühle. Auch wenn sie wissen, dass die Angst irreal ist, können sie sie nicht vermeiden.
  • Die Angst ist so groß, dass Betroffene alle Situationen vermeiden, in denen es zu einem Kuss kommen könnte.
  • Diese Angst ist sehr übertrieben und verursacht Beziehungsprobleme.
Filemaphobie oder die übersteigerte Angst vor dem Küssen
Hinter der Phobie vor dem Küssen verstecken sich in der Regel andere Ängste.

Symptome der Phylemophobie

Die Phylemophobie weist dieselbe Symptomatik auf wie andere spezifische Phobien. Das Einzige, was sie von anderen unterscheidet, ist der Stimulus, der sie auslöst: das Küssen.

Die Angst kann sich in Form einer Panikattacke oder eines allgemeinen Angstgefühls äußern. Je näher der Reiz kommt, desto stärker das Angstgefühl. Zu den charakteristischen Anzeichen zählen folgende:

  • Körperliche Symptome: Herzrasen, Schwitzen, Zittern, Kurzatmigkeit, Benommenheit, Schwindel, Engegefühl in der Brust, Übelkeit, erhöhte Muskelspannung und Kopfschmerzen
  • Psychologische Symptome: aufdringliche Gedanken, die um die Gefahr des Küssens kreisen (dabei könnten zum Beispiel Krankheiten übertragen werden)
  • Verhaltensmuster: Vermeidung der Situation wegen des gefürchteten Reizes.

Verwandte Phobien

Die meisten Patienten, die an einer Angststörung leiden, haben mehr als eine spezifische Phobie. Phylemophobie steht häufig mit folgenden Angststörungen im Zusammenhang:

Mysophobie

Diese Ansteckungsphobie beschreibt die Angst davor, sich mit einer Krankheit zu infizieren. Sie führt zu akribischer Reinlichkeit und krankhaften Putzzwängen. Menschen mit Angst vor Küssen leiden häufig daran: Der Speichel der anderen Person könnte schädliche Keime oder Bakterien enthalten.

Halitophobie

Wir sprechen von der Angst, an Mundgeruch zu leiden. Diese Phobie kann sich auf die eigene Person oder auf andere beziehen und kann zur Angst vor dem Küssen führen.

Haptophobie

Es geht um irrationale Berührungsangst, die unter anderem auch zu Phylemophobie führen kann.

Ursachen der Phylemophobie

Zahlreiche Faktoren können als Auslöser betrachtet werden. Wir nennen anschließend die häufigsten.

Konditionierung

Kognitive Verhaltenstheorien erklären die Entstehung von Phobien durch die klassische Konditionierung, bei der ein zuvor neutraler Reiz (wie ein Kuss) mit aversiven Reizen assoziiert wird, bis schließlich irrationale Angst entsteht. Durch das Vermeidungsverhalten halten Betroffene ihre Angst aufrecht.

Glaubenssätze und Erziehungsstile

Religiöse oder kulturelle Überzeugungen sind ebenfalls wichtige Faktoren, die zu Phylemophobie führen können. Die Erziehung und frühe Erfahrungen können die Angst auslösen.

Trauma

Ein Trauma (biespielsweise ein sexueller Übergriff) könnte die Angst vor dem Küssen ebenfalls erklären.

In diesem Sinne wird vermutet, dass die Ursache für diese psychische Störung multifaktoriell ist: Sie hängt unter anderem von der Erziehung, der Kultur, den Überzeugungen, frühen Erfahrungen und den Persönlichkeitsmerkmalen ab.

Frau mit Phylemophobie
Traumatische Erfahrungen im Zusammenhang mit Sexualität oder einer Beziehung können Phylemophobie verursachen.

Die Behandlung von Phylemophobie

Es gibt glücklicherweise spezifische Therapien, um Menschen mit Phobien zu helfen. Die kognitive Verhaltenstherapie hat sich als sehr wirksam erwiesen. Sie befasst sich mit den verzerrten Gedanken, die den Patienten ängstigen, und mit maladaptiven Verhaltensweisen. Betroffene erhalten Werkzeuge mit auf den Weg, um sich in einer Krisensituation zu behaupten.

Auch Achtsamkeit kann helfen, Angst zu verringern. In schweren Fällen verschreiben Ärzte Anxiolytika, um die Symptome zu lindern. Eine medikamentöse Behandlung sollte jedoch immer in Kombination mit einer Psychotherapie erfolgen.

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  • American Psychiatric Association (2014). Manual diagnóstico y estadístico de los trastornos mentales. 5ª Edición. Editorial Medica y Panamericana.
  • Capafons, J. (2001). Tratamientos psicológicos eficaces para las fobias específicas. Psicothema, 2001; 13(3): 447-452. Disponible en: http://www.psicothema.com/psicothema.asp?id=467